Biotechnologie-Unternehmen aus Korneuburg benötigt kurzfristig Liquidität nach Verzögerungen bei Earnout-Zahlungen
Die Marinomed Biotech AG erhöht ihr Kapital um bis zu 459.985 neue Aktien zu je 14 Euro, um eine Finanzierungslücke zu schließen.
Die österreichische Marinomed Biotech AG aus Korneuburg hat eine Bezugsrechts-Kapitalerhöhung angekündigt, um kurzfristig benötigte Liquidität zu beschaffen. Das Biotechnologie-Unternehmen will bis zu 459.985 neue Aktien ausgeben und dabei einen Bruttoemissionserlös von mindestens 2 Millionen Euro erzielen.
Erstmals seit längerer Zeit erhalten bestehende Aktionäre wieder die Möglichkeit, über Bezugsrechte an einer Kapitalerhöhung teilzunehmen. Das Bezugsverhältnis wurde auf 4:1 festgelegt - das bedeutet, vier bestehende Aktien berechtigen zum Bezug einer neuen Aktie zum Preis von 14 Euro je Stück.
Das Bezugsangebot soll am 26. März 2026 beginnen und wird der gesetzlichen Mindestdauer von zwei Wochen entsprechen. Nicht bezogene Aktien werden anschließend im Rahmen einer Privatplatzierung an qualifizierte institutionelle Investoren angeboten. Bereits jetzt liegt eine verbindliche Zusage eines institutionellen Investors vor, der Aktien im Wert von 1 Million Euro zeichnen will.
Der Grund für die Kapitalmaßnahme liegt in Verzögerungen bei erwarteten Zahlungen aus dem Verkauf des Carragelose-Geschäfts an Unither Pharmaceuticals. CEO Andreas Grassauer erklärt: "Weil es bei den Earnout-Zahlungen aus dem Verkauf des Carragelose Geschäfts zu Verzögerungen gekommen ist, wird diese Liquiditätslücke mit dieser Kapitalmaßnahme geschlossen."
Das Unternehmen benötigt rund 2 Millionen Euro zur Deckung des absehbaren Liquiditätsbedarfs bis zur Mitte des Geschäftsjahres 2026. Der Nettoemissionserlös soll für die Erfüllung des Sanierungsplans und die Schließung der Finanzierungslücke verwendet werden.
Parallel zur Kapitalerhöhung veröffentlichte Marinomed vorläufige Geschäftszahlen für 2025, die eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr zeigen. Die Umsatzerlöse stiegen von 4,7 Millionen Euro auf 7,7 Millionen Euro. Darin enthalten ist allerdings eine Vorauszahlung von 5 Millionen Euro aus dem Verkauf des Carragelose-Geschäfts.
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung beim Jahresergebnis: Nach einem Verlust von 15,4 Millionen Euro im Jahr 2024 konnte 2025 ein Gewinn von 15,3 Millionen Euro erzielt werden. Dieser positive Effekt ist hauptsächlich einem Restrukturierungsgewinn von 18,9 Millionen Euro zu verdanken.
Die Personalkosten konnten von 4,8 Millionen Euro auf 4,0 Millionen Euro reduziert werden, was die eingeleiteten Optimierungsmaßnahmen widerspiegelt. Allerdings sind die liquiden Mittel mit nur noch 1 Million Euro zum Jahresende 2025 knapp bemessen, was den akuten Kapitalbedarf erklärt.
Die Bilanz zeigt ein negatives Eigenkapital von 9,8 Millionen Euro, was jedoch eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Minus von 26,2 Millionen Euro im Vorjahr darstellt.
CEO Grassauer zeigt sich optimistisch für die Zukunft: "Der Geschäftsplan von Marinomed sieht Gewinne für 2026 und die folgenden Jahre vor, die durch die erfolgreiche Vermarktung unserer Top-Produkte Budesolv und Tacrosolv erzielt werden sollen." Das Unternehmen erwartet aus den in der Pipeline befindlichen Deals Zahlungen im signifikanten Millionenbereich aus Partnerschaften und der Lizenzierung der Topprodukte.
Marinomed Biotech entwickelt patentgeschützte, innovative Produkte auf Basis seiner Marinosolv®-Plattform. Diese Technologie erhöht die Löslichkeit und Bioverfügbarkeit von schwer löslichen Wirkstoffen und wird zur Entwicklung neuer Therapeutika für Indikationen im Bereich autoreaktiver Immunerkrankungen eingesetzt.
Das Unternehmen mit Sitz in Korneuburg ist an der Wiener Börse notiert und verfügt über eine wachsende Entwicklungspipeline im Biotechnologie-Bereich.
Die neuen Aktien werden im Rahmen eines prospektfreien Bezugsangebots gemäß der EU-Prospektverordnung angeboten. Das erforderliche Dokument wird vor Beginn des öffentlichen Angebots bei der Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) hinterlegt und auf der Unternehmenswebsite veröffentlicht.
Für ausländische Aktionäre können Beschränkungen bei der Ausübung ihrer Bezugsrechte bestehen. Insbesondere in den USA dürfen die neuen Aktien ohne entsprechende Registrierung nicht angeboten oder verkauft werden.
Für bestehende Aktionäre bietet die Bezugsrechts-Kapitalerhöhung die Chance, ihre Beteiligungsquote am Unternehmen beizubehalten und von einer möglichen positiven Geschäftsentwicklung zu profitieren. Nach mehreren Kapitalerhöhungen unter Ausschluss der Bezugsrechte während des Sanierungsverfahrens erhalten Aktionäre nun wieder die Möglichkeit zur Partizipation.
Die endgültigen Geschäftszahlen für 2025 will Marinomed am 22. April 2026 veröffentlichen. Dann wird sich zeigen, ob die vorläufigen positiven Zahlen bestätigt werden und wie sich das Unternehmen für das laufende Geschäftsjahr 2026 positioniert.