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AK kritisiert Benachteiligung der Berufsschulen

Bildungsministerium vergisst Berufsschulen bei Personalaufstockung

6. März 2026 um 11:40
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Während andere Schultypen zusätzliche Ressourcen für mittleres Management erhalten, gehen Berufsschulen leer aus - AK fordert Gleichbehandlung.

Die Arbeiterkammer Wien übt scharfe Kritik an den aktuellen Bildungsreformen der Bundesregierung. Ein neuer Gesetzes- und Verordnungsentwurf des Bildungsministeriums sieht zwar zusätzliche Ressourcen für administratives Personal und eine Stärkung des mittleren Managements an Schulstandorten vor - Berufsschulen bleiben dabei jedoch außen vor.

Ungleiche Behandlung verschiedener Schultypen

Während Pflichtschulen, Allgemeinbildende Höhere Schulen (AHS) sowie andere große und kleine Schulstandorte zusätzliche finanzielle Mittel für Verwaltungspersonal erhalten sollen, werden Berufsschulen von dieser Maßnahme ausgeschlossen. Die betroffenen Bildungseinrichtungen sollen lediglich mehr Autonomie bei der Einteilung ihres bestehenden Personals bekommen - ohne jedoch zusätzliche Budgetmittel zu erhalten.

Diese Entscheidung stößt bei der Arbeiterkammer auf Unverständnis, zumal gerade Berufsschulen aufgrund ihrer besonderen Struktur und Herausforderungen von zusätzlichem Managementpersonal profitieren würden. Die Schulen im berufsbildenden Bereich stehen vor spezifischen Aufgaben, die eine verstärkte administrative Unterstützung rechtfertigen würden.

Deutliche Kritik von der Arbeiterkammer

Ilkim Erdost, Bereichsleiterin Bildung der Arbeiterkammer Wien, findet deutliche Worte für diese Politik: "Berufsschulen werden bei Reformen regelmäßig vergessen. Hier reiht sich eine Perle des Ignorierens an die nächste - die Kette ist mittlerweile schon überlang." Die Expertin sieht in der aktuellen Regelung eine systematische Benachteiligung eines wichtigen Bildungsbereichs.

Besonders kritisiert Erdost die Tatsache, dass Berufsschulen zwar mehr Eigenverantwortung übertragen bekommen, gleichzeitig aber nicht die notwendigen finanziellen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden: "Die Tatsache, dass Berufsschulen nur mehr Eigenverantwortung erhalten, aber nicht mehr Geld, ist nicht nachvollziehbar. Gerade größere Berufsschulen brauchen dieses zusätzliche Managementpersonal dringend."

Besondere Herausforderungen der Berufsschulen

Berufsschulen stehen vor spezifischen Herausforderungen, die sie von anderen Schultypen unterscheiden. Sie müssen enge Kooperationen mit Betrieben pflegen, verschiedene Lehrberufe koordinieren und sowohl theoretische als auch praktische Ausbildungsinhalte vermitteln. Diese Komplexität erfordert eine gut funktionierende Verwaltungsstruktur und ausreichend Managementkapazitäten.

Darüber hinaus haben viele Berufsschulen in den letzten Jahren einen Anstieg der Schülerzahlen verzeichnet, was den Verwaltungsaufwand zusätzlich erhöht hat. Größere Berufsschulen mit mehreren hundert Schülern und dutzenden verschiedenen Lehrberufen stehen vor logistischen und organisatorischen Herausforderungen, die ohne entsprechendes Personal kaum zu bewältigen sind.

Muster der Vernachlässigung

Die aktuelle Situation reiht sich in ein längeres Muster der Vernachlässigung von Berufsschulen bei bildungspolitischen Reformen ein. Immer wieder werden diese Bildungseinrichtungen bei Verbesserungsmaßnahmen übersehen oder nachrangig behandelt, obwohl sie eine zentrale Rolle in der österreichischen Bildungslandschaft spielen.

Berufsschulen sind ein wesentlicher Baustein des dualen Ausbildungssystems, das international als Erfolgsmodell gilt und maßgeblich zur niedrigen Jugendarbeitslosigkeit in Österreich beiträgt. Umso unverständlicher erscheint es, dass gerade dieser Bereich bei Reformmaßnahmen regelmäßig zu kurz kommt.

Auswirkungen auf die Bildungsqualität

Die ungleiche Behandlung der verschiedenen Schultypen könnte langfristig negative Auswirkungen auf die Bildungsqualität haben. Während andere Schulen von verbesserter Verwaltungsstruktur und entlastetem Lehrpersonal profitieren, müssen Berufsschulen weiterhin mit den bestehenden, oft knappen Ressourcen auskommen.

Dies könnte zu einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte und Verwaltungspersonal an Berufsschulen führen, was sich wiederum negativ auf die Ausbildungsqualität auswirken könnte. In Zeiten des Fachkräftemangels ist eine hochwertige berufliche Bildung jedoch wichtiger denn je.

Forderungen nach Gleichbehandlung

Die Arbeiterkammer fordert eine Überarbeitung des Gesetzesentwurfs, sodass auch Berufsschulen von den zusätzlichen Ressourcen für das mittlere Management profitieren können. Eine Gleichbehandlung aller Schultypen sei nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern auch bildungspolitisch sinnvoll.

Nur wenn alle Bereiche des Bildungssystems angemessen unterstützt werden, kann Österreich seine Position als Land mit hoher Bildungsqualität und erfolgreichem dualem Ausbildungssystem aufrechterhalten. Die berufliche Bildung verdient dabei dieselbe Aufmerksamkeit und Unterstützung wie andere Bildungswege.

Ausblick

Es bleibt abzuwarten, ob das Bildungsministerium auf die Kritik reagieren und den Gesetzesentwurf entsprechend überarbeiten wird. Die Arbeiterkammer hat jedenfalls deutlich gemacht, dass sie sich weiterhin für eine faire Behandlung aller Schultypen einsetzen wird. Die Diskussion um die Ressourcenverteilung im Bildungsbereich dürfte damit noch nicht beendet sein.

Schlagworte

#Berufsschulen#Bildungspolitik#Arbeiterkammer#Personalaufstockung#Bildungsreform

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