Planet Shapers diskutiert Ursachen globaler Ernährungsunsicherheit
Der BOKU-Podcast untersucht, warum trotz genügend Nahrung Millionen hungern und wie Politik über Sättigung entscheidet.
Während in entwickelten Ländern Übergewicht ein wachsendes Problem darstellt, kämpfen weltweit Millionen Menschen täglich ums Überleben. Diese paradoxe Situation steht im Mittelpunkt der neuesten Folge des BOKU-Podcasts "Planet Shapers", die ab 19. März verfügbar ist.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Weltweit wird genügend Nahrung produziert, um alle Menschen zu ernähren. Dennoch leiden nach Angaben der UN über 735 Millionen Menschen an Hunger. Gleichzeitig steigt die Zahl übergewichtiger Menschen kontinuierlich an. Dieses Paradox verdeutlicht, dass Hunger kein Problem der Verfügbarkeit, sondern der Verteilung ist.
Die 14. Folge von "Planet Shapers" der Universität für Bodenkultur Wien nimmt sich dieser komplexen Thematik an. Die Hosts Astrid Kleber und Bernhard Vosicky beleuchten zusammen mit Expert*innen die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Mechanismen, die darüber entscheiden, wer Zugang zu Nahrung hat und wer nicht.
Die COVID-19-Pandemie, anhaltende Kriege und die fortschreitende Klimakrise haben die globalen Ungleichheiten bei der Nahrungsverteilung zusätzlich verschärft. Lieferketten brachen zusammen, Preise stiegen dramatisch, und vulnerable Bevölkerungsgruppen wurden noch stärker marginalisiert.
"Technische und naturwissenschaftliche Lösungen allein reichen nicht aus", betonen die Podcast-Macher. Vielmehr müsse man verstehen, dass Ernährungssicherheit eine zutiefst politische Frage sei. Es gehe nicht nur darum, mehr zu produzieren, sondern die Strukturen zu verstehen und zu verändern, die Hunger perpetuieren.
Für die aktuelle Folge konnten drei renommierte Expert*innen gewonnen werden, die unterschiedliche Blickwinkel auf die Thematik einbringen:
Stefanie Lemke, Entwicklungsforscherin, bringt ihre Expertise zu globalen Ernährungssystemen ein. Sie untersucht, wie sich Machtstrukturen auf die Nahrungssicherheit auswirken und warum der Blick auf den Lebensalltag der Menschen oft aufschlussreicher ist als statistische Erhebungen.
Johannes Waldmüller, Sozialanthropologe, fokussiert auf die kulturellen und sozialen Aspekte von Ernährung und Hunger. Seine Forschung zeigt auf, wie Menschen unter schwierigsten Bedingungen eigene Strategien entwickeln, um zu überleben und ihre Zukunft zu gestalten.
Kirstin Eckstein vereint als Bäuerin und Sozialwissenschaftlerin Theorie und Praxis. Sie kann aus erster Hand berichten, wie sich die Zusammenarbeit zwischen Universität und praktisch tätigen Landwirt*innen gestaltet und welche Herausforderungen dabei auftreten.
Ein zentraler Diskussionspunkt der Podcast-Folge ist der Einfluss des Klimawandels auf die Ernährungssicherheit. Länder wie Tansania oder Venezuela stehen exemplarisch für Regionen, in denen sich verändernde Klimabedingungen das Leben der Menschen dramatisch beeinflussen.
Dürren, Überschwemmungen und extreme Wetterereignisse zerstören nicht nur Ernten, sondern auch die Lebensgrundlagen ganzer Gemeinschaften. Hier zeigen sich auch die Grenzen traditioneller humanitärer Hilfe auf, die oft nur kurzfristige Linderung bringen kann, ohne die strukturellen Ursachen anzugehen.
Der Podcast macht deutlich, dass Ernährungsunsicherheit kein ausschließlich globales Problem ist. Auch in Österreich und anderen europäischen Ländern gibt es ländliche Ungleichheiten und strukturelle Benachteiligungen in der Landwirtschaft.
Kleine Betriebe kämpfen mit wirtschaftlichem Druck, während industrielle Landwirtschaft dominiert. Die Expert*innen diskutieren, wie sich diese Entwicklungen auf die lokale Ernährungssicherheit und die Lebensqualität im ländlichen Raum auswirken.
Ein innovativer Ansatz der Diskussion ist die Frage nach Entwicklung jenseits des traditionellen Wachstumsparadigmas. Die Gäste erörtern alternative Entwicklungsmodelle, die nicht primär auf wirtschaftliches Wachstum setzen, sondern auf Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und die Stärkung lokaler Gemeinschaften.
Diese Ansätze berücksichtigen, dass Menschen auch unter schwierigsten Bedingungen innovative Lösungen entwickeln und ihre Zukunft selbst gestalten können. Es geht darum, diese Potentiale zu erkennen und zu fördern, anstatt von außen vorgefertigte Lösungen aufzuoktroyieren.
Die BOKU als führende Universität für Nachhaltigkeit und Lebenswissenschaften setzt mit dem Podcast "Planet Shapers" ein wichtiges Zeichen für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Komplexe Forschungsthemen werden verständlich aufbereitet und für ein breites Publikum zugänglich gemacht.
Der interdisziplinäre Ansatz der Folge zeigt exemplarisch, wie verschiedene Wissenschaftsdisziplinen zusammenarbeiten können, um globale Herausforderungen zu verstehen und Lösungsansätze zu entwickeln.
Die 14. Folge von "Planet Shapers" ist ab dem 19. März 2024 auf allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar, darunter Spotify, Apple Podcasts, Amazon Music und YouTube. Die breite Verfügbarkeit soll sicherstellen, dass die wichtigen Inhalte ein möglichst großes Publikum erreichen.
Der Podcast richtet sich sowohl an Fachpublikum als auch an interessierte Laien, die mehr über die komplexen Zusammenhänge globaler Ernährungssysteme erfahren möchten. Die verständliche Aufbereitung komplexer Sachverhalte macht die Folge zu einer wertvollen Ressource für alle, die sich mit Fragen der Nachhaltigkeit und globalen Gerechtigkeit beschäftigen.
Mit dieser Folge setzt "Planet Shapers" seine Mission fort, aktuelle Forschung verständlich zu kommunizieren und zum kritischen Nachdenken über globale Herausforderungen anzuregen. Die Botschaft ist klar: Hunger ist kein unvermeidbares Schicksal, sondern das Ergebnis politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen – und damit veränderbar.