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40-Prozent-Frauenquote in Aufsichtsräten beschlossen

Women on Boards-Richtlinie soll verkrustete Strukturen aufbrechen

17. März 2026 um 12:01
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Österreichs Parlament beschließt neue Frauenquote für börsennotierte Unternehmen. Ab Ende 2026 müssen 40 Prozent der Aufsichtsräte weiblich besetzt sein.

Das österreichische Parlament hat einen wichtigen Schritt in Richtung Gleichstellung in der Wirtschaft gesetzt. Der Justizausschuss beschloss heute die Umsetzung der EU-Richtlinie "Women on Boards", die eine 40-Prozent-Frauenquote in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen vorsieht. Die neue Regelung soll bereits Ende dieses Jahres in Kraft treten und ab 31. Dezember 2026 anzuwenden sein.

Verbindliche Quote statt Freiwilligkeit

"Mit der 'Women on Boards'-Richtlinie setzen wir einen entscheidenden Schritt, um verkrustete Strukturen aufzubrechen. Männerdomänen in Aufsichtsräten müssen der Vergangenheit angehören", erklärt SPÖ-Frauensprecherin Sabine Schatz. Die neue Quote stelle ein starkes Signal für mehr Fairness und gleiche Chancen in der Wirtschaft dar.

Die Regelung richtet sich gezielt an börsennotierte Unternehmen und soll sicherstellen, dass Frauen dort vertreten sind, wo wichtige unternehmerische Entscheidungen getroffen werden. Bisher waren Aufsichtsräte oft männlich dominiert, was sich nun grundlegend ändern soll.

Erfolg der bisherigen 30-Prozent-Quote

Die SPÖ-Frauensprecherin verweist auf den Erfolg bereits bestehender Maßnahmen: "Schon die 30-Prozent-Quote hat den Frauenanteil deutlich erhöht und zeigt, dass verbindliche Regeln wirken." Diese Erfahrung untermauert die Argumentation für verschärfte Vorgaben statt freiwilliger Selbstverpflichtungen der Unternehmen.

Die Erhöhung von 30 auf 40 Prozent stellt eine weitere Verschärfung dar und soll den Wandel in den Führungsetagen österreichischer Großunternehmen beschleunigen. Damit folgt Österreich dem europäischen Trend zu mehr Geschlechtergerechtigkeit in Spitzenpositionen der Wirtschaft.

Sanktionen bei Nichteinhaltung

Die neue Regelung sieht konkrete Konsequenzen für Unternehmen vor, die die Quote nicht erfüllen. Bei Nichteinhaltung der 40-Prozent-Vorgabe dürfen freigewordene Aufsichtsratsposten nicht nachbesetzt werden. Diese Sanktion soll einen wirksamen Anreiz schaffen, die gesetzlichen Vorgaben tatsächlich umzusetzen.

Der Mechanismus ist darauf ausgelegt, Unternehmen zu zwingen, aktiv nach qualifizierten Frauen für Aufsichtsratspositionen zu suchen, anstatt auf traditionelle, oft männlich geprägte Netzwerke zurückzugreifen.

Zeitplan und Umsetzung

Nach dem heute erfolgten Beschluss im Justizausschuss steht noch die finale Abstimmung im Plenum des Parlaments aus. Anschließend tritt die neue Regelung in Kraft, wobei Unternehmen bis zum 31. Dezember 2026 Zeit haben, die 40-Prozent-Quote zu erfüllen.

Diese Übergangsfrist soll Unternehmen ermöglichen, ihre Aufsichtsräte entsprechend umzustrukturieren und geeignete Kandidatinnen zu finden. Gleichzeitig wird damit ein klarer zeitlicher Rahmen gesetzt, der Verbindlichkeit schafft.

Ausblick auf weitere Maßnahmen

Für Sabine Schatz ist die neue Aufsichtsratsquote nur ein erster Schritt: "Wo Freiwilligkeit nicht reicht, braucht es klare Vorgaben. Das heißt für mich ganz klar, dass wir in Zukunft auch die Vorstände stärker in den Blick nehmen müssen. Daran führt kein Weg vorbei."

Diese Ankündigung deutet darauf hin, dass die Politik auch bei der Besetzung von Vorständen börsennotierter Unternehmen über verbindliche Quoten nachdenkt. Bisher konzentrieren sich die gesetzlichen Vorgaben hauptsächlich auf Aufsichtsräte.

Internationale Entwicklungen

Die "Women on Boards"-Richtlinie ist Teil einer europaweiten Bemühung um mehr Geschlechtergerechtigkeit in Führungspositionen. Mehrere EU-Länder haben bereits ähnliche oder sogar strengere Regelungen eingeführt.

Norwegen gilt als Pionier mit einer bereits seit Jahren bestehenden 40-Prozent-Quote, während Frankreich, Deutschland und andere Länder ebenfalls verbindliche Regelungen eingeführt haben. Österreich reiht sich mit der neuen Gesetzgebung in diese Entwicklung ein.

Argumente für Frauenquoten

Befürworter von Frauenquoten argumentieren, dass diverse Führungsgremien bessere Entscheidungen treffen und verschiedene Perspektiven einbringen. Studien zeigen, dass Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil in Führungspositionen oft wirtschaftlich erfolgreicher sind.

Zudem wird argumentiert, dass ohne gesetzliche Vorgaben der Wandel zu langsam voranschreitet. Die Erfahrungen mit freiwilligen Selbstverpflichtungen hätten gezeigt, dass diese nicht ausreichen, um signifikante Veränderungen herbeizuführen.

Kritik und Herausforderungen

Kritiker von Frauenquoten wenden ein, dass Qualifikation und nicht das Geschlecht entscheidend sein sollte. Sie befürchten, dass Quoten zu einer Tokenisierung führen könnten, bei der Frauen hauptsächlich aufgrund ihres Geschlechts und nicht ihrer Kompetenzen ausgewählt werden.

Unternehmen stehen vor der praktischen Herausforderung, genügend qualifizierte Kandidatinnen zu finden. Dies erfordert oft eine Ausweitung der Suchradien und eine Abkehr von traditionellen Rekrutierungsmethoden.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die neue Quote betrifft zunächst nur börsennotierte Unternehmen, was in Österreich eine begrenzte Anzahl von Gesellschaften umfasst. Dennoch sind dies oft die größten und einflussreichsten Unternehmen des Landes, sodass die Signalwirkung über die direkt betroffenen Firmen hinausgeht.

Experten erwarten, dass sich die Regelung auch auf nicht-börsennotierte Unternehmen auswirken wird, da diese oft den Praktiken der großen, börsennotierten Konzerne folgen. Zudem könnte die Nachfrage nach weiblichen Aufsichtsratsmitgliedern steigen, was neue Karrierewege für Frauen in der Wirtschaft eröffnet.

Langfristige Perspektiven

Die neue 40-Prozent-Quote ist Teil eines umfassenderen gesellschaftlichen Wandels hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit. Sie ergänzt bestehende Maßnahmen wie die Einkommenstransparenz und flexible Arbeitsmodelle, die alle darauf abzielen, strukturelle Benachteiligungen abzubauen.

Die Wirksamkeit der Maßnahme wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, nicht nur die Quote formal zu erfüllen, sondern auch eine echte kulturelle Veränderung in den Unternehmen zu bewirken. Der Erfolg wird sich daran messen lassen, ob Frauen in Aufsichtsräten tatsächlich Einfluss auf wichtige Entscheidungen nehmen können und ob sich dies positiv auf die Unternehmenskultur und -performance auswirkt.

Schlagworte

#Frauenquote#Aufsichtsrat#Gleichstellung#SPÖ#Women on Boards#Börsennotierten Unternehmen

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