Länderübergreifender Aktionstag für Artenschutz am Dreiländerfluss
Gemeinsame Naturschutzaktion von Tirol bis Bayern: Freiwillige engagieren sich für den Erhalt der wertvollen Inn-Landschaft.
Ein starkes Zeichen für den grenzüberschreitenden Naturschutz: Am vergangenen Samstag gingen rund 60 Freiwillige aus Österreich, Deutschland und der Schweiz gemeinsam für den Schutz des Inns in Aktion. Der "INN-Aktionstag" brachte Menschen aus drei Ländern zusammen, um die wertvollen Lebensräume entlang des Dreiländerflusses zu pflegen und zu schützen.
In Tirol organisierte der WWF Österreich eine Säuberungsaktion im Schutzgebiet Völser Innau. "Unser Ziel ist es, den Inn wieder zu einer Lebensader für Mensch und Natur zu machen. Wir wollen die Bevölkerung entlang des Dreiländerflusses für diesen wertvollen Lebensraum begeistern und zum Anpacken einladen", erklärt Marianne Götsch, stellvertretende Projektleiterin von INNsieme connect beim WWF Österreich.
Die Aktion ist Teil des größeren Artenschutz-Projekts INNsieme connect, das darauf abzielt, den Inn als wichtigen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten zu erhalten und zu stärken. Durch solche Gemeinschaftsaktionen soll das Bewusstsein für den Naturschutz in der Bevölkerung geschärft werden.
Im Europareservat Unterer Inn in Bayern führte die Umweltstation Naturium am Inn ein sogenanntes "Ramadama" durch - eine bayerische Tradition des gemeinschaftlichen Aufräumens. Gemeinsam mit Freiwilligen befreiten sie das wertvolle Naturgebiet von Müll und Unrat, der nicht nur das Landschaftsbild stört, sondern auch eine ernsthafte Gefahr für die Tierwelt darstellt.
"Der Müll sieht nicht nur unschön aus, sondern ist auch gefährlich für die einzigartige Natur am Unteren Inn", betont Dorena Buchmeier, Leiterin des Naturium am Inn. Das Europareservat beherbergt mehr als 300 Vogelarten und verschiedene Kleinsäuger, die sich an weggeworfenen Dosen und Glasscherben verletzen können.
Die biologische Vielfalt des Gebiets macht deutlich, warum solche Schutzmaßnahmen so wichtig sind. "Es macht uns große Freude, dass sich im Interreg-Projekt INNsieme connect drei Länder vereint haben und an diesem Tag entlang des Inns angepackt wird. So kann jeder an seinem Wohnort seinen Beitrag für eine bessere Umwelt leisten", so Buchmeier weiter.
In der Schweiz widmeten sich die Freiwilligen einer ganz besonderen Aufgabe: dem Schutz der vom Aussterren bedrohten Ufertamariske. Die Organisation Pro Terra Engiadina lud zum Freischneiden dieser seltenen Pionierart ein, die natürlicherweise Kiesbänke entlang dynamischer Alpenflüsse besiedelt.
Das Problem: Wenn diese Kiesbänke zuwachsen, wird die Ufertamariske verdrängt. Gleichzeitig sind die offenen Kiesbänke auch für geschützte Vogelarten wie den Flussuferläufer oder den Flussregenpfeifer als Brutplätze unverzichtbar. Ausgestattet mit Scheren und Handschuhen rückten die Schweizer Freiwilligen daher zur Landschaftspflege in der Aue Strada am Inn aus.
"Auen am Inn bieten wichtige Lebensräume für seltene Arten. Projekte wie INNsieme connect helfen, diese Lebensräume, als auch Menschen über Ländergrenzen hinweg zu vernetzen", erklärt Angelika Abderhalden von Pro Terra Engiadina die Bedeutung der gemeinsamen Anstrengungen.
Der Aktionstag steht unter dem Dach des Projekts INNsieme connect, das die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers INNsieme (2019-2022) fortsetzt. Das Motto "Gemeinsam für den Inn" bringt Partnerorganisationen aus mehreren Ländern zusammen, um den Inn als wertvollen Lebensraum für Mensch und Natur zu stärken.
Das Projekt verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Neben konkreten Naturschutzmaßnahmen werden auch Umweltbildung und die Planung von Renaturierungen am Inn und seinen Zuflüssen vorangetrieben. Dadurch entsteht ein grenzüberschreitendes Netzwerk für den Schutz des Inns.
Ermöglicht wird das ambitionierte Projekt durch die Kofinanzierung der Europäischen Union im Rahmen des Förderprogramms Interreg Bayern-Österreich 2021-2027 sowie durch die Förderung des Landes Tirol. Diese finanzielle Unterstützung zeigt, wie wichtig grenzüberschreitende Umweltprojekte auf politischer Ebene eingeschätzt werden.
Der Inn ist einer der bedeutendsten Alpenflüsse und durchfließt auf seinem Weg zur Donau drei Länder. Seine Auen und Uferbereiche gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Doch wie viele Flusslandschaften ist auch der Inn durch menschliche Eingriffe stark verändert worden.
Projekte wie INNsieme connect sind daher von enormer Bedeutung für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Sie zeigen auch, dass Naturschutz nur durch gemeinsame Anstrengungen über Ländergrenzen hinweg erfolgreich sein kann.
Der große Zuspruch beim INN-Aktionstag mit 60 Freiwilligen aus drei Ländern verdeutlicht, dass das Bewusstsein für Umweltschutz in der Bevölkerung stark ausgeprägt ist. Solche Aktionen bieten Menschen die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden und einen direkten Beitrag zum Naturschutz zu leisten.
Die Organisatoren sind mit dem Erfolg der Aktion sehr zufrieden und planen bereits weitere gemeinsame Aktivitäten. Denn nur durch kontinuierliche Arbeit und das Engagement vieler Menschen kann der Inn als Lebensraum für kommende Generationen erhalten werden.
Der INN-Aktionstag ist ein ermutigendes Beispiel dafür, wie grenzüberschreitender Naturschutz funktionieren kann. Er zeigt, dass Menschen bereit sind, sich für die Umwelt zu engagieren, wenn ihnen konkrete Möglichkeiten geboten werden. Projekte wie INNsieme connect schaffen genau diese Möglichkeiten und tragen so zum Erhalt wertvoller Naturräume bei.