Tierschutzorganisation fordert mit provokanter Foto-Aktion EU-weites Pelzverbot
Humane World for Animals startet aufsehenerregende "Reality Projected"-Kampagne gegen Tierquälerei in der Pelzindustrie.
Die Tierschutzorganisation Humane World for Animals hat eine aufsehenerregende Kampagne gestartet, um die brutale Realität hinter dem Glanz der Pelzindustrie aufzudecken. Mit der innovativen "Reality Projected"-Kampagne projiziert die Organisation schockierende Bilder aus Pelztierfarmen direkt auf echte Pelzmäntel und andere Kleidungsstücke.
Die gemeinsam mit dem preisgekrönten Modefotografen Fro Rojas und der globalen Kreativagentur AKQA entwickelte Kampagne zeigt Models, die Pelzkleidung tragen, während Aufnahmen von grausamen Zuständen auf Pelztierfarmen auf die Kleidungsstücke projiziert werden. Diese innovative Technik soll einen direkten Kontrast zwischen den glamourösen Hochglanzbildern der Pelzindustrie und der schockierenden Realität schaffen.
"Ich glaube nicht, dass Tiere für Mode leiden und sterben sollten", erklärt Fotograf Fro Rojas. "Wir können uns schön kleiden und uns ausdrücken, ohne Tiere auf Pelztierfarmen einzusperren. Das ist ein so überholtes und hässliches Konzept." Der erfahrene Modefotograf nutzt sein Fachwissen, um die Irreführung der Öffentlichkeit durch glamouröse Pelzwerbung zu entlarven.
Trotz der Tatsache, dass bereits 24 europäische Länder, darunter 18 EU-Mitgliedstaaten, die Pelztierhaltung verboten haben, existieren in der Europäischen Union weiterhin mehr als 6 Millionen Tiere auf fast 1.200 Pelztierfarmen. Besonders in Ländern wie Finnland, Dänemark, Spanien, Griechenland und Ungarn werden nach wie vor Nerze, Füchse, Marderhunde und Chinchillas für die Pelzproduktion gehalten.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kam im Juli 2025 in ihrem wissenschaftlichen Gutachten zu einem erschütternden Ergebnis: Pelztierfarmen in der gesamten Europäischen Union erfüllen die grundlegenden Bedürfnisse der Tiere in Bezug auf den Tierschutz nicht.
Das EFSA-Gutachten dokumentiert systematische Missstände in der Pelztierhaltung:
Besonders dramatisch: Chinchillas haben keinen Zugang zu lebensnotwendigen Sandbädern, während Nerzen das Schwimmen in offenem Wasser verwehrt bleibt - beides natürliche Grundbedürfnisse dieser Tierarten.
Die Europäische Bürgerinitiative "Fur Free Europe" sammelte 2023 mehr als 1,5 Millionen Unterschriften von EU-Bürgern, die ein komplettes Verbot der Pelztierhaltung und des Pelzhandels fordern. Die Europäische Kommission will ihre politische Antwort darauf im nächsten Monat veröffentlichen.
"Die Europäische Union hat die Chance, sich beim Tierschutz auf die richtige Seite der Geschichte zu stellen", betont Dr. Joanna Swabe, Senior Director of Public Affairs bei Humane World for Animals. "Unsere Kampagne Reality Projected legt das Leid offen, das der Pelzhandel den EU-Bürgern nicht zeigen will."
Pelztierfarmen stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Während der Corona-Pandemie wurden auf fast 500 Nerzfarmen in 13 Ländern Europas und Nordamerikas Tiere mit COVID-19 infiziert. Millionen Tiere mussten aus Gründen des Infektionsschutzes getötet werden.
Auch das aviäre Influenzavirus (HPAI H5N1) wurde bereits auf 72 europäischen Pelzfarmen festgestellt. Etwa 500.000 Nerze, arktische Füchse, Rotfüchse und Marderhunde mussten deshalb präventiv getötet werden.
Eine aktuelle Studie enthüllt die erschreckende Umweltbilanz der Pelzindustrie. Die CO2-Bilanz von einem Kilogramm Nerzpelz beträgt 309,91 Kilogramm CO2-Äquivalent - das ist:
Auch Marderhund- und Fuchspelz weisen eine extrem schlechte Klimabilanz auf - bis zu 23-mal schlechter als Baumwolle.
Die internationale Modeindustrie distanziert sich zunehmend von Pelz. Über 1.600 Marken und Einzelhändler haben sich bereits zu einer pelzfreien Unternehmenskultur verpflichtet. Darunter sind renommierte deutsche Unternehmen wie:
International folgen Luxusmarken wie Gucci, Prada, Armani, Versace, Chanel und viele andere diesem Trend. Fashion Weeks in Kopenhagen, London und New York haben Pelz bereits von ihren Events verbannt.
Auch Medienhäuser positionieren sich eindeutig: Verlage von Titeln wie Vogue, Elle, GQ, Harper's Bazaar, Glamour, Esquire und Vanity Fair haben sich zu pelzfreien Unternehmensrichtlinien verpflichtet.
Die "Reality Projected"-Kampagne wurde professionell in einem Studio in Miami fotografiert. Gezeigt werden ein bodenlanger Nerzmantel, eine Bommelmütze aus Marderhund und eine Jacke aus Fuchspelz. Alle Kleidungsstücke wurden von Menschen gespendet, die sich entschieden haben, keinen Pelz mehr zu tragen.
Die auf den Pelz projizierten Bilder entstanden durch investigative Aufnahmen von Humane World for Animals und We Animals auf Pelztierfarmen in Finnland, China und den Vereinigten Staaten. Diese authentischen Dokumentationen zeigen die drastischen Gegensätze zwischen Werbung und Wirklichkeit.
Humane World for Animals sammelt weiterhin Unterschriften für eine eigene Petition, die in den kommenden Tagen an die EU-Kommissare übergeben wird. Sollte die Kommission ein EU-weites Verbot der Pelztierhaltung vorschlagen, müssen das Europäische Parlament und der Rat der Minister den Vorschlag prüfen und beschließen.
"Wir wollen keine Mindeststandards für das Wohl von Tieren, die für Pelz gezüchtet und getötet werden", stellt Dr. Swabe klar. "Wir brauchen jetzt ein Verbot." Die wissenschaftlichen Erkenntnisse seien eindeutig und die Wünsche der EU-Bevölkerung ließen keinen Zweifel daran, dass der Pelzhandel keinen Platz in einer modernen EU-Gesellschaft habe.
Die Kampagne ist auf verschiedenen Plattformen verfügbar und soll das Bewusstsein für die systematische Tierquälerei in der Pelzindustrie schärfen. Mit ihrer innovativen Herangehensweise macht die Organisation deutlich: Hinter jedem Pelzkleidungsstück steht das Leiden unschuldiger Tiere.