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NEOS kritisieren Orbáns Ukraine-Veto als Wahlkampf-Strategie

Brandstätter fordert Ende der Erpressungsversuche und Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips

19. März 2026 um 13:52
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NEOS-Politiker Brandstätter sieht in Ungarns Blockade der Ukraine-Hilfe einen Missbrauch des Krieges für innenpolitische Zwecke.

Die anhaltende Blockadehaltung des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán bei der EU-Ukraine-Hilfe sorgt weiterhin für scharfe Kritik aus Österreich. NEOS-Delegationsleiter im EU-Parlament, Helmut Brandstätter, wirft Orbán vor, den Ukraine-Krieg für seinen Wahlkampf zu instrumentalisieren und damit die europäische Solidarität zu untergraben.

Kritik an von der Leyens Nachgiebigkeit

Brandstätter macht deutlich, dass die derzeitige Situation auch auf Fehler der EU-Kommissionspräsidentin zurückzuführen sei: "Es ist ein Fehler gewesen, dass sich Ursula von der Leyen erpressen hat lassen – und jetzt tragen wir die Rechnung dafür. Die Ukraine-Hilfe wird nicht bewilligt, weil es keine konsequente Linie in Sachen Rechtsstaatlichkeit gegeben hat."

Der NEOS-Politiker sieht in der mangelnden Konsequenz gegenüber Ungarn in rechtsstaatlichen Fragen den Grundstein für die aktuelle Krise gelegt. Orbán nutze nun sein Veto-Recht im Europäischen Rat aus, um kurz vor den anstehenden Wahlen innenpolitische Vorteile zu erzielen.

Orbáns Instrumentalisierung des Ukraine-Krieges

Besonders problematisch bewertet Brandstätter die Art, wie der ungarische Ministerpräsident den Ukraine-Konflikt für seine politischen Zwecke missbraucht. "Für uns ist klar: Erpresser kommen immer wieder, wenn man ihnen nachgibt", warnt der EU-Parlamentarier vor weiteren Zugeständnissen an Ungarn.

Die Instrumentalisierung des Krieges für innenpolitische Zwecke zeige sich besonders deutlich in der ungarischen Wahlkampfführung. "In Ungarn gibt es inzwischen mehr Selenskyj-Plakate als von Orbán selbst", kritisiert Brandstätter die populistische Strategie des ungarischen Regierungschefs.

Klare Fronten im europäischen Konflikt

Brandstätter stellt klar, wer in diesem Konflikt als Gegner zu betrachten sei: "Dabei sollte klar sein: Der Feind ist Russland. Russland will Europa destabilisieren – gerade Orbán sollte das begreifen." Die bewusste Positionierung gegen die gemeinsame europäische Linie stelle eine gefährliche Entwicklung dar, die die Einheit der Union untergrabe.

Als besonders problematisch hebt der NEOS-Politiker Orbáns internationale Geschäftsbeziehungen hervor: "Dass er unter anderem mit dem iranischen Mullah-Regime Geschäfte führen wollte, zeigt, dass er kategorisch auf der falschen Seite steht." Diese Verbindungen zu autoritären Regimen verdeutlichten, warum keine weiteren Zugeständnisse an Ungarn gemacht werden dürften.

Ukraine als Verteidiger europäischer Werte

Der NEOS-Delegationsleiter betont die strategische Bedeutung der Ukraine-Unterstützung für Europa: "Die Ukraine verteidigt auch Europa und deshalb muss sie unterstützt werden." Die Hilfe für die Ukraine sei nicht nur eine humanitäre Verpflichtung, sondern auch im direkten Sicherheitsinteresse der Europäischen Union.

Die anhaltende Blockadehaltung Ungarns gefährde nicht nur die Unterstützung für die Ukraine, sondern auch die Handlungsfähigkeit der EU in kritischen Situationen. "Die Blockadehaltung Ungarns ist nicht tragbar", stellt Brandstätter unmissverständlich fest.

Forderung nach strukturellen Reformen

Als Konsequenz aus der aktuellen Krise fordert Brandstätter weitreichende institutionelle Reformen der Europäischen Union. "Schluss mit den Erpressungsversuchen. Wir fordern deshalb die Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips im Europäischen Rat. Sonst machen wir uns weiterhin abhängig."

Das Einstimmigkeitsprinzip ermögliche es einzelnen Mitgliedstaaten, die gesamte Union zu blockieren und für ihre nationalen Interessen zu missbrauchen. Diese strukturelle Schwäche der EU werde von autoritären Tendenzen in einzelnen Mitgliedstaaten ausgenutzt.

Europäische Handlungsfähigkeit stärken

Die Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips würde die Handlungsfähigkeit der EU in kritischen Bereichen wie der Außen- und Sicherheitspolitik erheblich stärken. Derzeit können einzelne Mitgliedstaaten wichtige Entscheidungen blockieren und die Union in Geiselhaft nehmen.

Brandstätter sieht in der Reform des Abstimmungsverfahrens einen entscheidenden Schritt, um die EU gegen künftige Erpressungsversuche zu immunisieren. "Nur so können wir verhindern, dass einzelne Regierungschefs die europäische Solidarität für ihre nationalen oder persönlichen Interessen missbrauchen."

Internationale Dimension des Konflikts

Die Kritik an Orbáns Politik geht über die reine EU-Binnenperspektive hinaus. Seine Nähe zu autoritären Regimen und seine Weigerung, die Ukraine konsequent zu unterstützen, werden als Teil eines größeren geopolitischen Konflikts gesehen.

Russlands Destabilisierungsversuche in Europa finden in Orbáns Blockadehaltung einen willigen Partner. Die systematische Schwächung der europäischen Einheit spielt Moskau in die Hände und gefährdet die Sicherheit aller EU-Mitgliedstaaten.

Ausblick und politische Konsequenzen

Die anhaltende Krise um die Ukraine-Hilfe verdeutlicht die strukturellen Probleme der Europäischen Union im Umgang mit autoritären Tendenzen in den eigenen Reihen. Die NEOS fordern nicht nur kurzfristige Lösungen, sondern langfristige institutionelle Reformen.

Die Debatte um das Einstimmigkeitsprinzip wird durch die aktuelle Krise neuen Schwung erhalten. Immer mehr politische Kräfte in der EU sehen die Notwendigkeit, die Handlungsfähigkeit der Union durch Mehrheitsentscheidungen zu stärken.

Gleichzeitig zeigt der Fall Ungarn, dass die EU konsequentere Mechanismen zur Durchsetzung rechtsstaatlicher Standards benötigt. Nur so kann verhindert werden, dass einzelne Mitgliedstaaten die europäischen Werte und Interessen für nationale Zwecke missbrauchen.

Schlagworte

#NEOS#Viktor Orbán#Ukraine-Hilfe#EU-Politik#Helmut Brandstätter

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