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Weltfrauentag: Armutskonferenz kritisiert Budget auf Kosten der Frauen

Strukturelle Benachteiligung bei Care-Arbeit führt zu Altersarmut

6. März 2026 um 08:41
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Die Armutskonferenz warnt vor Budgetkürzungen bei Frauenförderung und fordert bessere Bezahlung von Care-Berufen für echte Gleichstellung.

Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März schlägt die Österreichische Armutskonferenz Alarm: Trotz höherer Arbeitsleistung bei der Kombination von bezahlter und unbezahlter Arbeit sind viele Frauen von Altersarmut bedroht. Die Organisation macht auf strukturelle Benachteiligungen aufmerksam, die insbesondere im Bereich der Care-Arbeit zu gravierenden wirtschaftlichen Nachteilen für Frauen führen.

Care-Arbeit: Unverzichtbar aber unterbezahlt

Frauen leisten nach wie vor den Großteil der Sorgearbeit in Pflege, Betreuung und Haushalt. Diese gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit wird jedoch systematisch unterbewertet – sie ist entweder schlecht bezahlt oder wird überhaupt nicht entlohnt. Das Problem liegt tiefer: Diese Leistungen werden weder als Teil der Wirtschaft noch als Wertschöpfung anerkannt.

"Eine Vorstellung von Wirtschaft, die fast ausschließlich den For-Profit-Sektor sieht, blendet diese Leistungen systematisch aus", kritisiert die Armutskonferenz. Die Folgen sind gravierend für die ökonomische Absicherung von Frauen. Während sie mehr arbeiten als Männer, wenn bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammengezählt werden, erhalten sie deutlich weniger finanzielle Anerkennung.

Warnung vor drohenden Budgetkürzungen

Die Armutskonferenz richtet einen eindringlichen Appell an die Regierung: Das anvisierte Doppelbudget darf nicht auf dem Rücken der Frauen gemacht werden. "Wir warnen vor drohenden Einschnitten bei Förderungen von Beratungsstellen, Arbeitsmarkt-Projekten oder Initiativen, die einkommensarmen Frauen zu Gute kommen", heißt es in der Stellungnahme.

Besonders bedenklich ist, dass gerade jene Unterstützungsnetze gekürzt werden könnten, die armutsgefährdete Frauen dringend benötigen. Die Organisation fordert stattdessen ein Budget zugunsten von Frauen, das ihre strukturellen Benachteiligungen abbaut statt sie zu verstärken.

Neues Verständnis von Wirtschaft gefordert

Der oft gehörte Rat, Frauen sollten einfach in besser bezahlte technische Berufe wechseln, greift nach Ansicht der Armutskonferenz zu kurz. Diese Argumentation ignoriert eine zentrale Frage: Wer soll dann die ohnehin schon unter massivem Personalmangel leidende Care-Arbeit übernehmen?

"Wirtschaften heißt, sich an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten", betont die Organisation. Care-Arbeit sei keine Nebensache, sondern die Grundlage dafür, dass alle anderen wirtschaftlichen Tätigkeiten überhaupt möglich sind. Ohne Kinderbetreuung, Pflege und Haushaltsführung würde das gesamte Wirtschaftssystem zusammenbrechen.

Konkrete Forderungen für mehr Gerechtigkeit

Die Armutskonferenz hat konkrete Vorschläge für strukturelle Verbesserungen:

  • Deutlich bessere Bezahlung von Care-Berufen
  • Faire strukturelle Rahmenbedingungen im Arbeitsmarkt
  • Allgemeine Arbeitszeitverkürzung zur gerechteren Verteilung unbezahlter Sorgearbeit
  • Strukturelle Änderungen dort, wo eine gerechte Aufteilung zwischen den Geschlechtern nicht möglich ist

Diese Maßnahmen seien notwendig, um Frauenarmut wirksam zu bekämpfen und echte Gleichstellung am Arbeitsmarkt zu erreichen.

Politische Prioritäten überdenken

Die Armutskonferenz ruft zu einem grundlegenden Umdenken bei politischen Prioritäten auf. Notwendig seien Entscheidungen, die den realen Lebensverhältnissen von Frauen, Männern und Kindern entsprechen – und nicht länger Verhältnisse stützen, die auf Kosten derjenigen gehen, die unsere Gesellschaft tagtäglich am Laufen halten.

Die aktuelle Situation zeigt deutlich, dass trotz jahrzehntelanger Gleichstellungsbemühungen fundamentale strukturelle Probleme bestehen bleiben. Frauen tragen nach wie vor die Hauptlast der gesellschaftlich notwendigen Care-Arbeit, werden aber dafür weder angemessen bezahlt noch in ihrer wirtschaftlichen Absicherung unterstützt.

Langfristige Folgen der Benachteiligung

Die systematische Unterbewertung von Care-Arbeit hat weitreichende Konsequenzen. Viele Frauen müssen ihre Erwerbstätigkeit reduzieren oder unterbrechen, um Sorgearbeit zu leisten. Dies führt zu niedrigeren Pensionsansprüchen und erhöht das Risiko von Altersarmut erheblich.

Gleichzeitig sind es oft Frauen, die in schlecht bezahlten Care-Berufen arbeiten – als Pflegerinnen, Kindergärtnerinnen oder Reinigungskräfte. Diese doppelte Benachteiligung verstärkt die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen den Geschlechtern.

Gesellschaftlicher Wandel notwendig

Die Forderungen der Armutskonferenz gehen über kurzfristige Budgetentscheidungen hinaus. Sie zielen auf einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel ab, der Care-Arbeit als das anerkennt, was sie ist: die Basis allen wirtschaftlichen Handelns.

Nur durch eine Neubewertung von Sorgearbeit und entsprechende strukturelle Reformen könne echte Gleichstellung erreicht werden. Dies erfordert nicht nur höhere Löhne in Care-Berufen, sondern auch eine gerechtere Verteilung der unbezahlten Arbeit zwischen den Geschlechtern.

Der Weltfrauentag bietet Anlass, diese strukturellen Ungerechtigkeiten zu thematisieren und konkrete Schritte für ihre Überwindung einzufordern. Die Armutskonferenz macht deutlich: Ein gerechtes Budget und ein neues Verständnis von Wirtschaft sind unerlässlich für echte Gleichstellung in Österreich.

Schlagworte

#Weltfrauentag#Armutskonferenz#Care-Arbeit#Frauenarmut#Gleichstellung#Budget#Arbeitsmarkt

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