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EU-Zustimmung steigt, USA-Vertrauen bricht ein

Neue ÖGfE-Umfrage zeigt drastischen Wandel der Österreicher bei internationalen Partnerschaften

12. März 2026 um 12:11
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64% für EU-Mitgliedschaft, nur 16% sehen USA als vertrauenswürdig - China überholt Amerika im Vertrauensranking der Österreicher

Die geopolitischen Verwerfungen der letzten Jahre hinterlassen deutliche Spuren in der österreichischen Bevölkerung. Eine aktuelle Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) zeigt einen bemerkenswerten Wandel: Während die Zustimmung zur EU-Mitgliedschaft auf den höchsten Stand seit Dezember 2024 steigt, bricht das Vertrauen in die Vereinigten Staaten drastisch ein.

EU-Mitgliedschaft gewinnt an Rückhalt

64 Prozent der befragten Österreicherinnen und Österreicher sprechen sich aktuell dafür aus, dass das Land Mitglied der Europäischen Union bleiben soll. Dieser Wert markiert den höchsten Zustimmungswert seit Dezember 2024. Im Gegensatz dazu plädieren 28 Prozent für einen Austritt aus der Union – ein Wert, der etwa dem des vergangenen Herbstes entspricht. 8 Prozent zeigen sich unsicher oder geben keine Antwort.

"Gerade in Zeiten globaler Unsicherheiten gewinnt die Mitgliedschaft in der Union an Wert und bietet Stabilität in einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät", analysiert Paul Schmidt, Generalsekretär der ÖGfE. Gleichzeitig spiegelt das Ergebnis seiner Ansicht nach die Polarisierung der Gesellschaft wider.

Die langfristige Betrachtung seit 1995 zeigt, dass die Befürwortung der EU-Mitgliedschaft bei durchschnittlich 70 Prozent liegt, während 22 Prozent einen EU-Ausstieg bevorzugen. Die aktuellen Zahlen bewegen sich somit im historischen Rahmen, zeigen aber eine deutliche Tendenz zur EU-Befürwortung in unsicheren Zeiten.

Dramatischer Vertrauensverlust bei den USA

Besonders drastisch fällt der Vertrauensverlust gegenüber den Vereinigten Staaten aus. Nur noch 16 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher betrachten die USA als vertrauenswürdigen Partner für das Land. Für 69 Prozent sind die Vereinigten Staaten hingegen kein vertrauenswürdiger Partner.

Dieser Wert zeigt einen dramatischen Wandel: Während 2023 noch "nur" 47 Prozent der Befragten sich negativ über die USA äußerten, ist diese Zahl binnen weniger Jahre auf 69 Prozent angestiegen. "Das heimische Vertrauen in die Vereinigten Staaten ist in den vergangenen drei Jahren dramatisch erodiert", konstatiert Schmidt.

China überholt USA im Vertrauensranking

Bemerkenswert ist die parallele Entwicklung bei anderen Großmächten. 20 Prozent der Befragten sehen die Volksrepublik China als vertrauenswürdigen Partner – und damit mehr als die USA. 59 Prozent äußern sich skeptisch gegenüber China, während 21 Prozent die Frage nicht beurteilen können.

Im Verlauf der letzten drei Jahre ist das Vertrauen gegenüber China sogar um 8 Prozentpunkte gestiegen, während die Zahl der Misstrauischen um 13 Prozentpunkte sank. "Dass die USA nunmehr im Vertrauensranking praktisch gleichauf mit Russland rangieren und hinter der zweiten Supermacht, der Volksrepublik China, zu liegen kommen, macht deutlich, welch tiefgreifende Folgen die Politik der aktuellen US-Administration mit sich bringt", so Schmidt.

Russland: Leichter Anstieg des Vertrauens

Auch bei Russland zeigt sich eine interessante Entwicklung: 14 Prozent – und damit um 6 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr – sehen Russland als Partner, dem Österreich vertrauen kann. 73 Prozent widersprechen diesem Befund, 13 Prozent äußern sich nicht.

Eine Analyse der Antworten zeigt: Jene Befragten, die sich für einen EU-Austritt Österreichs aussprechen, sehen Russland, aber auch die USA und China stärker als vertrauenswürdige Partner als jene, die für die EU-Mitgliedschaft eintreten.

EU-Erweiterung stößt weiter auf Skepsis

Bei der Frage nach weiteren EU-Erweiterungen zeigt sich die österreichische Bevölkerung weiterhin skeptisch. 58 Prozent der Befragten sind dagegen, dass die Europäische Union in den kommenden fünf Jahren weitere Länder aufnimmt. 27 Prozent sprechen sich für baldige Erweiterungsschritte aus, 15 Prozent positionieren sich nicht.

Immerhin zeigt sich eine leichte Bewegung: Die Ablehnung der Erweiterung hat sich im Lauf des vergangenen Jahres verringert (April 2025: 63 Prozent), die Zustimmung ist um 6 Prozentpunkte gestiegen.

"Beifall für rasche Erweiterungsschritte der Europäischen Union gibt es in Österreich weiterhin keinen", betont Schmidt. Besonders beim Westbalkan fehle es an Bewusstsein dafür, welchen Stellenwert eine Heranführung der Nachbarländer für die österreichische Stabilität haben könnte.

Ukraine-Unterstützung: Gesellschaft gespalten

Bei der Ukraine-Unterstützung zeigt sich die österreichische Gesellschaft tief gespalten. Die Frage, ob die Europäische Union die Ukraine in ihrem Kampf gegen den russischen Angriff unterstützen soll, teilt das Land praktisch in der Mitte.

43 Prozent betrachten diese Unterstützung als "sehr" (22 Prozent) oder "eher wichtig" (21 Prozent). Dem stehen 45 Prozent gegenüber, die den EU-Beistand als "eher nicht" (18 Prozent) oder "gar nicht wichtig" (27 Prozent) empfinden. 12 Prozent geben keine Stellungnahme ab.

Die Entwicklung seit 2023 zeigt: Die Zahl jener, die die Unterstützung der Ukraine als nicht wichtig ansehen, ist um 9 Prozentpunkte gestiegen. "Nach vier Jahren des russischen Kriegs gegen die Ukraine sind die Österreicher:innen geteilter Meinung", erklärt Schmidt. Gründe für die Skepsis seien starke innenpolitische Opposition, die aktuelle Wirtschaftslage sowie fehlende Perspektiven für ein Kriegsende.

Auftrag für intensivere Europa-Diskussion

Schmidt sieht in den Umfrageergebnissen einen klaren Auftrag: "Die aktuelle Stimmungslage ist jedenfalls ein Auftrag, die Diskussion über den Sinn und Mehrwert der europäischen Integration intensiver zu führen, aber auch an die EU und ihre Mitgliedsländer, die anstehenden Herausforderungen konsequent gemeinsam anzugehen."

Die Europäische Union sei umso mehr gefordert, klarzustellen, wofür sie steht, ihr globales Standing zu festigen und ihre Partnerschaften zu diversifizieren. Dies gelte besonders angesichts des dramatischen Vertrauensverlusts gegenüber den USA.

Zur Umfrage

Die aktuelle Umfrage wurde von market von 2. bis 5. März 2026 im Auftrag der ÖGfE durchgeführt. Befragt wurden österreichweit 1000 Personen online, repräsentativ für die österreichische Bevölkerung im Alter von 16 bis 80 Jahren nach Alter, Geschlecht, Region und Bildung. Die maximale statistische Schwankungsbreite liegt bei +/- 3,16 Prozent.

Die Ergebnisse spiegeln eine österreichische Gesellschaft wider, die in unsicheren Zeiten einerseits Halt in der EU-Mitgliedschaft sucht, andererseits aber das Vertrauen in traditionelle Partner wie die USA verliert. Diese Entwicklung dürfte die österreichische Außen- und Europapolitik in den kommenden Jahren maßgeblich prägen.

Schlagworte

#EU-Mitgliedschaft#USA#Österreich#Umfrage#Vertrauen#Ukraine#China#Russland

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