Zurück
OTS-MeldungRecycling/Mülltrennung/Verpackungen/Kreislaufwirtschaft/Abfall/Gesellschaft/Umwelt/Ressourcen/Wirtsc

Müllmythen kosten Österreich Millionen beim Recycling

Hartnäckige Irrtümer bei der Abfalltrennung verursachen Fehlwürfe und erhöhen Kosten

16. März 2026 um 12:21
Teilen:

Ein Drittel der Österreicher glaubt, Plastik im Restmüll sei nötig für die Müllverbrennung. Solche Mythen kosten die Abfallwirtschaft viel Geld.

Österreich gilt als Recycling-Musterschüler in Europa, doch hartnäckige Mythen rund um die Mülltrennung verursachen der Abfallwirtschaft erhebliche Probleme. Anlässlich des Welt-Recycling-Tags warnt die Initiative ÖSTERREICH SAMMELT vor den kostspieligen Folgen weit verbreiteter Irrtümer bei der getrennten Sammlung von Verpackungsabfällen.

Mythen mit teuren Folgen

"Mülltrennen bringt nichts – am Ende kommt alles wieder zusammen und wird verbrannt" oder "Weiß- und Buntglas wird im LKW sowieso wieder vermischt" – solche Aussagen sind nicht nur falsch, sondern haben konkrete wirtschaftliche Auswirkungen. Eine repräsentative Umfrage des Market Instituts zeigt das Ausmaß der Fehlinformationen: Ein Drittel der Österreicher (33 Prozent) glaubt fälschlicherweise, dass Verpackungen aus Kunststoff im Restmüll wichtig seien, damit die Müllverbrennung "die richtige Temperatur" erreiche.

"Grundsätzlich ist die Motivation für die getrennte Abfallsammlung in der Bevölkerung sehr hoch. Österreichs Haushalte gehören zu den fleißigsten Sammler:innen in Europa", erklärt Andreas Pertl, Geschäftsführer der Verpackungskoordinierungsstelle (VKS) und Sprecher der Initiative ÖSTERREICH SAMMELT. "Gleichzeitig glauben aber immer noch viele Menschen an sogenannte Müllmythen – und das stellt ein ernst zu nehmendes Problem für die Abfallwirtschaft dar."

Fehlwürfe verursachen hohe Kosten

Die Folgen dieser Irrtümer sind messbar: Fehlwürfe – also falsch entsorgte Abfälle – erhöhen den Aufwand in Sortieranlagen erheblich und führen zu mehr Stillständen. Dies verursacht höhere Kosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wertstoffe wie Kunststoff, Papier, Glas und Metall gehen weitgehend verloren, wenn sie im Restmüll landen, obwohl sie bei richtiger Trennung recycelt werden könnten.

Besonders problematisch sind elf Prozent der Befragten, die glauben, Mülltrennung ergebe keinen Sinn, weil ohnehin alles gemeinsam verbrannt werde. Weitere verbreitete Mythen besagen, Österreichs Verpackungsabfälle würden ins Ausland gebracht und dort Umwelt und Meere verschmutzen, oder Mülltrennung habe keine Auswirkung auf Umwelt und Klima.

Brandgefahr durch falsch entsorgte Batterien

Manche Fehlwürfe stellen sogar ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Besonders gefährlich sind falsch entsorgte Lithium-Batterien aus E-Zigaretten, Spielzeug oder Kleingeräten. Das Bundesministerium für Klimaschutz verzeichnete 2024 bereits 36 größere Brandereignisse in österreichischen Entsorgungs- und Recyclingbetrieben, wobei in mehreren Fällen falsch entsorgte Lithium-Batterien als vermutete Ursache gelten.

Branchenquellen schätzen, dass es in Österreich zu bis zu 240 batteriebedingten Brandereignissen pro Jahr in der Abfallwirtschaft kommt. Diese Zahl verdeutlicht das Ausmaß der Gefahr, die von unsachgemäß entsorgten Batterien ausgeht.

Aufklärung als Schlüssel zum Erfolg

"Im Kern ist es einfach: Recycling steht und fällt damit, dass Verpackungen und andere Wertstoffe richtig – also getrennt - gesammelt werden, im Haushalt genauso wie im Betrieb. Dafür braucht es vor allem eines: klare, verlässliche Information", betont Pertl.

Die Initiative ÖSTERREICH SAMMELT hat deshalb einen umfassenden Mythen-Check erstellt und stellt über ihre Plattform www.oesterreich-sammelt.at praktische Trenntipps und Checklisten zur Verfügung. Über Social Media und Kampagnen werden die wichtigsten Regeln zur Abfalltrennung in leicht verständliche, alltagstaugliche Informationen übersetzt.

Die häufigsten Müllmythen im Faktencheck

Mythos 1: "Mülltrennen bringt nichts"

Fakt: Was getrennt gesammelt wird, wird separat verarbeitet. Wertstoffe können dadurch recycelt werden – aus ihnen entstehen wieder neue Verpackungen und andere Produkte. Im Restmüll werden diese recycelbaren Materialien verbrannt.

Mythos 2: "Weiß- und Buntglas wird vermischt"

Fakt: Für hochwertiges Recycling muss Weißglas getrennt von Buntglas gesammelt werden. Sammel-LKW haben eigene Kammern, da schon kleine Beimischungen von Buntglas im Weißglas die erforderliche Farbqualität beeinträchtigen können.

Mythos 3: "Abfälle verschmutzen das Ausland"

Fakt: Kunststoffverpackungen werden in österreichischen Sortieranlagen für das Recycling vorbereitet. Wenn EU-Anlagen beauftragt werden, entsprechen diese mindestens dem Stand der Technik österreichischer Anlagen.

Mythos 4: "Plastik im Restmüll ist nötig"

Fakt: Der Heizwert von Restmüll entspricht auch ohne Kunststoffverpackungen etwa dem von Braunkohle und ist ausreichend für die thermische Verwertung. Ein zu hoher Heizwert reduziert sogar die Effizienz der Anlagen.

Mythos 5: "Alle Kunststoffprodukte gehören in die Gelbe Tonne"

Fakt: Nur Verpackungen aus Kunststoff gehören in die Gelbe Tonne. Produkte wie Kinderspielzeug aus Kunststoff sind keine Verpackungen und gehören nicht dazu.

Sportlicher Ehrgeiz beim Recycling

"Wir glauben an eine Zukunft, in der möglichst viel Abfall vermieden und nahezu alle Verpackungen recycelt werden. Das beginnt im Kleinen – zu Hause in der Küche oder im Betrieb, bei jeder Wegwerf-Entscheidung. Und ja: Ein bisschen sportlicher Ehrgeiz hilft: Je höher die Trefferquote beim richtigen Einwurf, desto besser die Recyclingqualität", schließt Pertl.

Die Botschaft ist klar: Österreichs hohe Recyclingquoten sind ein Erfolg, der jedoch durch bessere Aufklärung und konsequente Mülltrennung noch weiter gesteigert werden kann. Jeder korrekt entsorgte Abfall trägt dazu bei, die Kosten zu senken und die Umwelt zu schützen.

Schlagworte

#Recycling#Mülltrennung#Abfallwirtschaft#Umweltschutz#Kreislaufwirtschaft

Weitere Meldungen

OTS
Recycling

Ein Jahr Einweg-Pfand: Österreichs Weg zur Kreislaufwirtschaft

30. Dez. 2025
Lesen
OTS
Biotechnologie

Holzheizungen werden immer sauberer – 90% weniger Feinstaub bis 2050

16. März 2026
Lesen
OTS
Kunst & Kultur

Vielfältiges Konzertprogramm prägt Niederösterreichs Kulturbühnen

16. März 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen