Österreichische Dokumentarfilme im Fokus bei der Diagonale in Graz
Am 20. März werden in Graz herausragende österreichische Dokumentarfilme mit dem Franz-Grabner-Preis ausgezeichnet. Sechs Produktionen kämpfen um die Preise.
Am 20. März 2026 ist es wieder soweit: Im Rahmen des renommierten Filmfestivals Diagonale in Graz wird zum neunten Mal seit 2017 der Franz-Grabner-Preis verliehen. Diese prestigeträchtige Auszeichnung würdigt herausragende österreichische Dokumentarfilmproduktionen und unterstreicht die Bedeutung des heimischen Dokumentarfilmschaffens.
Der nach dem verstorbenen ORF-Journalisten und langjährigen Leiter der ORF-TV-Kulturdoku Franz Grabner (1955–2015) benannte Preis hat sich zu einer wichtigen Säule der österreichischen Filmförderung entwickelt. Die Auszeichnung wurde von der Familie Grabner gemeinsam mit der Association of Austrian Filmproducers (AAFP), Film Austria, dem ORF und der Diagonale initiiert und verfolgt ein klares Ziel: die Unterstützung österreichischen Dokumentarfilmschaffens, das sich kritisch, verantwortungsvoll und glaubwürdig mit relevanten gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt.
Die Bandbreite der geförderten Inhalte umfasst Kultur, Gesellschaft, Politik und Geschichte – Bereiche, die für eine demokratische Gesellschaft von essentieller Bedeutung sind. Mit einem Preisgeld von jeweils 5.000 Euro pro Kategorie, gestiftet von AAFP und ORF, sollen die Preisträger bei der Entwicklung ihrer Folgeprojekte unterstützt werden.
Die diesjährige Fachjury setzt sich aus drei renommierten Expertinnen und Experten der Filmbranche zusammen: Antje Boehmert, Produzentin und Autorin aus Deutschland, bringt internationale Perspektive mit. Jakob Brossmann, österreichischer Filmemacher und Bühnenbildner, repräsentiert die heimische Filmszene, während Karin Moser als Filmwissenschafterin den akademischen Blickwinkel einbringt. Diese diverse Zusammensetzung gewährleistet eine umfassende und fundierte Bewertung der eingereichten Arbeiten.
In der Kategorie Fernsehdokumentarfilm/TV-Serie/Webformat gehen gleich zwei ORF-Koproduktionen ins Rennen. "Österreich unter dem Regenbogen" von Robert Styblo widmet sich der queeren Geschichte der Republik und stellt eine wichtige Hommage an jene dar, die den Weg für die LGBTIQ+-Community geebnet haben. Der Film beleuchtet nicht nur historische Entwicklungen, sondern würdigt auch zeitgenössische Persönlichkeiten, die die queere Gemeinschaft heute stärken.
Die zweite ORF-Koproduktion "Das Rohstoff-Dilemma – Mit Bergbau aus der Klimakrise?" von Monika Grassl und Linda Osusky greift ein hochaktuelles Thema auf. Die Dokumentation hinterfragt kritisch die Kehrseite der Energiewende und stellt unbequeme Fragen zur Zukunft unserer Wirtschaft. Angesichts der globalen Klimadebatte und der Suche nach nachhaltigen Lösungen könnte dieser Film wichtige Denkanstöße liefern.
Als dritte Nominierung überzeugte die zweite Staffel der TV-Serie "Visionen Bauen" von Diego Breit Lira. Diese Serie präsentiert zukunftsorientierte architektonische Leistungen und zeigt, wie Baukunst gesellschaftliche Herausforderungen angehen kann.
Die Kategorie Kinodokumentarfilm wartet mit drei bemerkenswerten Nominierungen auf. "Noch lange kein Lipizzaner" von Olga Kosanović nähert sich auf persönliche Weise einem gesellschaftlich relevanten Thema. Die Filmemacherin nimmt ihren eigenen Einbürgerungsfall zum Ausgangspunkt, um grundlegende Fragen nach Identität und dem Wir-Gedanken zu stellen. Diese autobiographische Herangehensweise verleiht dem Film eine besondere Authentizität und Emotionalität.
"Girls & Gods" von Arash T. Riahi und Verena Soltiz behandelt ein konfliktreiches Thema unserer Zeit: das Spannungsfeld zwischen Frauenrechten und Religion. Der Film sucht nach konstruktiven Lösungsansätzen für ein Problem, das in vielen Gesellschaften zu Kontroversen führt. Die Herangehensweise der Filmemacher könnte wichtige Impulse für gesellschaftliche Diskussionen liefern.
Die dritte Nominierung "Grünes Licht" von Pavel Cuzuioc widmet sich einem besonders sensiblen Thema: dem selbstbestimmten Lebensende. Der Film porträtiert einen deutschen Neuropsychiater, der Menschen mit dem Wunsch nach Sterbehilfe unvoreingenommen begutachtet und einfühlsam begleitet. Diese Dokumentation dürfte wichtige ethische und gesellschaftliche Fragen aufwerfen.
Bemerkenswert ist die starke Präsenz des ORF bei den Nominierungen: Sowohl in der Kategorie Fernsehdokumentarfilm als auch bei den Kinodokumentarfilmen sind ORF-Koproduktionen oder im Rahmen des Film//Fernseh-Abkommens kofinanzierte Produktionen vertreten. Dies unterstreicht die wichtige Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als Förderer des heimischen Dokumentarfilmschaffens.
Die feierliche Verleihung des Franz-Grabner-Preises 2026 findet am Freitag, dem 20. März, um 11.00 Uhr statt. Austragungsort ist der Heimatsaal des Volkskundemuseums im Rahmen der Veranstaltungsreihe Diagonale Forum. Als Festrednerin konnte die renommierte Schriftstellerin Nava Ebrahimi gewonnen werden, was der Veranstaltung zusätzliches literarisches Gewicht verleiht.
Der Festakt wird von mehreren wichtigen Institutionen unterstützt: dem Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport, dem Fernsehfonds Austria, der Filmcommission Graz und dok.at. Diese breite Unterstützung zeigt die Wertschätzung, die der Franz-Grabner-Preis in der österreichischen Kulturlandschaft genießt.
Der Franz-Grabner-Preis hat sich seit seiner Einführung 2017 zu einem wichtigen Impulsgeber für das österreichische Dokumentarfilmschaffen entwickelt. Durch die gezielte Förderung gesellschaftlich relevanter Themen trägt die Auszeichnung dazu bei, dass wichtige Diskurse in der österreichischen Gesellschaft angestoßen und vertieft werden.
Die diesjährigen Nominierungen spiegeln die Vielfalt und Qualität des heimischen Dokumentarfilmschaffens wider. Von queerer Geschichte über Klimawandel und Rohstoffe bis hin zu Fragen der Integration, Religion und Sterbehilfe – die nominierten Filme decken ein breites Spektrum gesellschaftlich relevanter Themen ab.
Mit der Verleihung am 20. März wird nicht nur herausragendes filmisches Schaffen gewürdigt, sondern auch ein wichtiges Signal für die Bedeutung des Dokumentarfilms als Medium gesellschaftlicher Reflexion und Diskussion gesetzt. Die Spannung steigt, welche der sechs nominierten Arbeiten schließlich mit dem begehrten Franz-Grabner-Preis ausgezeichnet werden.