Hartnäckige Irrtümer bei der Abfalltrennung verursachen Fehlwürfe und erhöhen Kosten
Ein Drittel der Österreicher glaubt, Plastik im Restmüll sei nötig für die Müllverbrennung. Solche Mythen kosten die Abfallwirtschaft viel Geld.
Hartnäckige Mythen rund um die Mülltrennung verursachen der Abfallwirtschaft erhebliche Probleme. Anlässlich des Welt-Recycling-Tags warnt die Initiative ÖSTERREICH SAMMELT vor den kostspieligen Folgen weit verbreiteter Irrtümer bei der getrennten Sammlung von Verpackungsabfällen.
„Mülltrennen bringt nichts – am Ende kommt alles wieder zusammen und wird verbrannt“ oder „Weiß- und Buntglas wird im LKW sowieso wieder vermischt“ – solche Aussagen sind nicht nur falsch, sondern haben konkrete wirtschaftliche Auswirkungen. Eine repräsentative Umfrage des Market Instituts zeigt das Ausmaß der Fehlinformationen: Ein Drittel der Österreicher (33 Prozent) glaubt, dass Verpackungen aus Kunststoff im Restmüll wichtig seien, damit die Müllverbrennung "die richtige Temperatur" erreiche.
„Grundsätzlich ist die Motivation für die getrennten Abfallsammlung in der Bevölkerung sehr hoch. Österreichs Haushalte gehören zu den fleißigsten Sammler:innen in Europa", erklärt Andreas Pertl, Geschäftsführer der Verpackungskoordinierungsstelle (VKS) und Sprecher der Initiative ÖSTERREICH SAMMELT. "Gleichzeitig glauben aber immer noch viele Menschen an sogenannte Müllmythen – und das stellt ein ernst zu nehmendes Problem für die Abfallwirtschaft dar."
Die Folgen dieser Irrtümer sind messbar: Fehlwürfe – also falsch entsorgte Abfälle – erhöhen den Aufwand in Sortieranlagen erheblich und führen zu mehr Stillständen. Dies verursacht höhere Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wertstoffe wie Kunststoff, Papier, Glas und Metall gehen weitgehend verloren, wenn sie im Restmüll landen, obwohl sie bei richtiger Trennung recycelt werden könnten.
Besonders verbreitet sind auch die Vorstellungen, Mülltrennung ergebe keinen Sinn, weil ohnehin alles gemeinsam verbrannt werde, oder dass Verpackungsabfälle ins Ausland gebracht und dort Umwelt und Meere verschmutzen; solche Irrtümer tragen zu Fehlwürfen bei.
Manche Fehlwürfe stellen sogar ein Sicherheitsrisiko dar. Insbesondere falsch entsorgte Lithium-Batterien (etwa aus E-Zigaretten/Vapes, Spielzeug oder Kleingeräten) gelten als Treiber einer steigenden Zahl von Bränden in Sammel- und Sortierprozessen. Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) verweist auf 36 größere Brandereignisse im Jahr 2025 in Österreichs Entsorgungs- und Recyclingbetrieben; in mehreren Fällen gelten falsch entsorgte Lithium-Batterien als vermutete Ursache. Branchenquellen schätzen zudem, dass es in Österreich zu bis zu 240 batteriebedingten Brandereignissen pro Jahr in der Abfallwirtschaft kommt.
"Im Kern ist es einfach: Recycling steht und fällt damit, dass Verpackungen und andere Wertstoffe richtig – also getrennt - gesammelt werden, im Haushalt genauso wie im Betrieb. Dafür braucht es vor allem eines: klare, verlässliche Information", betont Pertl.
Im Vorfeld des Welt-Recycling-Tags bündelt ÖSTERREICH SAMMELT daher die häufigsten Irrtümer in einem Mythen-Check und zeigt kompakt, was tatsächlich stimmt und was Fehlglaube ist. Zudem übersetzt die Initiative die wichtigsten Regeln zur Abfalltrennung in leicht verständliche, alltagstaugliche Informationen – über Social Media, Kampagnen und die Informationsplattform www.oesterreich-sammelt.at stellt die Initiative praktische Trenntipps und Checklisten zur Verfügung.
Fakt: Was getrennt gesammelt wird, wird separat verarbeitet. Wertstoffe können dadurch recycelt werden – aus ihnen entstehen wieder neue Verpackungen und andere Produkte. Im Restmüll werden diese recycelbaren Materialien verbrannt.
Fakt: Für hochwertiges Recycling muss Weißglas getrennt von Buntglas gesammelt werden. Sammel-LKW haben dafür eigene Kammern, da schon kleine Beimischungen von Buntglas im Weißglas die erforderliche Farbqualität beeinträchtigen können.
Fakt: Kunststoffverpackungen werden in österreichischen Sortieranlagen für das Recycling vorbereitet. In manchen Fällen werden Sortier- und Recyclinganlagen im EU-Raum beauftragt; diese entsprechen laut OTS mindestens dem Stand der Technik österreichischer Anlagen.
Fakt: Der Heizwert von Restmüll (auch ohne Kunststoffverpackungen) entspricht in etwa dem von Braunkohle und ist somit ausreichend für die thermische Verwertung in Verbrennungsanlagen. Ein zu hoher Heizwert führt dazu, dass die Effizienz der Anlage zurückgeht, damit diese nicht überhitzt.
Fakt: Produkte aus Kunststoff, wie zum Beispiel Kinderspielzeug, sind keine Verpackungen. In der Gelben Tonne / im Gelben Sack werden nur Verpackungen, wie Folien, Joghurtbecher und Plastikflaschen (etwa Weichspüler- oder Putzmittelflaschen) gesammelt.
"Wir glauben an eine Zukunft, in der möglichst viel Abfall vermieden und nahezu alle Verpackungen recycelt werden. Das beginnt im Kleinen – zu Hause in der Küche oder im Betrieb, bei jeder Wegwerf-Entscheidung. Und ja: Ein bisschen sportlicher Ehrgeiz hilft: Je höher die Trefferquote beim richtigen Einwurf, desto besser die Recyclingqualität", schließt Pertl.
Jeder korrekt entsorgte Abfall trägt dazu bei, die Kosten zu senken und die Verarbeitung zu verbessern.