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Sanktionsrecht: Experten diskutieren komplexe Rechtslage

Forum an Uni Krems bringt 70 Fachleute aus Wirtschaft und Behörden zusammen

20. März 2026 um 10:02
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Das 3. Forum Sanktionenrecht an der Universität Krems behandelte aktuelle Entwicklungen im Wirtschaftsrecht mit internationalen Experten.

Das Sanktionsrecht entwickelt sich zu einem der komplexesten Rechtsgebiete für österreichische Unternehmen. Bei der bereits dritten Ausgabe des "Forum Sanktionenrecht" an der Universität für Weiterbildung Krems kamen am 19. März 2026 mehr als 70 Expertinnen und Experten zusammen, um die neuesten rechtlichen Entwicklungen auf nationaler und EU-Ebene zu diskutieren.

Praxisorientierter Austausch zwischen allen Akteuren

Die Konferenz vereinte Vertreter aus Rechtsabteilungen von Unternehmen, Führungskräfte, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte sowie Angehörige von Justiz und Verwaltung. Diese breite Zusammensetzung ermöglichte einen direkten Dialog zwischen allen Beteiligten des Sanktionenrechts.

"Der offene fachliche Austausch, Fallbeispiele aus der Industrie und der Dialog mit Behörden und europäischen Akteuren ermöglichten wieder eine besonders praxisorientierte Konferenz", betonten die Initiatoren Univ.-Prof. Thomas Ratka von der Universität für Weiterbildung Krems und Rechtsanwalt Andreas Pollak von petsche pollak attorneys at law. Das Format habe sich bewährt und werde fortgesetzt, da Unternehmen so Haftungsrisiken hinsichtlich Sanktions- und Exportkontroll-Compliance minimieren könnten.

Hochkarätige Referenten aus verschiedenen Bereichen

Das Programm wartete mit namhaften Speakern auf verschiedenen Ebenen auf. Tim Joris Kaiser von der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich beleuchtete die EU-Perspektive, während Manfred Semelka vom Bundesministerium für Finanzen die nationale Sichtweise darstellte.

Besonders interessant war der internationale Blickwinkel: Daniel Dodds vom US Office of Foreign Assets Control erläuterte die amerikanische Herangehensweise an Sanktionen, die für viele österreichische Unternehmen mit US-Geschäftstätigkeiten von großer Relevanz ist. Ralf Hagspiel vom Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus rundete die behördliche Perspektive ab.

Einen besonderen Höhepunkt stellte die Zuschaltung von Christian Wehrschütz dar, dem bekannten ORF-Korrespondenten und Autor des Buchs "Frontlinien", der aktuell aus Laibach berichtete und damit eine journalistische Perspektive auf die aktuellen geopolitischen Entwicklungen einbrachte.

Wirtschaftliche Analyse und Vollzugspraxis

Vasily Astrov vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) lieferte eine fundierte wirtschaftliche Analyse der Sanktionsauswirkungen. Diese wissenschaftliche Betrachtung ergänzte die rechtlichen Aspekte um wichtige ökonomische Dimensionen.

Die Finanzmarktaufsicht war durch Annegret Droschl-Enzi und Christa Drobesch vertreten, die die spezifischen Herausforderungen im Finanzsektor beleuchteten. Gerade in diesem Bereich sind die Compliance-Anforderungen besonders hoch, da Banken und andere Finanzdienstleister als Gatekeeper fungieren.

Internationale Zusammenarbeit im Fokus

Der Vollzug und die internationale Zusammenarbeit standen im Mittelpunkt der Beiträge von Stefan Prasser von der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst, Lukas Lobnik von der Oesterreichischen Nationalbank und Michaela Schütz von der Schweizer Bundespolizei. Diese Perspektive verdeutlichte, wie komplex die grenzüberschreitende Durchsetzung von Sanktionen in der Praxis ist.

Best Practices aus der Unternehmenspraxis

Das abschließende Praxispanel mit Thorsten Güldner-Bervoets von der Raiffeisen Bank International und Alexander Liess von Steyr Arms bot konkrete Einblicke in die Implementierung von Sanktions-Compliance in Unternehmen. Diese Erfahrungsberichte aus erster Hand sind für andere Unternehmen besonders wertvoll, da sie aufzeigen, wie theoretische Anforderungen in der Praxis umgesetzt werden können.

Die Raiffeisen Bank International steht als international tätige Bank vor besonderen Herausforderungen, während Steyr Arms als Rüstungsunternehmen mit zusätzlichen Exportkontrollbestimmungen konfrontiert ist. Diese unterschiedlichen Perspektiven verdeutlichten die Vielfalt der Herausforderungen je nach Branche.

Starke Partnerschaft mit Wirtschaftsorganisationen

Die Konferenz wird von wichtigen Partnern aus der Wirtschaft unterstützt. Die Junge Industrie Niederösterreich & Burgenland, AmCham Austria sowie die Vereinigung der österreichischen Unternehmensjuristinnen und Unternehmensjuristen (VUJ) tragen zur Relevanz und Reichweite der Veranstaltung bei.

Diese Partnerschaft zeigt, wie wichtig das Thema Sanktionsrecht für die österreichische Wirtschaft geworden ist. Gerade in Zeiten geopolitischer Spannungen müssen sich Unternehmen aller Größenordnungen mit komplexen rechtlichen Anforderungen auseinandersetzen.

Permanentes Netzwerk geplant

Die Organisatoren planen, das "Forum Sanktionenrecht" als dauerhaftes Netzwerk für Fachleute in Unternehmen zu etablieren. Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der bisherigen Konferenzen wird eine Mitgliedschaft angeboten. Diese Institutionalisierung unterstreicht den langfristigen Bedarf an fachlichem Austausch in diesem dynamischen Rechtsgebiet.

Bereits für Anfang November ist die nächste Praxiskonferenz zum Thema mit internationalem Fokus geplant. Diese Kontinuität ist wichtig, da sich das Sanktionsrecht permanent weiterentwickelt und neue Herausforderungen entstehen.

Wachsende Bedeutung für österreichische Unternehmen

Das Sanktionsrecht hat in den letzten Jahren erheblich an Komplexität gewonnen. Österreichische Unternehmen müssen sich nicht nur mit EU-Sanktionen, sondern auch mit US-amerikanischen und anderen internationalen Sanktionsregimen auseinandersetzen. Dies gilt besonders für Unternehmen mit internationalen Geschäftsbeziehungen.

Die hohe Teilnehmerzahl von mehr als 70 Expertinnen und Experten zeigt, dass das Thema in der Praxis angekommen ist. Unternehmen erkennen zunehmend, dass effektive Compliance-Systeme nicht nur rechtlich geboten, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll sind, um Reputationsschäden und finanzielle Verluste zu vermeiden.

Das Forum Sanktionenrecht an der Universität für Weiterbildung Krems hat sich als wichtige Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Behörden etabliert. Die Kombination aus theoretischen Grundlagen, aktuellen rechtlichen Entwicklungen und praktischen Erfahrungen macht die Veranstaltung zu einem unverzichtbaren Termin für alle, die sich professionell mit Sanktionsrecht beschäftigen.

Schlagworte

#Sanktionsrecht#Compliance#Universität Krems#Wirtschaftsrecht#EU-Sanktionen

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