Österreichischer Industriekonzern übertrifft Prognosen und plant Rückkehr zum Wachstum
Der Wiener Elastomer-Spezialist Semperit hat 2025 operativ starke Zahlen vorgelegt und peilt für 2026 ein EBITDA von rund 95 Millionen Euro an.
Die Semperit AG Holding hat ihre operative Erholung im zweiten Halbjahr 2025 erfolgreich fortgesetzt und blickt optimistisch auf das laufende Geschäftsjahr 2026. Der österreichische Industriekonzern übertraf mit einem operativen EBITDA von 83,6 Millionen Euro die eigenen Prognosen und kündigte für 2026 eine weitere Steigerung auf rund 95 Millionen Euro an.
"Das zweite Halbjahr 2025 hat klar gezeigt, welches operative Potenzial in Semperit steckt", erklärte CEO Manfred Stanek bei der Vorlage der Jahreszahlen. Durch konsequente Kostendisziplin und verstärkte Vertriebsinitiativen konnte das Unternehmen seine EBITDA-Marge von 9,6 Prozent im ersten Halbjahr auf beeindruckende 14,3 Prozent im zweiten Halbjahr steigern.
Im Gesamtjahr 2025 erwirtschaftete die Semperit-Gruppe einen Umsatz von 662,4 Millionen Euro, was einem Rückgang von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Das EBITDA belief sich auf 79,5 Millionen Euro beziehungsweise 83,6 Millionen Euro vor Projektkosten für Digitalisierungsprojekte. Trotz negativer Währungseffekte von 4,5 Millionen Euro erzielte der Konzern ein leicht positives Konzernergebnis von 0,4 Millionen Euro.
Das von Semperit implementierte Effizienzprogramm trägt deutliche Früchte. Im vergangenen Jahr realisierte das Unternehmen zusätzliche Kosteneinsparungen von rund sechs Millionen Euro. Diese strukturellen Verbesserungen bilden das Fundament für die geplante Rückkehr auf den Wachstumspfad.
Die beiden Unternehmensdivisionen entwickelten sich unterschiedlich: Semperit Industrial Applications (SIA), die Schläuche und Profile umfasst, konnte sowohl beim Umsatz (+1,4 Prozent auf 270,9 Millionen Euro) als auch beim EBITDA (+4,0 Prozent auf 52,8 Millionen Euro) zulegen. Die EBITDA-Marge verbesserte sich auf 19,5 Prozent.
Die Division Semperit Engineered Applications (SEA), die Fördergurte, Flüssigsilikon und weitere technische Elastomer-Produkte herstellt, verzeichnete einen Umsatzrückgang von 4,4 Prozent auf 391,5 Millionen Euro. Das EBITDA sank um 14,2 Prozent auf 42,5 Millionen Euro, was einer Marge von 10,9 Prozent entspricht.
Semperit verfügt über eine robuste Bilanzstruktur, die dem Unternehmen strategische Flexibilität verschafft. Die Eigenkapitalquote erhöhte sich auf 48,5 Prozent (Vorjahr: 47,2 Prozent), während der Verschuldungsgrad mit 1,2x auf konservativem Niveau blieb. Der Free Cashflow erreichte 37,0 Millionen Euro, was die solide operative Cashflow-Generierung unterstreicht.
Im dritten Quartal führte das Unternehmen ein Schuldscheindarlehen über 31,0 Millionen Euro aus eigenen Mitteln zurück, was die finanzielle Disziplin verdeutlicht. Die Liquiditätsreserven beliefen sich zum Jahresende auf 94,8 Millionen Euro.
Der Vorstand hat beschlossen, der Hauptversammlung für 2025 keinen Dividendenvorschlag zu unterbreiten. CFO Helmut Sorger begründete diese Entscheidung mit der strategischen Ausrichtung: "Um Semperit auf den nächsten Wachstumsschritt auszurichten, stärken wir gezielt unsere finanzielle Basis und investieren in ausgewählte Wachstums- und Innovationsprojekte."
Ausschüttungen bleiben jedoch ein wesentlicher Bestandteil der Kapitalallokation, mit dem Ziel, Aktionären künftig wieder attraktive Dividenden anbieten zu können.
Für das laufende Geschäftsjahr 2026 zeigt sich Semperit zuversichtlich. Das Unternehmen rechnet mit einem Anstieg des operativen EBITDA auf rund 95 Millionen Euro sowie einem Umsatzwachstum im höheren einstelligen Prozentbereich. Die geplanten Investitionen (Capex) werden voraussichtlich rund 50 Millionen Euro erreichen.
"2026 wollen wir wieder klar auf den Wachstumspfad zurückkehren", betonte CEO Stanek. "Gleichzeitig investieren wir in Effizienzsteigerungen, Automatisierung sowie in margenstarke Innovations- und Wachstumsprojekte. Damit kommen wir unserer mittelfristigen strategischen Ambition – einem Umsatz von einer Milliarde Euro – Schritt für Schritt näher."
Die Prognose basiert auf der Annahme einer moderaten konjunkturellen Erholung im Jahresverlauf sowie einer Stabilisierung der geopolitischen Unsicherheiten, insbesondere im Zusammenhang mit den Konflikten im Nahen Osten. Das Unternehmen sieht sich dank der optimierten Fixkostenbasis und der klaren strategischen Positionierung gut aufgestellt, von einer erwarteten leichten Markterholung zu profitieren.
Die börsennotierte Semperit AG Holding ist eine international ausgerichtete Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Wien, die seit 1824 besteht. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt hochwertige Elastomer-Produkte für industrielle Kunden in über 100 Ländern weltweit.
Mit rund 4.000 Mitarbeitern und 16 Produktionsstandorten sowie zahlreichen Vertriebsniederlassungen in Europa, Asien, Australien und Amerika ist Semperit ein etablierter Player in der Elastomer-Industrie. Die beiden Divisionen fokussieren sich auf industrielle Großserien-Anwendungen sowie maßgeschneiderte technische Lösungen.
Die Aktie der Semperit AG Holding (ISIN: AT0000785555) ist im Amtlichen Handel der Wiener Börse notiert und gehört zu den traditionellen österreichischen Industrieunternehmen mit internationaler Ausrichtung.