GPA lehnt 2,2-Prozent-Angebot der Arbeitgeber als unzureichend ab
10.000 Angestellte der privaten Bildungseinrichtungen warten weiter auf faire Lohnerhöhung. Nächste Verhandlungsrunde am 8. April geplant.
Die Verhandlungen um den Kollektivvertrag für die rund 10.000 Angestellten der privaten Bildungseinrichtungen in Österreich sind auch nach der dritten Runde ohne Ergebnis geblieben. Am 18. März konnten sich Arbeitgeber und die Gewerkschaft GPA erneut nicht auf eine Einigung verständigen.
Das aktuelle Angebot der Arbeitgeberseite sieht eine Lohnerhöhung von 2,2 Prozent vor. Für die Gewerkschaft GPA bleibt diese Summe jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. "Das Engagement der Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben hat zu Bewegung am Verhandlungstisch geführt, aber das aktuelle Angebot ist immer noch weit von einem vertretbaren Kompromiss entfernt", erklärt Senad Lacevic, Verhandlungsleiter der Gewerkschaft GPA.
Die Äußerung des Gewerkschaftsvertreters bezieht sich auf die zahlreichen Betriebsversammlungen, die in der Branche stattgefunden haben und den Druck auf die Arbeitgeber erhöht haben sollen.
Lacevic betont die wichtige gesellschaftliche Rolle der Erwachsenenbildung: "Gerade in einem gesellschaftlich so wichtigen Bereich wie der Erwachsenenbildung braucht es attraktive und verlässliche Rahmenbedingungen. Und das bedeutet eine faire Abgeltung der Leistung der Beschäftigten."
Die private Erwachsenenbildung in Österreich umfasst eine Vielzahl von Einrichtungen, die berufliche Weiterbildung, Sprachkurse, Persönlichkeitsentwicklung und andere Bildungsangebote für Erwachsene bereitstellen. Diese Branche hat sich in den vergangenen Jahren zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt und spielt eine zentrale Rolle im lebenslangen Lernen.
Beide Verhandlungsparteien sind sich der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bewusst, die durch Kürzungen im Bildungsbereich entstanden sind. "Doch die Ursache dafür liegt sicher nicht bei den Beschäftigten, die selbst tagtäglich mit der anhaltenden Teuerung konfrontiert sind", so der Gewerkschaftsvertreter.
Die anhaltende Inflation in Österreich belastet die Haushalte erheblich. Besonders bei Lebensmitteln, Energie und Wohnkosten sind die Preise in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Dies erhöht den Druck auf die Arbeitnehmer, angemessene Lohnerhöhungen zu erhalten, um ihre Kaufkraft zu erhalten.
"Die Folgen nun gänzlich auf die Beschäftigten abzuwälzen, ist garantiert der falsche Weg", warnt Lacevic vor einer einseitigen Belastung der Arbeitnehmer. Die Gewerkschaft argumentiert, dass eine faire Entlohnung nicht nur ein Recht der Beschäftigten sei, sondern auch für die Qualität der Bildungsdienstleistungen von entscheidender Bedeutung.
Gut bezahlte und motivierte Mitarbeiter sind ein wesentlicher Faktor für die Qualität der Bildungsangebote. Niedrige Löhne können zu Personalfluktuation führen und die Kontinuität der Bildungsarbeit gefährden.
Die stockenden Verhandlungen haben bereits Auswirkungen auf die Stimmung in der Branche. Betriebsversammlungen zeigen, dass die Beschäftigten zunehmend unzufrieden mit der Entwicklung sind. Die Erwachsenenbildungsbranche kämpft bereits seit Jahren mit strukturellen Problemen, einschließlich prekärer Beschäftigungsverhältnisse und niedriger Entlohnung.
Viele Trainer und Kursleiter arbeiten auf Honorarbasis oder in Teilzeitanstellungen. Eine angemessene Kollektivvertragserhöhung könnte dazu beitragen, die Arbeitsbedingungen in der Branche zu stabilisieren und langfristig mehr Fachkräfte für den Bereich zu gewinnen.
Im Vergleich zu anderen Branchen bewegen sich die gebotenen 2,2 Prozent am unteren Ende der Lohnerhöhungen. In vielen anderen Kollektivvertragsverhandlungen wurden in den vergangenen Monaten Erhöhungen zwischen 3 und 5 Prozent vereinbart, um der Inflation entgegenzuwirken.
Die Gewerkschaft GPA vertritt nicht nur die Beschäftigten in der Erwachsenenbildung, sondern auch in anderen Dienstleistungsbereichen. Die Erfahrungen aus anderen Verhandlungen fließen in die Strategie für die Bildungsbranche ein.
Die Verhandlungen finden vor dem Hintergrund einer angespannten budgetären Situation statt. Sowohl Bund als auch Länder haben ihre Ausgaben für Bildung in verschiedenen Bereichen reduziert oder eingefroren. Dies wirkt sich direkt auf die privaten Bildungsanbieter aus, die oft auf öffentliche Förderungen angewiesen sind.
Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Weiterbildung kontinuierlich. Die digitale Transformation und der Wandel am Arbeitsmarkt erfordern lebenslanges Lernen, was die Bedeutung der Erwachsenenbildung weiter unterstreicht.
Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 8. April angesetzt. Beide Seiten müssen bis dahin ihre Positionen überdenken und möglicherweise Kompromisse eingehen. Die Gewerkschaft wird voraussichtlich den Druck durch weitere Betriebsversammlungen und Aktionen aufrechterhalten.
Für die 10.000 betroffenen Beschäftigten bedeutet dies weitere Wochen der Ungewissheit. Viele hoffen auf eine baldige Einigung, die ihre finanzielle Situation angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten verbessert.
Der Ausgang dieser Kollektivvertragsverhandlungen wird wegweisend für die Zukunft der privaten Erwachsenenbildung in Österreich sein. Eine faire Entlohnung der Beschäftigten ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch ein wichtiger Faktor für die Qualität und Nachhaltigkeit der Bildungsangebote.
Die Entwicklung wird von allen Beteiligten – Beschäftigten, Arbeitgebern, aber auch von der Politik und der Öffentlichkeit – aufmerksam verfolgt. Eine erfolgreiche Einigung könnte als Modell für andere Branchen dienen und zeigen, dass auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten faire Lösungen möglich sind.