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Wien am Frauentag: SPÖ fordert mehr feministische Politik

Karner-Kremser und Hanke betonen Wiens Rolle als "Stadt der Frauen" und mahnen weitere Gleichstellungsmaßnahmen ein

8. März 2026 um 07:32
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Zum Weltfrauentag am 8. März unterstreichen Wiener SPÖ-Politikerinnen die Erfolge der Stadt bei Frauenförderung und Gewaltschutz - doch viel bleibt zu tun.

Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März haben die Wiener SPÖ-Politikerinnen Waltraud Karner-Kremser und Marina Hanke eine Bilanz der städtischen Frauenpolitik gezogen. Die beiden Gemeinderätinnen und Landtagsabgeordneten betonten dabei Wiens Rolle als "Stadt der Frauen" und mahnten gleichzeitig weitere Schritte zur Gleichstellung ein.

Historische Wurzeln und aktuelle Herausforderungen

Der 8. März hat in Wien eine besondere historische Bedeutung. Bereits 1911 organisierten sozialdemokratische Frauen in der Hauptstadt den ersten "Frauentag" und folgten damit einem Beschluss der Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz von 1910. Damals zogen rund 20.000 Frauen über die Ringstraße zum Rathaus und forderten Mutterschutz, Sozialversicherung, Arbeitsplatzschutz, gleiche Rechte und das Frauenwahlrecht.

"Diese Haltung trägt Wien bis heute – weil gleiche Rechte niemals ein Selbstläufer sind", betonte Karner-Kremser, die als Vorsitzende des Gemeinderatsausschusses für Wohnen, Wohnbau und Frauen fungiert. Marina Hanke, Frauensprecherin des Roten Rathausklubs, ergänzte: "Feminismus ist Alltagsarbeit – in Gesetzen, Budgets, Quoten, Angeboten und einer Stadt, die Frauen Rückenwind gibt."

Alarmierende Gewaltstatistiken

Die von den Politikerinnen präsentierten Zahlen zur Gewalt gegen Frauen sind erschreckend: Jede dritte Frau in Österreich ab 15 Jahren hat bereits körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Laut Statistik Austria waren 761.786 Frauen ab 15 Jahren Opfer körperlicher Gewalt (23,47 Prozent), beinahe gleich viele erlebten sexuelle Gewalt (23,75 Prozent).

Insgesamt waren 1.119.934 Frauen zwischen 18 und 74 Jahren von mindestens einer dieser Gewaltformen betroffen – das entspricht 34,5 Prozent. Besonders dramatisch: 282.480 Frauen ab 15 Jahren (8,7 Prozent) wurden bereits vergewaltigt. Stalking betraf jede fünfte Frau zwischen 18 und 74 Jahren, also fast 710.000 Betroffene.

"Hinter jeder Zahl steht ein Leben, das eingeschränkt wird – durch männliche Angstmache, Druck, Kontrolle oder Gewalt", kommentierte Hanke diese Statistiken. "Deswegen kämpfen wir jeden Tag für alle Frauen unserer Stadt."

Wiens Unterstützungsangebote

Die Stadt Wien hat auf diese Herausforderungen mit einem umfassenden Hilfssystem reagiert. Der 24-Stunden-Frauennotruf (+43 1 71719) verzeichnete 2024 insgesamt 9.824 Beratungskontakte. In den fünf Wiener Frauenhäusern fanden 2023 insgesamt 771 Frauen und 630 Kinder Schutz – das entspricht 77.626 Aufenthaltstagen. Insgesamt stehen 228 Plätze für Frauen und Kinder sowie 54 Plätze in Übergangswohnungen zur Verfügung.

"Ein Notruf, ein Frauenhausplatz, eine Erstberatung – das sind oft Minuten, die über Sicherheit entscheiden. Wien lässt niemanden allein", unterstrich Karner-Kremser die Bedeutung dieser Angebote.

Umfassender Ansatz über Gewaltschutz hinaus

Die Wiener Frauenpolitik beschränkt sich jedoch nicht nur auf Gewaltschutz. Die Stadt setzt auf arbeitsmarktpolitische Instrumente wie die Frauenarbeitsstiftung in Kooperation mit dem waff, kostenlose Kindergärtenplätze, Ganztagsschulen und Projekte wie die "Rote Box". Diese Maßnahmen zielen darauf ab, Frauen wirtschaftliche Unabhängigkeit zu ermöglichen.

"Frauenpolitik ist weit mehr als Gewaltschutz. Es geht um wirtschaftliche Unabhängigkeit, gute Jobs, faire Bezahlung, Gesundheitsversorgung, leistbares Wohnen - und um eine Stadt, die Frauen nicht einengt, sondern bei jedem benötigten Schritt unterstützt", erklärte Hanke.

Gesundheitsversorgung als Schwerpunkt

Im Gesundheitsbereich hat Wien zusätzliche Akzente gesetzt: Das Frauengesundheitszentrum bietet vertrauliche, niederschwellige Beratung in mehreren Sprachen. FEM Med am Reumannplatz ist seit November 2023 eine kostenlose Anlaufstelle für Frauen und Mädchen – ohne Termin und unabhängig von Versicherungs- oder Aufenthaltsstatus.

"Eine gute Gesundheitsversorgung darf kein Privileg sein. FEM Med zeigt, wie solidarische Versorgung aussieht: offen, kompetent, ohne Hürden", betonte Hanke die Bedeutung dieser Einrichtung.

Budgetpolitik mit klaren Prioritäten

Auch in der aktuellen Phase der Budgetkonsolidierung bleibt die Stadt bei ihrer frauenpolitischen Linie: Keine Einsparungen beim Gewaltschutz, bei Frauengesundheit oder bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wiener Frauenhäuser, Gewaltschutzvereine und der 24-Stunden-Frauennotruf bleiben vollständig aufrecht.

Gleichzeitig werden Programme zur Teilhabeförderung gestärkt: die Frauenarbeitsstiftung, MINT-Ausbildungsförderungen, Joboffensive 50+, Wiener Töchtertag, Frauenwoche sowie Initiativen für Mädchen wie "Mädchen feiern Technik".

"Wien beweist, dass Gleichstellung kein Luxus ist. Soziale Verantwortung und wirtschaftliche Stabilität gehen Hand in Hand", argumentierte Karner-Kremser für diese Prioritätensetzung.

Männer als notwendige Verbündete

Die beiden Politikerinnen betonten auch die Notwendigkeit, Männer stärker in die Gleichstellungsarbeit einzubeziehen. Gleichstellung gelinge nur, wenn auch Männer Verantwortung übernehmen – im Privaten, im Beruf und im öffentlichen Raum.

Ein besonderes Problem bleibt die ungleiche Verteilung unbezahlter Sorgearbeit. In Österreich liegt der Gender Overall Care Gap bei 71 Prozent. Frauen leisten im Schnitt 3 Stunden 48 Minuten unbezahlte Care-Arbeit pro Tag, Männer nur 2 Stunden 14 Minuten.

"Feminismus ist nicht nur ein Frauenthema. Wer Gleichstellung will, muss im eigenen Alltag anfangen - im Haushalt, im Team, im Freundeskreis", formulierte Karner-Kremser diese Herausforderung.

Internationale Entwicklungen als Warnung

Die Wiener SPÖ-Politikerinnen warnten auch vor internationalen Entwicklungen: Rechte Bewegungen versuchen europaweit, Frauen zurück in alte Rollenbilder zu drängen, wollen Abtreibungen abschaffen und die Selbstbestimmung von Frauen vermindern. Dagegen gelte es, die erreichten Fortschritte zu verteidigen und auszubauen.

Blick nach vorne

Trotz aller Herausforderungen zeigten sich Karner-Kremser und Hanke optimistisch über Wiens Weg als "Stadt der Frauen". "Wien ist Stadt der Frauen – weil feministische Politik hier nicht dekoriert, sondern gestaltet. Wir schützen, wir stärken, wir investieren", resümierten sie gemeinsam.

Die Bilanz zum Weltfrauentag 2025 macht deutlich: Wien hat in den vergangenen Jahren wichtige Strukturen für Frauenförderung und Gleichstellung aufgebaut. Von kostenlosen Kindergärtenplätzen über Gewaltschutzeinrichtungen bis hin zu spezialisierten Gesundheitsangeboten reicht das Spektrum der städtischen Maßnahmen.

Gleichzeitig zeigen die präsentierten Statistiken zur Gewalt gegen Frauen und zur ungleichen Verteilung der Care-Arbeit, dass noch ein weiter Weg zu einer wirklich gleichberechtigten Gesellschaft zurückzulegen ist. Die Herausforderung für die kommenden Jahre wird sein, die bestehenden Angebote zu sichern und gleichzeitig neue Wege zu finden, um strukturelle Ungleichheiten abzubauen.

Schlagworte

#Frauentag#SPÖ Wien#Gleichstellung#Gewaltschutz#Frauenpolitik

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