Über 100 Experten diskutierten strukturelle Schwächen und Lösungsansätze für die Langzeitpflege
Beim Symposium im Bildungszentrum des Hilfswerk Salzburg stand die Zukunft der Pflege im Fokus. Experten forderten strukturelle Reformen und neue Rollenbilder.
Die österreichische Langzeitpflege steht vor grundlegenden Herausforderungen. Im Bildungszentrum des Hilfswerk Salzburg diskutierten Teilnehmer aus Praxis, Wissenschaft und Politik unter dem Leitthema "Quo vadis DGKP?" die Entwicklung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege und konkrete Lösungsansätze für strukturelle Probleme.
Die Veranstaltung, moderiert von Stefan Tautz, Pflegedirektor des Hilfswerk Salzburg, und Christoph Baumgärtner, Amtsleiter der Stadt Salzburg, machte schnell deutlich: Die stationäre Langzeitpflege befindet sich an einem Wendepunkt. Steigende Anforderungen und wachsende Personalknappheit zwingen das System zu grundlegenden Veränderungen.
Diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger*innen (DGKP) sind hochqualifizierte Fachkräfte im gehobenen Dienst, die primär für die Planung und Organisation der Pflege verantwortlich sind.
Nach Einführungsworten von Hermann Hagleitner, Geschäftsführer des Hilfswerk Salzburg, eröffnete Soziallandesrat Wolfgang Fürweger das Symposium. Er verwies auf aktuelle politische Prozesse und betonte: "Die Themen, die hier diskutiert wurden, beschäftigten uns auch gerade intensiv in der Pflegeplattform III. Die zentrale Frage ist, wie wir das System so optimieren können, dass pflegebedürftige Menschen jene Betreuung erhalten, die sie verdienen."
Die Pflegeplattform III ist eine Arbeits- und Expertengruppe des Landes Salzburg, die sich mit der Zukunft der Pflege beschäftigt.
Elisabeth Rappold, Leiterin der Abteilung Gesundheitsberufe und Langzeitpflege der Gesundheit Österreich GmbH, stellte die zentrale Rolle der stationären Langzeitpflege dar und zeigte auf, dass klare Kompetenzverteilungen und eine gestärkte fachliche Verantwortung wesentlich zur Sicherung der Versorgungsqualität beitragen.
Ein zentraler Diskussionspunkt des Symposiums war die Zusammenarbeit innerhalb der Pflegeteams. Andrea Kapounek, Geschäftsführerin im Haus der Barmherzigkeit, präsentierte praxisnahe Modelle zur Integration der Pflegefachassistenz: "Ein abgestimmter Grade-Mix verbessert nicht nur die Pflegequalität, sondern stärkt auch die Teamstrukturen nachhaltig."
Heidrun Gattinger, Leiterin am Institut für Gesundheitswissenschaften der Ostschweizer Fachhochschule, zeigte anhand aktueller Forschung, dass Qualität auch bei begrenzten personellen Ressourcen gesichert werden kann – vorausgesetzt, Strukturen, Prozesse und Kompetenzen sind klar definiert und evidenzbasiert ausgerichtet.
Herbert Herbst, Heim- und Pflegedienstleiter im Seniorenwohnhaus Neumarkt am Wallersee, beleuchtete die Rolle von Advanced Practice Nursing (APN) in der Langzeitpflege. APN ist eine spezialisierte, akademisch ausgebildete Pflege, bei der Pflegefachpersonen erweiterte Verantwortung übernehmen und komplexe Patient*innen eigenständig betreuen.
Hermann Hagleitner betonte das Potenzial in der Weiterqualifizierung bestehender Mitarbeiter*innen: "Die berufsbegleitende Aufschulung von Pflegeassistenz zu Pflegefachassistenz ist ein entscheidender Schritt, um dem Fachkräftemangel nachhaltig zu begegnen."
In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden die unterschiedlichen Perspektiven zusammengeführt. Einigkeit bestand darin, dass die Zukunft der Pflege nur durch strukturelle Reformen, klar definierte Rollenbilder und eine konsequente Weiterentwicklung der Berufsprofile gesichert werden kann.
Das Symposium machte deutlich: Die Pflege befindet sich an einem Wendepunkt. Neben großen Herausforderungen eröffnen sich zugleich Chancen für Innovation und nachhaltige Weiterentwicklung – vorausgesetzt, bestehende Strukturen werden hinterfragt und neue Wege konsequent verfolgt.
Pflegedirektor und Mitorganisator Stefan Tautz zog ein positives Fazit: "Es ist uns gelungen den zukünftigen Weg des gehobenen Dienstes, unter dem Aspekt des notwendigen Grade-Mix im Pflegeheim, aufzuzeigen und konkrete Lösungsansätze zu diskutieren."