Grazer Forscher entdecken HPV-unabhängige Tumore und Reservezellen als Krebsausgangspunkt
Österreichische Wissenschaftler präsentieren Forschungsergebnisse zu Gebärmutterhalskrebs beim EUROGIN-Kongress in Wien.
Jedes Jahr erkranken in Österreich knapp 500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, alle drei Tage verstirbt eine Frau an dieser Erkrankung. Obwohl die Häufigkeit durch Vorsorge- und Früherkennungsprogramme in den letzten 50 Jahren deutlich gesunken ist, berichtet die EU, dass in einzelnen Ländern Europas in den nächsten Jahren wieder eine Zunahme von Gebärmutterhalskrebs erwartet wird. Neue Erkenntnisse zum Reservoir von HPV im Gebärmutterhals und zu den Ursprungszellen des Gebärmutterhalskrebses könnten mithelfen, diesem Trend entgegenzuwirken.
Forscher der Medizinischen Universität Graz um Univ.-Prof. Dr. Olaf Reich beschäftigen sich mit einem speziellen Zelltyp am Gebärmutterhals, den sie als Reservezellen bezeichnen. Nach Darstellung der Forscher dienen diese Reservezellen als Reservoir für humane Papilloma-Viren (HPV) und stellen den Ursprung vieler sich aus HPV-Infektionen entwickelnder Krebsvorstufen dar. Diese Reservezellen finden sich nach Angaben der Forscher am Gebärmutterhals.
Die Infektion mit HPV ist sehr verbreitet und betrifft fast jeden im Laufe seines Lebens. Das Virus vermehrt sich in Haut- und Schleimhautzellen und verursacht dabei häufig keine Beschwerden, weshalb Infektionen oft unerkannt bleiben. In den meisten Fällen sterben die infizierten Zellen im Rahmen ihrer Erneuerung ab. Bei einem kleinen Teil der Infizierten verbleibt das Virus jedoch über Jahre im Körper (Persistenz), und diese Viruspersistenz kann über längere Zeit die normale Regeneration stören, sodass in seltenen Fällen Krebs entsteht. Zwischen initialer HPV-Infektion und Krebs vergehen in der Regel viele Jahre.
In den letzten Jahren hat die Grazer Arbeitsgruppe nach eigener Darstellung HPV-unabhängige Karzinome am Gebärmutterhals beschrieben. Nach ihren Angaben entstehen solche HPV-unabhängigen Karzinome über spezifische präinvasive Vorstufen, die diagnostiziert und behandelt werden können. Das Konzept einer dualen Krebsentstehung – HPV-abhängig und HPV-unabhängig – wird von der Arbeitsgruppe als wichtig für das Verständnis und die Behandlung von Gebärmutterhalskrebs angesehen.
Zu den bekannten Schutzmaßnahmen gegen HPV-assoziierte Erkrankungen gehören rechtzeitige Impfung, die Verwendung von Kondomen besonders bei wechselnden Sexualpartnern, Meiden von Rauchen und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Die WHO hat 2020 das Ziel verkündet, bis 2030 die jährliche Häufigkeit von Gebärmutterhalskrebs auf unter 4 Fälle pro 100.000 Frauen zu senken. In Europa erkranken derzeit noch etwa 12 Frauen pro 100.000 jährlich.
Die genannten Forschungsthemen sind Schwerpunkte beim EUROGIN-Kongress, der vom 18. bis 21. März im Austria Center Vienna stattfindet. EUROGIN ist einer der internationalen Kongresse zu HPV und damit verbundenen Krebserkrankungen mit Schwerpunkt auf Prävention und Diagnostik.