Nach acht Verhandlungsrunden ohne Arbeitszeitverkürzung bleibt Hauptforderung unerfüllt
10.000 Beschäftigte der oberösterreichischen Ordensspitäler entscheiden bis 25. März über Kollektivvertrags-Angebot mit 3,3% Gehaltsplus.
Nach monatelangen Verhandlungen und acht Gesprächsrunden steht das Kollektivvertrags-Angebot für die Beschäftigten der Ordensspitäler in Oberösterreich zur Abstimmung. Die rund 10.000 nicht-ärztlich Beschäftigten können ab dem 18. März über das Verhandlungsergebnis entscheiden, das zwar Verbesserungen bringt, aber die zentrale Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung nicht erfüllt.
Seit September 2023 kämpfen die Beschäftigten der oberösterreichischen Ordensspitäler für eine Verkürzung der 40-Stunden-Woche. Diese Kernforderung konnte jedoch auch in der achten und finalen Verhandlungsrunde nicht durchgesetzt werden. Die Arbeitgeber zeigten sich in diesem entscheidenden Punkt kompromisslos und bewegten sich nicht von ihrer ablehnenden Haltung.
"Unsere Forderung bleibt auf Kollektivvertrags-Ebene ungelöst. Wir haben deshalb einen für dieses Jahr schmerzhaften Kompromiss verhandeln können", erklärt Martina Reischenböck, KV-Verhandlerin der Gewerkschaft vida. Die ausgehandelte Lösung sei zwar nicht das erhoffte Ziel, bringe aber dennoch spürbare Verbesserungen für die Belegschaft.
Das vorliegende Angebot sieht eine Erhöhung des jährlichen Zeitbonus um 15 zusätzliche Stunden vor. Diese Maßnahme wird durch weitere arbeitszeitverkürzende Elemente ergänzt und soll allen Beschäftigten mehr Freizeit verschaffen. "Das sind 15 Stunden mehr Freizeit pro Jahr – und damit ein erster Hebel, um für alle eine spürbare Entlastung durchzusetzen. Aber wir sind noch lange nicht am Ziel", betont Reischenböck.
Besonders wichtig ist dabei der Rechtsanspruch, den Zeitbonus tatsächlich als Freizeit zu konsumieren. Diese Regelung soll verhindern, dass die zusätzlichen Stunden nur auf dem Papier stehen, aber in der Praxis nicht genommen werden können.
Neben den arbeitszeitverkürzenden Maßnahmen beinhaltet das Angebot eine Erhöhung der Gehälter und Zulagen um 3,3 Prozent. Diese Lohnsteigerung tritt ab Juli in Kraft und hat eine Laufzeit von einem Jahr. Angesichts der anhaltenden Inflation stellt diese Erhöhung einen wichtigen Baustein zur Kaufkrafterhaltung dar.
Die Gewerkschaft vida bewertet das Verhandlungsergebnis als ersten Schritt in die richtige Richtung, macht aber deutlich, dass weitere Schritte folgen müssen. "Die Erhöhung des jährlichen Zeitbonus ist ein Schritt in die richtige Richtung – vor allem in Verbindung mit dem Rechtsanspruch, ihn in Zeit zu konsumieren", so Reischenböck.
Die Beschäftigten selbst zeigen sich kämpferisch und lassen durchblicken, dass der Arbeitskampf weitergehen wird. Elke Hergetz, Krankenpflegerin bei den Elisabethinen in Linz, macht deutlich: "Was wir bisher erreicht haben, haben wir durch unseren Streik und unsere Stärke erreicht. Wir sind so stark wie nie und werden uns auch in Zukunft nicht unterkriegen lassen. Wir geben nicht auf – sondern wir nehmen Anlauf."
Diese Aussage unterstreicht die Entschlossenheit der Belegschaft, auch nach diesem Kompromiss weiter für ihre Ziele zu kämpfen. Der Streik, der in den vergangenen Monaten für Aufmerksamkeit sorgte, hat offenbar das Selbstbewusstsein der Beschäftigten gestärkt.
Scharfe Kritik üben die Gewerkschaftsvertreter an der oberösterreichischen Landespolitik. Sandra Weilnböck, Radiologietechnologin bei den Barmherzigen Schwestern Linz, bringt die Enttäuschung auf den Punkt: "Wir sehen weiter die Landespolitik gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die uns ausreichend Erholung und unseren Patient:innen eine gute Versorgung gewährleisten. Das Schweigen unserer Landesregierung war ein klares Zeichen – wir fühlen uns im Stich gelassen."
Diese Kritik zielt darauf ab, dass die Politik bessere Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen schaffen könnte, aber offenbar nicht bereit ist, die notwendigen Schritte zu unternehmen. Das Schweigen der Landesregierung wird als mangelnde Unterstützung für die Anliegen der Beschäftigten interpretiert.
Die Entscheidung liegt nun bei der Belegschaft selbst. Ab Mittwoch, dem 18. März, können die Beschäftigten über das Verhandlungsergebnis abstimmen. Das Abstimmungsverfahren läuft eine volle Woche und gibt allen Betroffenen die Möglichkeit, ihre Stimme abzugeben.
Das Ergebnis dieser wichtigen Abstimmung wird am Mittwoch, dem 25. März, bekanntgegeben. Von diesem Votum hängt ab, ob der Kollektivvertrag angenommen wird oder ob die Verhandlungen in eine neue Runde gehen müssen.
Der Konflikt um den Kollektivvertrag der Ordensspitäler steht stellvertretend für die Herausforderungen im gesamten Gesundheitswesen. Die Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung spiegelt die Belastung wider, unter der das Pflegepersonal und andere Gesundheitsberufe leiden.
Mit 10.000 Beschäftigten sind die oberösterreichischen Ordensspitäler ein bedeutender Arbeitgeber im Gesundheitssektor. Die Entwicklungen hier könnten Signalwirkung für andere Bereiche des Gesundheitswesens haben.
Die Forderungen der Beschäftigten entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern sind eine Reaktion auf die anhaltende Personalknappheit im Gesundheitswesen. Überlastung, hohe Fluktuation und Burnout sind Probleme, die viele Einrichtungen beschäftigen.
Eine Arbeitszeitverkürzung könnte dazu beitragen, die Attraktivität der Berufe im Gesundheitswesen zu steigern und damit langfristig dem Personalmangel entgegenzuwirken. Gleichzeitig würde sie die Arbeitsqualität und letztendlich auch die Patientenversorgung verbessern.
Unabhängig vom Ausgang der Abstimmung ist klar, dass der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen weitergehen wird. Die Gewerkschaft vida hat bereits deutlich gemacht, dass das aktuelle Angebot nur ein erster Schritt sein kann.
Die Entschlossenheit der Beschäftigten, gepaart mit der starken gewerkschaftlichen Organisation, lässt erwarten, dass das Thema Arbeitszeitverkürzung auch in Zukunft auf der Agenda stehen wird. Die nächsten Verhandlungsrunden dürften zeigen, ob die Arbeitgeber bereit sind, in dieser zentralen Frage Kompromisse einzugehen.
Für die Beschäftigten der oberösterreichischen Ordensspitäler steht nun eine wichtige Entscheidung an: Sollen sie das vorliegende Angebot als Zwischenerfolg akzeptieren oder auf weitere Verbesserungen setzen? Die Abstimmung wird zeigen, wie die Belegschaft diese schwierige Abwägung trifft.