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Gewalt gegen ältere Frauen: "Keine muss allein sein!"

Seniorenbund-Präsidentin Korosec fordert zum Frauentag mehr Aufmerksamkeit für tabuisiertes Thema

6. März 2026 um 12:50
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16 Femizide 2025: Ingrid Korosec warnt vor ignorierter Gewalt gegen Seniorinnen und appelliert an Betroffene, Hilfe zu suchen.

Zum Internationalen Frauentag am 8. März rückt Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec ein oft übersehenes Problem in den Fokus: Gewalt gegen ältere Frauen. Die erschreckenden Zahlen sprechen eine deutliche Sprache – bereits 16 Femizide und 32 schwere Gewalttaten gegen Frauen verzeichnet Österreich im noch jungen Jahr 2025.

Ältere Frauen besonders gefährdet

"Ein alarmierendes Faktum", betont Korosec mit Blick auf die Statistiken. Besonders beunruhigend: Überproportional häufig werden ältere Frauen Opfer tödlicher Gewalt durch Männer. Jede dritte Frau in Österreich ist von Gewalt betroffen – eine Zahl, die die Dimension des Problems verdeutlicht.

"Vor allem Gewalt gegen Seniorinnen ist nach wie vor ein teils ignoriertes und tabuisiertes Thema", erklärt die Seniorenbund-Präsidentin. Die Realität zeigt: Ältere Frauen leiden besonders unter physischer und psychischer Gewalt des Lebenspartners. Oft handelt es sich um jahrzehntelange Beziehungen, in denen Gewaltmuster fest etabliert sind.

Scham verhindert Hilfesuche

Ein zentrales Problem liegt in der Scham der Betroffenen. Viele ältere Frauen schämen sich, Hilfe zu suchen – ein Phänomen, das besonders in ländlichen Regionen ausgeprägt ist. Die gesellschaftlichen Erwartungen und das traditionelle Rollenverständnis verstärken oft das Schweigen der Opfer.

"Viele Betroffene denken, sie müssten das aushalten oder es sei zu spät für eine Veränderung", erklärt Korosec die psychologischen Hürden. Hinzu kommt oft eine finanzielle Abhängigkeit vom Lebenspartner, die eine Trennung zusätzlich erschwert.

Besondere Herausforderungen im Alter

Gewalt gegen ältere Frauen hat spezifische Charakteristika. Oft entwickelt sich die Gewalt schleichend über Jahre oder Jahrzehnte. Körperliche Einschränkungen können die Situation zusätzlich verschärfen, da Flucht oder Gegenwehr erschwert werden. Auch die soziale Isolation, die im Alter zunehmen kann, macht Seniorinnen verwundbarer.

Besonders problematisch ist auch die gesellschaftliche Wahrnehmung: Gewalt in langjährigen Beziehungen wird oft als "private Angelegenheit" abgetan. Familie und Freunde schauen weg oder wissen nicht, wie sie helfen können.

Hilfsangebote vorhanden – aber oft unbekannt

"Es gibt Einrichtungen dafür. Keine der betroffenen Frauen muss allein sein!", betont Korosec in ihrem eindringlichen Appell. Tatsächlich existiert in Österreich ein Netzwerk von Hilfseinrichtungen, die auf Gewalt gegen Frauen spezialisiert sind.

Dazu gehören:

  • Frauenhäuser als sichere Zufluchtsorte
  • Gewaltschutzzentren für Beratung und rechtliche Unterstützung
  • Frauenberatungsstellen für psychologische Hilfe
  • Spezielle Angebote für ältere Gewaltopfer

Warnsignale erkennen

Gewalt gegen ältere Frauen äußert sich oft subtiler als bei jüngeren Opfern. Warnsignale können sein:

  • Plötzliche Wesensveränderungen oder Rückzug
  • Unerklärliche Verletzungen oder häufige "Unfälle"
  • Extreme Kontrolle durch den Partner
  • Finanzielle Ausbeutung
  • Isolation von Familie und Freunden

Gesellschaftlicher Auftrag

Der Appell von Ingrid Korosec richtet sich nicht nur an betroffene Frauen, sondern an die gesamte Gesellschaft. "Wir müssen hinschauen und das Schweigen brechen", fordert sie. Besonders wichtig ist es, das Bewusstsein für diese Form der Gewalt zu schärfen.

Auch das Umfeld spielt eine entscheidende Rolle: Nachbarn, Freunde und Familie können Warnsignale erkennen und professionelle Hilfe vermitteln. Oft ist es ein erster wichtiger Schritt, wenn jemand das Thema behutsam anspricht.

Präventionsarbeit notwendig

Neben der akuten Hilfe für Betroffene ist auch Präventionsarbeit wichtig. Aufklärung über Gewaltmuster, Stärkung des Selbstbewusstseins älterer Frauen und die Sensibilisierung der Gesellschaft sind zentrale Bausteine.

"Gewalt ist niemals normal und niemals hinnehmbar – egal in welchem Alter", stellt Korosec klar. Der Frauentag bietet eine wichtige Gelegenheit, auf diese oft übersehene Form der Gewalt aufmerksam zu machen.

Hilfe ist möglich

Betroffene Frauen oder Angehörige können sich rund um die Uhr an die Frauenhelpline unter 0800 222 555 wenden. Diese kostenlose Hotline bietet erste Beratung und vermittelt an lokale Hilfseinrichtungen.

"Jede Frau hat das Recht auf ein Leben ohne Gewalt", betont Korosec abschließend. "Es ist nie zu spät, sich Hilfe zu holen und ein neues Leben zu beginnen."

Der eindringliche Appell der Seniorenbund-Präsidentin macht deutlich: Gewalt gegen ältere Frauen darf kein Tabuthema bleiben. Nur durch offene Diskussion und gezieltes Hinsehen kann dieses Problem wirksam angegangen werden.

Schlagworte

#Gewalt gegen Frauen#Seniorenbund#Frauentag#Femizide#Ingrid Korosec

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