Österreichisches Biotech-Unternehmen startet Barkapitalerhöhung zur Überbrückung kurzfristiger Liquiditätslücke
Die Marinomed Biotech AG plant eine Kapitalerhöhung um bis zu 460.000 neue Aktien im Bezugsverhältnis 4:1 zum Preis von 14 Euro je Aktie.
Das österreichische Biotechnologie-Unternehmen Marinomed Biotech AG hat eine Barkapitalerhöhung zur Deckung eines kurzfristigen Kapitalbedarfs von rund zwei Millionen Euro beschlossen. Der Vorstand der in Korneuburg ansässigen Gesellschaft fasste diesen Entschluss am 19. März 2026 mit Zustimmung des Aufsichtsrats.
Die Kapitalerhöhung erfolgt unter teilweiser Ausnutzung des genehmigten Kapitals und unter Wahrung der Bezugsrechte bestehender Aktionäre. Das Grundkapital soll von derzeit 1.839.940 Euro um bis zu 459.985 Euro durch die Ausgabe von bis zu 459.985 neuen Inhaber-Stammaktien ohne Nennwert auf bis zu 2.299.925 Euro erhöht werden.
Bestehende Aktionäre erhalten Bezugsrechte im Verhältnis 4:1, das bedeutet, für jeweils vier bestehende Aktien kann eine neue Aktie zum Bezugspreis von 14 Euro gezeichnet werden. Die Gesellschaft strebt einen Bruttoemissionserlös von mindestens zwei Millionen Euro an.
Der maßgebliche Stichtag für das Entstehen der Bezugsrechte ist der 25. März 2026 um 23:59 Uhr. Die Bezugsfrist beginnt am 26. März 2026 um 9:00 Uhr und endet voraussichtlich am 9. April 2026 um 17:40 Uhr, wobei eine Verlängerung möglich ist. Die Bezugsrechte werden nicht an der Wiener Börse handelbar sein.
Nicht im Rahmen des Bezugsangebots gezeichnete Aktien werden anschließend in einer prospektfreien Privatplatzierung an qualifizierte institutionelle Investoren und ausgewählte nicht-institutionelle Anleger im Europäischen Wirtschaftsraum zum Bezugspreis angeboten.
Der kurzfristige Kapitalbedarf entsteht aufgrund bislang nicht in ausreichender Höhe vereinnahmter Zahlungen aus der Übertragung des Carragelose-Geschäfts an Unither Pharmaceuticals. Die Gesellschaft benötigt rund zwei Millionen Euro zur Deckung des absehbaren Liquiditätsbedarfs bis zur Mitte des Geschäftsjahres 2026.
Der Nettoemissionserlös der Kapitalerhöhung soll für die Erfüllung des Sanierungsplans und die Schließung der Finanzierungslücke verwendet werden. Diese Entwicklung zeigt, dass das Unternehmen weiterhin mit finanziellen Herausforderungen kämpft, die eine kurzfristige Kapitalzufuhr erforderlich machen.
Ein positives Signal ist die verbindliche Zusage eines institutionellen Investors, der bislang noch keine Aktien der Gesellschaft hält. Dieser hat sich verpflichtet, im Rahmen der Rumpfplatzierung neue Aktien in einem Gesamtbetrag von einer Million Euro zum Bezugspreis zu zeichnen und zu übernehmen. Dies entspricht etwa der Hälfte des angestrebten Emissionserlöses.
Marinomed macht für das Angebot der neuen Aktien sowie deren Zulassung zum Handel an der Wiener Börse von Prospektausnahmen nach der EU-Prospektverordnung Gebrauch. Das erforderliche Dokument wird vor Beginn des öffentlichen Angebots bei der Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) hinterlegt und über die Website www.marinomed.com veröffentlicht.
Marinomed Biotech AG ist ein österreichisches, wissenschaftsbasiertes Biotechnologie-Unternehmen mit Sitz in Korneuburg. Das Unternehmen entwickelt patentgeschützte, innovative Produkte auf Basis seiner Marinosolv-Plattform-Technologie, die die Löslichkeit und Bioverfügbarkeit von schwer löslichen Wirkstoffen erhöht.
Die Technologie wird zur Entwicklung neuer Therapeutika für Indikationen im Bereich der autoreaktiven Immunerkrankungen eingesetzt. Das Unternehmen notiert an der Wiener Börse unter dem Symbol MARI und verfügt über eine wachsende Entwicklungspipeline.
Die Kapitalerhöhung verdeutlicht die angespannte Finanzlage des Biotechnologie-Unternehmens. Der Umstand, dass kurzfristig Liquidität beschafft werden muss, deutet auf operative Herausforderungen hin, insbesondere im Zusammenhang mit noch ausstehenden Zahlungen aus dem Verkauf des Carragelose-Geschäfts.
Für bestehende Aktionäre bedeutet die Kapitalerhöhung eine Verwässerung ihrer Beteiligung, sofern sie nicht von ihren Bezugsrechten Gebrauch machen. Der Bezugspreis von 14 Euro je Aktie wird zeigen, ob der Markt das Unternehmen zu diesem Kurs bewertet.
Die Kapitalerhöhung bietet dem Unternehmen die Möglichkeit, kurzfristige Liquiditätsprobleme zu lösen und den Sanierungsplan umzusetzen. Gleichzeitig zeigt sie aber auch die Abhängigkeit von externen Finanzierungsquellen auf.
Investoren sollten beachten, dass es sich um eine Ad-hoc-Mitteilung gemäß der Marktmissbrauchsverordnung handelt, was die Bedeutung dieser Information für die Kursentwicklung unterstreicht. Die Tatsache, dass ein neuer institutioneller Investor eine Million Euro investieren will, könnte als Vertrauenssignal gewertet werden.
Die weitere Entwicklung wird davon abhängen, ob Marinomed die erhaltenen Mittel effektiv einsetzen kann, um die operative Situation zu stabilisieren und die Entwicklungspipeline voranzutreiben. Anleger sollten die Verwendung der Mittel und die operative Performance in den kommenden Quartalen genau beobachten.