Wechselausstellung und Jewish Weekends Festival sind Saison-Highlights
Die Ehemalige Synagoge St. Pölten präsentiert 2026 eine bedeutende Ausstellung über geraubte jüdische Ritualgegenstände aus Niederösterreich.
Die Ehemalige Synagoge St. Pölten kündigt für die Saison 2026 ein ambitioniertes Programm an, das sowohl historische Aufarbeitung als auch kulturelle Vielfalt in den Mittelpunkt stellt. Von 15. April bis 15. November 2026 können Besucher eine bedeutende Wechselausstellung sowie ein renommiertes Musikfestival erleben.
Das Herzstück der kommenden Saison bildet die Ausstellung "Geraubte Heiligkeit – Judaica aus Niederösterreich", die während der gesamten Saisonlaufzeit zu sehen sein wird. Diese von Martha Keil, der wissenschaftlichen Leiterin der Ehemaligen Synagoge St. Pölten, kuratierte Schau wirft ein Licht auf ein dunkles Kapitel der österreichischen Geschichte.
Die Ausstellung zeigt sieben Ritualobjekte aus den etwa 25 zerstörten und geplünderten Synagogen und Bethäusern Niederösterreichs. Diese kostbaren Gegenstände haben eine bewegte Geschichte hinter sich: Sie wurden entweder vor dem verhängnisvollen 10. November 1938 – der Reichspogromnacht – nach Wien gebracht oder gelangten als Raubgut in den Handel, wo sie von Sammlern erworben wurden.
Besonders berührend ist, dass die Ausstellung auch zerstörte und verschwundene Gegenstände thematisiert, die heute nur noch durch Fotografien und Listen nachweisbar sind. Die Grafikdesignerin Renate Stockreiter gestaltet die Schau und wird diese sensible Materie entsprechend würdig präsentieren.
Parallel zur Ausstellung findet das beliebte "Jewish Weekends – Festival jüdischer Musik" statt. An zwei Wochenenden, vom 29. bis 31. Mai sowie vom 6. bis 7. Juni 2026, wird die Ehemalige Synagoge zu einem Zentrum jüdischer Musikkultur.
Das Programm spannt einen beeindruckenden Bogen von New York bis Tel Aviv und verspricht musikalische Höhepunkte auf internationalem Niveau. Als Artist in Residence konnte David Krakauer gewonnen werden, ein Pionier der neuen Klezmer-Musik, der als einer der bedeutendsten Klarinettisten seiner Generation gilt.
Krakauer wird gemeinsam mit der Pianistin Kathleen Tagg auftreten und zusätzlich mit der Styrian Klezmore Pocket Band rund um Moritz Weiß konzertieren. Diese Zusammenarbeit verspricht eine spannende Verbindung zwischen internationaler Klezmer-Tradition und österreichischer Musikszene.
Höhepunkte sephardischer Musik werden Nani Vazana und Aron Saltiel bieten, die mit ihrer authentischen Interpretation der mediterranen jüdischen Musiktradition das Publikum begeistern werden. Ein besonderes Highlight ist das Konzert von Timna Brauer, die als Doyenne jüdischer Musik in Österreich gilt und ein spezielles Konzert für Kinder geben wird.
Die Ehemalige Synagoge St. Pölten versteht sich nicht nur als Museum und Kulturstätte, sondern auch als wichtiger Bildungsort. Das umfassende Vermittlungsprogramm für Schulen kann sowohl während als auch außerhalb der Saison in Anspruch genommen werden.
Für verschiedene Altersgruppen stehen unterschiedliche Programme zur Verfügung. Bereits ab der 3. Schulstufe können Schüler bei der interaktiven Führung "Synagoge? Was ist denn das?" das historische Gebäude entdecken und erste Einblicke in die jüdische Kultur gewinnen.
Für ältere Schüler ab der 5. Schulstufe bietet die Führung "Was bleibt, was fehlt?" eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Geschichte des Hauses und der jüdischen Gemeinde in St. Pölten.
Die Workshops "Prächtige Muster und Farben" (3. bis 12. Schulstufe) und "Menschen und Schicksale" (4. bis 12. Schulstufe) ermöglichen es den Schülern, sich kreativ und reflexiv mit der Geschichte des Gebäudes auseinanderzusetzen. Diese Programme können einzeln oder in Kombination gebucht werden und bieten damit flexible Möglichkeiten für Schulausflüge.
Die Ehemalige Synagoge St. Pölten ist mehr als nur ein Museum – sie ist ein Ort der Erinnerung und des Gedenkens. Das Gebäude selbst erzählt die Geschichte der jüdischen Gemeinde in der niederösterreichischen Landeshauptstadt, die 1938 brutal zerstört wurde.
Die kommende Ausstellung "Geraubte Heiligkeit" fügt sich in die wichtige Aufgabe der Synagoge ein, die Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Indem sie konkrete Objekte und deren Schicksale zeigt, macht sie Geschichte greifbar und persönlich.
Das Programm 2026 zeigt exemplarisch, wie Erinnerungskultur und lebendige jüdische Tradition miteinander verbunden werden können. Während die Ausstellung die schmerzhafte Geschichte der Verfolgung und Beraubung thematisiert, feiern die Jewish Weekends die lebendige Vielfalt jüdischer Musik und Kultur.
Diese Balance zwischen Gedenken und Feier des kulturellen Erbes macht die Ehemalige Synagoge St. Pölten zu einem einzigartigen Ort in der österreichischen Kulturlandschaft. Das Festival bringt internationale Künstler nach Niederösterreich und stärkt gleichzeitig das Bewusstsein für die jüdische Kultur in der Region.
Die Saison 2026 der Ehemaligen Synagoge St. Pölten läuft von 15. April bis 15. November. Während dieser Zeit ist sowohl die Dauerausstellung als auch die neue Wechselausstellung "Geraubte Heiligkeit – Judaica aus Niederösterreich" zu sehen.
Interessierte können sich über das vollständige Programm und Buchungsmöglichkeiten auf der Website www.ehemalige-synagoge.at informieren. Für Presseanfragen steht Maren Sacherer unter [email protected] zur Verfügung.
Die Ehemalige Synagoge St. Pölten setzt damit ihre wichtige Arbeit fort, Geschichte lebendig zu halten und gleichzeitig Raum für kulturellen Austausch und Begegnung zu schaffen. Das Programm 2026 verspricht wieder ein Höhepunkt im niederösterreichischen Kulturkalender zu werden.