OeNB-Analyse zeigt veränderte Kredit- und Spargewohnheiten nach Leitzinssenkungen
Wohnbaukredite boomen wieder, aber 86% der Österreicher wählen trotz günstigerer Variabilzinsen weiterhin Fixzinsen. Sparverhalten ändert sich deutlich.
Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) analysierte die Auswirkungen der EZB-Leitzinssenkungen im Jahr 2025 auf den heimischen Finanzmarkt.
Die Europäische Zentralbank senkte 2025 die Leitzinssätze in vier Schritten um einen vollen Prozentpunkt. Im Jahr 2025 wurden mit einem Volumen von insgesamt 17 Mrd EUR deutlich mehr neue Wohnbaukredite vergeben als im Jahr zuvor (11 Mrd EUR).
Für neue Wohnbaukredite ging der Zinssatz für variable Kredite um knapp einen Prozentpunkt von 4,14 % (Ende 2024) auf 3,21 % (Ende 2025) zurück. Die Fixzinssätze blieben praktisch unverändert bei etwa 3,42 % (2024: 3,43 %).
Fast neun von zehn (86 %) neuen Wohnbaukrediten wiesen eine Fixverzinsung auf. Insgesamt hatten österreichische Haushalte Ende 2025 188 Mrd EUR an ausstehenden Bankkrediten, wovon mehr als die Hälfte (58 %) fixverzinst waren.
Kreditnehmer:innen mit bereits bestehenden, variablen Wohnbaukrediten zahlten im Jahr 2025 pro 100.000 EUR Kreditschuld insgesamt rund 3.450 EUR an Kreditzinsen. Das war weniger als im Vorjahr (4.690 EUR), jedoch weiterhin mehr als 2022 (1.460 EUR). Für ihre Wohnbaukredite zahlten die Österreicher:innen im Jahr 2025 mit rund 3,6 Mrd EUR deutlich weniger an Zinsen als im Jahr 2024 (4,2 Mrd EUR).
Bei neuen Unternehmenskrediten war zu erkennen, dass mehr Investitionskredite mit einer Laufzeit von über fünf Jahren abgeschlossen wurden. Ein knappes Drittel (15 Mrd EUR) der 2025 neu vergebenen Kredite an Unternehmen ging an Firmen im Immobiliensegment.
Die Zinssätze auf Spareinlagen von Haushalten sanken 2025 ebenfalls. Für neue Festgeld-Einlagen lukrierten österreichische Haushalte Ende 2025 noch 1,62 % (2024: 2,43 %). Täglich fällige Einlagen auf Sparkonten waren Ende 2025 in Österreich mit durchschnittlich 0,69 % verzinst.
Während private Haushalte 2023 und 2024 ihr Volumen auf Sparkonten noch um insgesamt 37 Mrd EUR erhöhten, investierten sie 2025 kaum mehr in neue Spareinlagen (+2 Mrd EUR) und hielten wieder vermehrt Geldbestände auf ihren Girokonten (+8 Mrd EUR). Private Haushalte veranlagten zusätzlich rund 7 Mrd EUR in Investmentfonds und 6 Mrd EUR in Schuldverschreibungen.
Generell spielte das Thema Nachhaltigkeit für inländische Investor:innen in den vergangenen Jahren eine immer wichtigere Rolle, was sich im sukzessive erhöhten Bestand an nachhaltigen Anleihen (ESG-Bonds) widerspiegelt.
Die OeNB hat ein neues Wohnimmobilien-Dashboard veröffentlicht. Es bietet einen Überblick über Informationen zu Preisentwicklungen, Baukosten und durchschnittlichen Kredithöhen. Neue Preisindizes zeigen etwa, dass seit 2012 die Preise im ländlichen Raum stärker als im städtischen angestiegen sind; dabei gab es große regionale Unterschiede, etwa zwischen Burgenland und Oberösterreich.
Statistik-Angebot der OeNB:
https://www.oenb.at/Statistik.html
Immobilien-Hub:
https://oenb.shinyapps.io/wohnimmobilien_dashboard/
Transparenzplattform für Spareinlagenzinsen:
https://www.oenb.at/Statistik/sparzinsen-oesterreich.html