Neue Aufnahmen zeigen Realität in niederösterreichischen Legehennenbetrieben
Der Verein gegen Tierfabriken veröffentlicht schockierendes Bildmaterial aus der Bodenhaltung und plant Protestaktion am Stephansplatz.
Kurz vor dem Osterfest rückt der Verein gegen Tierfabriken (VGT) die dunklen Seiten der österreichischen Eierproduktion ins Rampenlicht. Mit neuen Aufnahmen aus niederösterreichischen Legehennenhaltungen und einer geplanten Protestaktion am Wiener Stephansplatz will die Tierschutzorganisation über die Realität hinter den bunten Ostereiern aufklären.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Rund 60 Millionen Eier werden in Österreich während der Osterzeit verkauft. Für die Eierindustrie bedeutet dies eine der umsatzstärksten Phasen des Jahres. Doch während sich die Supermarktregale mit bunt gefärbten Eiern füllen, bleibt das Leben der Legehennen weitgehend unsichtbar.
"Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie unnatürlich die industrielle Eierproduktion heute abläuft", erklärt VGT-Campaignerin Denise Kubala. "Man möchte das auch gar nicht sehen. Legehennen werden von Maschinen ausgebrütet, um dann zu Tausenden in Industriehallen gehalten zu werden und leben kaum länger als eineinhalb Jahre."
Die aktuellen Aufnahmen aus einer niederösterreichischen Bodenhaltung, die im Februar und März dieses Jahres entstanden, zeichnen ein düsteres Bild der Realität. In den riesigen Hallen drängen sich mehrere tausend Hennen auf engstem Raum. Der Geräuschpegel ist ohrenbetäubend, wie Videoclips aus dem Stall dokumentieren.
Besonders verstörend: In den oberen Etagen der mehrstöckigen Bodenhaltungssysteme stehen die Tiere auf Gittern, während lediglich der Hallenboden dünn eingestreut ist. Mehrere tote und bereits verwesende Hennen sind zwischen den lebenden Tieren zu sehen. Eine Henne zeigt sich in abnormer, gekrümmter Körperhaltung mit kahler Brust – ein möglicher Hinweis auf die typischen Krankheitsmuster von Legehennen.
Diese Zustände mögen für empathische Menschen skandalös erscheinen, entsprechen jedoch weitestgehend der legalen Norm in Österreich. Die Bodenhaltung gilt zwar als Verbesserung gegenüber der früher verbreiteten Käfighaltung, doch artgerecht ist sie keineswegs.
Der VGT nutzt die Veröffentlichung der neuen Aufnahmen, um mit weit verbreiteten Mythen rund um die Eierproduktion aufzuräumen:
Derzeit leben rund 56 Prozent der österreichischen Hennen in Bodenhaltung. Dabei drängen sich 7-9 Hennen auf jedem Quadratmeter der kargen Hallen. Im besten Fall haben sie Zugang zu einem "Außenscharrraum", jedoch nie zu einer echten Wiese. Teilweise müssen die Tiere sogar ohne Tageslicht auskommen. Studien belegen, dass zwischen 2 und 12 Prozent der Hennen bereits im Legebetrieb sterben.
Diese Annahme ist grundlegend falsch. Legehennen werden bereits nach einem bis eineinhalb Jahren geschlachtet, sobald ihre Legeleistung zu sinken beginnt. Hinzu kommt das systematische Töten männlicher Kücken: Jährlich werden rund 10 Millionen Hahnenkücken in Österreich durch Ersticken mit CO2 getötet, da sie für die Eierindustrie unbrauchbar sind.
Das ursprüngliche Bankivahuhn legt, wie andere Vögel auch, nur wenige Eier pro Jahr zur Fortpflanzung – etwa 20 Stück. Heutige Legehennen wurden hingegen gezielt darauf gezüchtet, unnatürlich viele Eier zu produzieren – mehr als 300 pro Jahr. Sie haben nie eine natürliche Legepause, da die Eier kontinuierlich entfernt werden.
Diese Überzüchtung macht die Tiere krank und verletzungsanfällig. Ein Großteil der Legehennen erleidet im Lauf ihres kurzen Lebens einen schmerzhaften Bruch des Brustbeins. Auch Erkrankungen der Legeorgane sind weit verbreitet.
Das Gegenteil ist der Fall. Seit dem Inkrafttreten des Käfigverbots für Legehennen ist der Selbstversorgungsgrad bei Eiern kontinuierlich gestiegen und erreichte 2022 den bisherigen Höchstwert von 94 Prozent. Erfreulich ist zudem, dass Bodenhaltungen rückläufig sind, während Freilandhaltungen zunehmen.
Das österreichische Käfigverbot gilt international als Paradebeispiel für die erfolgreiche Umsetzung einer bedeutenden Tierschutzmaßnahme.
Auch wenn nicht explizit in der Pressemitteilung erwähnt, weisen Tierschutzorganisationen regelmäßig darauf hin, dass auch in der Bio-Haltung Probleme bestehen können. Zwar sind die Haltungsbedingungen besser, doch auch hier werden männliche Kücken getötet und Hennen nach kurzer Zeit geschlachtet.
Um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf diese Missstände zu lenken, plant der VGT eine auffällige Protestaktion. Am 18. März wird am Wiener Stephansplatz ein aufblasbares Riesenhuhn seine Eier im Nest "verteidigen". Aktivistinnen und Aktivisten werden dabei vegane Schokoladeneier verteilen und über die Tierschutzprobleme der Eierindustrie informieren.
Die Aktion steht unter dem Motto "Sei zu Hühnern lieb. Sei kein Eierdieb" und findet von 10:30 bis 12:00 Uhr über der Virgilkapelle statt.
"Alleine in Österreich werden jedes Jahr mehrere Millionen Tiere im Zuge der Massenproduktion von Eiern getötet", betont Campaignerin Kubala. Der VGT fordert mehr Transparenz und bessere Information der Verbraucherinnen und Verbraucher.
Die Tierschutzorganisation stellt Interessierten umfangreiches Bildmaterial und auf Anfrage auch Videomaterial zur Verfügung. Damit will sie eine breitere gesellschaftliche Diskussion über die Zukunft der Eierproduktion anstoßen.
Die Veröffentlichung der VGT-Aufnahmen fällt in eine Zeit, in der sich das Bewusstsein für Tierschutz und nachhaltige Ernährung in Österreich stetig wandelt. Immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten hinterfragen die Herkunft ihrer Lebensmittel und suchen nach Alternativen.
Ob diese Entwicklung zu weiteren Verbesserungen in der Legehennenhaltung oder zu einem verstärkten Umstieg auf pflanzliche Alternativen führt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Fest steht jedoch: Die Diskussion über die Zukunft der Eierproduktion in Österreich ist in vollem Gange.
Die geplante Protestaktion am Stephansplatz verspricht, diese Debatte weiter anzufachen und das Thema Tierschutz in der Landwirtschaft wieder verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.