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#we_do! präsentiert Jahresbericht und Schutzkonzept

Ombudsstelle Film & Fernsehen erweitert Präventionsangebote

19. März 2026 um 13:21
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Die Ombudsstelle verzeichnete 2025 stabil hohe Beratungszahlen und stellt neues Mitarbeiter*innenschutzkonzept vor.

Die #we_do! – Ombudsstelle Film & Fernsehen hat im Rahmen der Diagonale '26 ihren Jahresbericht 2025 präsentiert und ein neues, praxisnahes Mitarbeiter*innenschutzkonzept für die österreichische Film- und Fernsehbranche vorgestellt. Die Zahlen zeigen einen anhaltend hohen Beratungsbedarf, während sich die Organisation institutionell weiterentwickelt.

Stabil hohe Beratungszahlen trotz ruhigerer Medienlandschaft

Im Jahr 2025 wandten sich 69 Personen an die Ombudsstelle, was zu insgesamt 140 Beratungskontakten führte. Die häufigsten Themen bleiben dabei unverändert problematisch: Machtmissbrauch, sexuelle Belästigung, Diskriminierung, Ausbeutung und Mobbing dominieren weiterhin die Beratungspraxis.

"Die Zahlen zeigen, dass der Bedarf an Unterstützung auch ohne größere mediale Debatten stabil hoch bleibt", betont Daniel Sanin, der gemeinsam mit Alexandra Eitzinger für die #we_do! Beratung zuständig ist. Diese Kontinuität unterstreicht, dass die strukturellen Probleme in der Branche tief verwurzelt sind und nicht nur durch temporäre öffentliche Aufmerksamkeit entstehen.

Von Projekt zur etablierten Institution

Organisatorisch markiert das Jahr 2025 einen bedeutenden Meilenstein für #we_do!. Nach sechs Jahren als Projekt ist die Ombudsstelle nun als institutionell verankerte Organisation in Vereinsstruktur etabliert. Diese Entwicklung spiegelt die Professionalisierung und langfristige Ausrichtung der Arbeit wider.

Heute arbeitet #we_do! mit einem interdisziplinären Berater*innen- und Trainer*innenteam, einem fachlichen Expert*innenbeirat sowie einem Vorstand. Diese strukturelle Erweiterung ermöglicht es, sowohl die Beratungsqualität zu erhöhen als auch das Angebot an präventiven Maßnahmen auszubauen.

Erweiterte Trainings- und Vernetzungsformate

Ein wichtiger Schwerpunkt der Weiterentwicklung lag auf der Expansion der Präventionsarbeit. Mit Emily Hanslik und Nina Krebs konnte #we_do! zwei ausgewiesene Expertinnen für Trainings- und Sensibilisierungsformate gewinnen. Diese Verstärkung des Teams unterstreicht die wachsende Bedeutung präventiver Maßnahmen.

Besonders erfolgreich war die Fortbildung zur Vertrauensperson: Bis März 2026 wurden bereits 35 Vertrauenspersonen ausgebildet. Diese Multiplikator*innen spielen eine zentrale Rolle bei der Schaffung sicherer Arbeitsstrukturen in der Branche.

"Ziel war und ist es dabei stets, aus den Erkenntnissen der Beratungen konkrete Empfehlungen und präventive und strukturelle Maßnahmen für die Branche abzuleiten", erklärt Beraterin Alexandra Eitzinger. "Diese finden sich jährlich systematisch aufbereitet in unseren Berichten wieder und sind ein zentrales Instrument unserer Präventionstätigkeiten."

Ganzheitlicher Gewaltschutz-Ansatz

#we_do! arbeitet nach den Prinzipien von "Protect and Prevent" und hat 2025 für die interne Arbeit einen Full Circle Approach des Gewaltschutzes entwickelt. Dieser ganzheitliche Ansatz erkennt an, dass Einzelfallberatung zwar das Herzstück der Arbeit darstellt, aber allein nicht ausreicht.

Die Praxis zeigt deutlich, dass es sich bei Vorfällen selten um isolierte Einzelfälle handelt. Deshalb stehen neben der Unterstützung betroffener Personen auch strukturelle und präventive Maßnahmen im Zentrum der Arbeit. Dazu gehören Mindeststandards für Vertrauenspersonen, umfassende Schulungsangebote und das neue Mitarbeiter*innenschutzkonzept.

Neues Workbook als praktisches Instrument

Das neu entwickelte Workbook Mitarbeiter*innenschutzkonzept stellt einen wichtigen Baustein der Präventionsarbeit dar. Es steht kostenlos auf der Website zur Verfügung und bietet Organisationen und Produktionen ein praxisnahes Instrument, um sich systematisch mit Mitarbeiter*innenschutz, Prävention und organisationaler Verantwortung auseinanderzusetzen.

Das Angebot verbindet drei wesentliche Elemente:

Das kostenlose Workbook

Das Workbook steht frei zum Download zur Verfügung und enthält unter anderem eine detaillierte Anleitung zur Erstellung von Schutzkonzepten, Reflexionsfragen für Organisationen, Mindeststandards, konkrete Empfehlungen sowie praktische Entscheidungshilfen.

Besonders wertvoll ist die Erläuterung des Zusammenhangs zwischen Schutzstrukturen, organisationaler Verantwortung und rechtlichen Rahmenbedingungen wie dem Arbeitnehmer*innenschutzgesetz (ASchG) oder dem Gleichbehandlungsgesetz. Damit nimmt die österreichische Film- und Fernsehbranche eine Vorreiter*innenrolle ein und setzt diverse Empfehlungen aus den Bereichen Gewaltschutz und Arbeitsrecht praktisch um.

Interaktiver Selbst-Check

Ein interaktiver Selbst-Check auf der Website hilft Organisationen dabei, ihre aktuelle Situation einzuschätzen und zu identifizieren, welche nächsten Schritte sinnvoll sein könnten. Dieses Tool ermöglicht eine realistische Standortbestimmung und unterstützt bei der Prioritätensetzung.

Vertiefende Unterstützung

Zusätzlich können Organisationen vertiefende Unterstützung im Rahmen unterschiedlicher Beratungsformate bei #we_do! in Anspruch nehmen. Diese individuelle Begleitung stellt sicher, dass die Umsetzung der Schutzkonzepte den spezifischen Bedürfnissen und Gegebenheiten der jeweiligen Organisation entspricht.

Prävention als Schlüssel zum Schutz

"Schutz bedeutet Prävention!", ist Sophie Rendl, #we_do!-Vorständin und Expertin in den Bereichen Gewaltschutz und Antidiskriminierung, überzeugt. "Wirksamer Mitarbeiter*innenschutz beginnt lange, bevor ein Vorfall passiert. Dazu gehören präventive Maßnahmen, klare Meldewege, transparente Verfahren und Unterstützung sowie Interventionspläne für betroffene Personen."

Diese Philosophie spiegelt sich in allen Aktivitäten von #we_do! wider. Die Organisation setzt bewusst auf einen systemischen Ansatz, der nicht nur auf akute Probleme reagiert, sondern diese durch strukturelle Veränderungen langfristig verhindert.

Ziel: Kulturwandel in der Branche

Mit dem Workbook Mitarbeiter*innenschutzkonzept möchte #we_do! zu einem langfristigen Kulturwandel in der Film- und Fernsehbranche beitragen. Das Ziel sind Arbeitsbedingungen, in denen Respekt, Verantwortung und sichere Zusammenarbeit selbstverständlich sind.

Dieser Kulturwandel erfordert das Engagement aller Beteiligten – von Produktionsunternehmen über Sender bis hin zu einzelnen Filmschaffenden. Die von #we_do! bereitgestellten Instrumente und Formate sollen diesen Prozess unterstützen und beschleunigen.

Weiterbildung als zentraler Baustein

Ein wichtiger Teil der #we_do!-Arbeit sind Weiterbildungen und Trainings rund um Prävention, Verantwortung und sichere Arbeitsstrukturen. Diese Angebote richten sich an verschiedene Zielgruppen und berücksichtigen die unterschiedlichen Rollen und Verantwortlichkeiten innerhalb der Branche.

Die Trainings decken ein breites Spektrum ab: von Sensibilisierung für problematische Strukturen über konkrete Handlungskompetenzen bis hin zur Entwicklung organisationaler Schutzkonzepte. Dabei wird stets der Praxisbezug gewährleistet, um sicherzustellen, dass das Gelernte auch tatsächlich umgesetzt werden kann.

Ausblick und Verfügbarkeit

Die Präsentation des Jahresberichts und des neuen Mitarbeiter*innenschutzkonzepts im Rahmen der Diagonale '26 unterstreicht die Bedeutung dieser Themen für die österreichische Filmbranche. Die Wahl dieses wichtigen Branchenevents als Plattform zeigt auch, dass Gewaltschutz und Prävention inzwischen als integrale Bestandteile der professionellen Filmarbeit anerkannt werden.

Alle Informationen, der Jahresbericht 2025 sowie das neue Workbook Mitarbeiter*innenschutzkonzept sind auf der Website www.ombudsstellefilm.com verfügbar. Die kostenlose Bereitstellung dieser Ressourcen ermöglicht es auch kleineren Produktionen und Organisationen, von den entwickelten Standards und Instrumenten zu profitieren.

Die kontinuierliche Weiterentwicklung des Angebots und die institutionelle Stärkung von #we_do! sind wichtige Signale dafür, dass die österreichische Film- und Fernsehbranche ihre Verantwortung für sichere und respektvolle Arbeitsbedingungen ernst nimmt und konkrete Schritte zur Verbesserung unternimmt.

Schlagworte

#Filmbranche#Gewaltschutz#Ombudsstelle#Prävention#Arbeitsschutz#Diskriminierung#Österreich

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