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50 Jahre FSME-Impfung: Erfolg wird zum Problem

Sinkende Impfraten trotz anhaltender Zeckengefahr in Österreich

18. März 2026 um 09:01
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Experten warnen vor nachlassender FSME-Impfbereitschaft in Österreich. Trotz 50-jähriger Erfolgsgeschichte sinken die Durchimpfungsraten.

Seit fünf Jahrzehnten schützt die FSME-Impfung die österreichische Bevölkerung vor der gefährlichen durch Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis. Doch ausgerechnet der Erfolg dieser Präventionsmaßnahme könnte nun zum Problem werden: Die Durchimpfungsraten gehen zurück, während die Gefahr durch infizierte Zecken unverändert hoch bleibt.

Zehntausende Erkrankungen verhindert

Die Bilanz der FSME-Impfung in Österreich kann sich sehen lassen. Seit ihrer Einführung vor 50 Jahren wurden Erkrankungsfälle im fünfstelligen Bereich verhindert. "Die FSME-Impfung gehört zu den größten Erfolgsgeschichten der österreichischen Präventivmedizin", erklärt der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH).

Doch genau dieser Erfolg birgt nun Risiken: Da schwere FSME-Erkrankungen seltener geworden sind, schwindet offenbar das Bewusstsein für die Gefahr. Die Folge sind sinkende Impfraten in der Bevölkerung.

Zeckengefahr bleibt konstant hoch

Dabei hat sich an der grundsätzlichen Bedrohungslage nichts geändert. Die Wahrscheinlichkeit, von einer FSME-infizierten Zecke gestochen zu werden, ist mindestens so hoch wie in früheren Jahrzehnten. Österreich gilt nach wie vor als Hochrisikogebiet für FSME, mit besonders betroffenen Regionen in Ober- und Niederösterreich, der Steiermark und dem Burgenland.

Zeckenforscher warnen vor den Folgen des Klimawandels: Mildere Winter und längere warme Perioden verlängern die Zeckensaison und können die Verbreitung der Parasiten begünstigen. Gleichzeitig führen Freizeittrends wie Wandern, Mountainbiking oder Geocaching dazu, dass mehr Menschen Zeit in der Natur verbringen und damit dem Zeckenstich-Risiko ausgesetzt sind.

Kinder besonders gefährdet

Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen. Hier zeigt sich ein deutlicher Anstieg der FSME-Fälle. Experten führen dies auf mehrere Faktoren zurück: Zum einen verbringen Kinder oft mehr Zeit im Freien und in der Natur, zum anderen sind sie bei der Zeckensuche nach Aufenthalten im Grünen häufig weniger sorgfältig als Erwachsene.

Die FSME kann bei Kindern besonders schwere Verläufe nehmen. Während die Erkrankung bei manchen Betroffenen nur grippeähnliche Symptome verursacht, kann sie in schweren Fällen zu Hirnhautentzündung, bleibenden neurologischen Schäden oder sogar zum Tod führen. Eine rechtzeitige Impfung ist daher der einzige wirksame Schutz.

Impfempfehlungen für Kinder

Das österreichische Impfprogramm sieht die FSME-Impfung bereits ab dem ersten Lebensjahr vor. Kinderärzte empfehlen die Grundimmunisierung idealerweise vor der ersten Zeckensaison abzuschließen. Diese besteht aus drei Teilimpfungen: Die erste und zweite Impfung erfolgen im Abstand von ein bis drei Monaten, die dritte nach weiteren fünf bis zwölf Monaten.

Auffrischungsimpfungen sind alle fünf Jahre empfohlen, bei Personen über 60 Jahren alle drei Jahre. Für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 15. Lebensjahr ist die FSME-Impfung im Rahmen des kostenlosen Kinderimpfprogramms erhältlich.

Neue Herausforderungen für die Prävention

Die sinkende Impfbereitschaft stellt Gesundheitsexperten vor neue Herausforderungen. Anders als bei anderen impfpräventablen Krankheiten, bei denen Ausbrüche das Bewusstsein schärfen, passiert bei FSME genau das Gegenteil: Der Erfolg der Impfung macht die Bedrohung unsichtbar.

Hinzu kommen allgemeine Trends der Impfskepsis, die sich in den letzten Jahren verstärkt haben. Falschinformationen in sozialen Medien und eine generell kritischere Haltung gegenüber medizinischen Eingriffen erschweren die Aufklärungsarbeit.

Strategien gegen Impfmüdigkeit

Experten setzen auf verschiedene Ansätze, um die Impfbereitschaft wieder zu steigern:

  • Verstärkte Aufklärung über die nach wie vor bestehenden Risiken einer FSME-Erkrankung
  • Erinnerungssysteme in Arztpraxen für fällige Auffrischungsimpfungen
  • Niederschwellige Impfangebote, etwa in Apotheken oder bei Betriebsärzten
  • Zielgruppenspezifische Kommunikation, besonders für Familien mit Kindern
  • Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten bei der Aufklärung

Aktuelle Entwicklungen und Empfehlungen

Die österreichischen Impfempfehlungen werden regelmäßig überarbeitet und an neue wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst. Dabei fließen sowohl epidemiologische Daten als auch neue Erkenntnisse zur Impfstoffwirksamkeit und -sicherheit ein.

Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei vulnerable Gruppen wie immungeschwächte Personen, ältere Menschen und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen. Für diese Risikogruppen können individuell angepasste Impfschemata erforderlich sein.

Zeckenschutz über die Impfung hinaus

Neben der Impfung bleiben mechanische Schutzmaßnahmen wichtig:

  • Geschlossene Kleidung bei Aufenthalten in der Natur
  • Verwendung von Insektenschutzmitteln
  • Gründliche Körperkontrolle nach Outdoor-Aktivitäten
  • Schnelle Entfernung von Zecken mit geeignetem Werkzeug
  • Aufmerksamkeit für Krankheitssymptome nach Zeckenstichen

Ausblick: Impfschutz für die Zukunft sichern

Die Herausforderung für die kommenden Jahre liegt darin, das hohe Schutzniveau der vergangenen Jahrzehnte zu erhalten. Dazu bedarf es einer kontinuierlichen Aufklärungsarbeit und der Anpassung der Kommunikationsstrategien an veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen.

Gleichzeitig müssen auch strukturelle Verbesserungen vorangetrieben werden: Die Digitalisierung des Impfwesens kann dabei helfen, Impflücken systematischer zu identifizieren und zu schließen. Elektronische Impfpässe und automatische Erinnerungssysteme könnten künftig dazu beitragen, dass weniger Auffrischungsimpfungen vergessen werden.

Die 50-jährige Erfolgsgeschichte der FSME-Impfung in Österreich zeigt: Präventionsmedizin funktioniert, benötigt aber kontinuierliche Aufmerksamkeit und Investitionen. Nur so kann verhindert werden, dass der Erfolg zum Verhängnis wird und vermeidbare Erkrankungen wieder zunehmen.

Schlagworte

#FSME#Impfung#Zecken#Gesundheit#Prävention#Österreich#Kinder

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