Einstimmige Wahl beim 5. Bundestag der GÖD-Polizeigewerkschaft
Der neue Vorsitzende setzt auf bessere Arbeitsbedingungen und warnt vor Überbelastung der Polizistinnen und Polizisten in Österreich.
Die österreichische Polizeigewerkschaft hat eine neue Führung gewählt. Martin Heinzl von der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) wurde beim 5. Bundestag der GÖD-Polizeigewerkschaft am 11. und 12. März 2026 in Wien einstimmig zum neuen Vorsitzenden gewählt. Auch seine beiden Stellvertreter Martin Noschiel (FSG) und Stefan Gerdenich (FCG) erhielten das einhellige Vertrauen der 115 Delegierten aus ganz Österreich.
Alle drei Führungspersönlichkeiten standen erstmals zur Wahl und konnten sich ohne Gegenstimme durchsetzen. Dies zeigt das große Vertrauen der Gewerkschaftsmitglieder in die neue Führungsriege. Der Bundestag fungierte nicht nur als Wahlveranstaltung, sondern legte auch die strategischen Weichen für die kommenden Jahre.
Die Delegierten verabschiedeten in Form von Leitanträgen die wichtigsten Schwerpunktthemen für die neue Funktionsperiode. Diese Themen wurden zuvor in den Landestagen der einzelnen Bundesländer diskutiert und entwickelt, wodurch eine breite Basis für die gewerkschaftliche Arbeit geschaffen wurde.
Die neue Gewerkschaftsführung hat sich ehrgeizige Ziele gesteckt. An oberster Stelle steht die Weiterführung beziehungsweise Wiederaufnahme der Personaloffensive. Angesichts der vielfältigen Herausforderungen, denen sich die österreichische Polizei gegenübersieht, ist eine ausreichende Personalausstattung von entscheidender Bedeutung.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Forderung nach einer den Anforderungen des Polizeidienstes angemessenen Besoldung. Die Polizeigewerkschaft will sicherstellen, dass die Entlohnung der Polizistinnen und Polizisten den besonderen Belastungen und Risiken ihres Berufes entspricht.
Besondere Aufmerksamkeit widmet die neue Führung dem Thema Work-Life-Balance. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeits- und Freizeit im Polizeidienst soll erreicht werden. Dies ist angesichts der oft unregelmäßigen Arbeitszeiten und spontanen Einsätze eine besondere Herausforderung.
Zusätzlich stehen Verbesserungen im Zusammenhang mit den Ruhestandsbestimmungen auf der Agenda. Die Polizeigewerkschaft will sicherstellen, dass die Beamtinnen und Beamten nach einem arbeitsreichen Berufsleben einen angemessenen Übergang in den Ruhestand erhalten.
Der neue Vorsitzende Martin Heinzl machte in seiner ersten Stellungnahme deutlich, welche außergewöhnlichen Herausforderungen die österreichische Polizei in den vergangenen Jahren zu bewältigen hatte. "Unsere Kolleginnen und Kollegen waren in den vergangenen Jahren durch verschiedene Ereignisse neben dem Regelbetrieb zusätzlich gefordert", erklärte Heinzl.
Die Corona-Pandemie stellte die Polizei vor völlig neue Aufgaben. Neben der Durchsetzung von Gesundheitsmaßnahmen mussten auch die eigenen Reihen vor Ansteckungen geschützt werden. Gleichzeitig führten gesellschaftliche Spannungen rund um die Pandemie-Maßnahmen zu zusätzlichen Einsätzen.
Eine zweite Flüchtlingswelle im Jahr 2022 brachte erneut erhebliche Belastungen mit sich. Die Polizei musste nicht nur an den Grenzen verstärkt tätig werden, sondern auch bei der Betreuung und Verteilung von Asylsuchenden im ganzen Land helfen.
Die Wiedereinrichtung einer permanenten Grenzkontrolle bedeutete für viele Polizistinnen und Polizisten zusätzliche Dienste und längere Einsatzzeiten. Diese Maßnahme, die als Reaktion auf verschiedene sicherheitspolitische Entwicklungen eingeführt wurde, bindet dauerhaft Personal.
Hinzu kommt die latente Terrorgefahr, die eine ständige Wachsamkeit und Bereitschaft erfordert. Die Polizei muss jederzeit auf mögliche terroristische Bedrohungen reagieren können, was zusätzliche Ressourcen und Schulungen erforderlich macht.
Trotz aller Kritik an den Arbeitsbedingungen ließ Heinzl auch Lob für seine Kolleginnen und Kollegen nicht zu kurz kommen. "Wie bereits in der Vergangenheit haben sie mit Einsatzbereitschaft, Expertise und Durchhaltevermögen bewiesen, was die Polizei zu leisten vermag", betonte der neue Vorsitzende.
Diese Anerkennung ist wichtig für die Moral der Polizeibeamten, die oft unter schwierigen Bedingungen arbeiten müssen. Die Gewerkschaft sieht sich als Sprachrohr für alle Polizistinnen und Polizisten und will deren Leistungen entsprechend würdigen.
Gleichzeitig schlug Heinzl aber auch kritische Töne an. "Dabei wurden sie oft auch über ihre Leistungsgrenzen hinaus belastet, was im Hinblick auf Gesundheit und Privatleben aus gewerkschaftlicher Sicht nicht akzeptiert werden kann", warnte der neue Gewerkschaftschef.
Diese Aussage macht deutlich, dass die Polizeigewerkschaft nicht bereit ist, eine systematische Überbelastung ihrer Mitglieder hinzunehmen. Die Gesundheit und das Privatleben der Polizistinnen und Polizisten müssen geschützt werden.
Der neue Vorsitzende richtete klare Forderungen an den Dienstgeber: "Der Dienstgeber ist daher mehr denn je gefordert, für die Zukunft entsprechende Vorkehrungen zu treffen, um derartige Überbelastungen so gut wie möglich hintanzuhalten."
Diese Vorkehrungen könnten verschiedene Maßnahmen umfassen: von einer besseren Personalplanung über moderne Ausrüstung bis hin zu flexibleren Arbeitszeiten. Die Gewerkschaft will konstruktiv mit dem Dienstgeber zusammenarbeiten, um Lösungen zu finden.
"Wertschätzende Lösungen seitens des Dienstgebers wären hier sehr gefragt", ergänzte Heinzl. Damit macht er deutlich, dass es nicht nur um strukturelle Verbesserungen geht, sondern auch um eine grundsätzliche Wertschätzung der Polizeiarbeit.
Die neue Führung der Polizeigewerkschaft steht vor großen Herausforderungen. Die gesellschaftlichen und sicherheitspolitischen Entwicklungen werden auch in Zukunft hohe Anforderungen an die österreichische Polizei stellen.
Mit der einstimmigen Wahl haben die Delegierten ein starkes Vertrauen in die neue Führung ausgedrückt. Martin Heinzl und seine beiden Stellvertreter können daher mit breiter Unterstützung in die kommenden Verhandlungen mit dem Dienstgeber gehen.
Die Polizeigewerkschaft wird in den kommenden Jahren zeigen müssen, ob sie ihre ambitionierten Ziele erreichen kann. Die Themen Personaloffensive, faire Besoldung und bessere Work-Life-Balance werden dabei im Mittelpunkt stehen. Gleichzeitig muss die Gewerkschaft darauf achten, dass die Qualität der Polizeiarbeit nicht unter den geforderten Verbesserungen leidet.