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E-Wirtschaft fordert effizienteren Erneuerbaren-Ausbau bis 2040

Österreichs Energiebranche präsentiert Roadmap für kostengünstigere Energiewende

5. März 2026 um 18:32
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Trotz 90% Erneuerbaren-Anteil nur jede fünfte Stunde vollständig grüner Strom. E-Wirtschaft zeigt Wege für effizienteren Ausbau auf.

Die österreichische Energiewirtschaft schlägt Alarm: Trotz eines beeindruckenden Erneuerbaren-Anteils von 90 Prozent im Jahresschnitt kommt nur etwa jede fünfte Stunde des Jahres der österreichische Strom vollständig aus erneuerbaren Quellen. Diese Erkenntnis präsentierte Oesterreichs Energie, die Interessenvertretung der heimischen E-Wirtschaft, gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Compass Lexecon in einer umfassenden Analyse zur Zukunft des österreichischen Energiesystems.

Die Realität hinter den Zahlen

"Die vergangenen Jahre haben uns etwas sehr klar vor Augen geführt: Ein Erneuerbaren-Anteil von 90 Prozent auf das Jahr betrachtet, ist erfreulich – er sorgt aber nicht automatisch für niedrige Strompreise", erklärt Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie. Die entscheidende Frage sei nicht nur, wie viel grüner Strom produziert wird, sondern wann und wo diese Erzeugung stattfindet.

In den übrigen vier Fünfteln der Zeit sind Österreich auf Stromimporte oder Strom aus Gaskraftwerken angewiesen, um den Bedarf zu decken. Diese Abhängigkeit macht das Land anfällig für externe Schocks und Preisschwankungen auf den internationalen Energiemärkten.

Geopolitische Risiken im Blick

Angesichts der aktuellen militärischen Eskalation im Nahen Osten mahnt Schmidt zu Besonnenheit bei Markteingriffen. Die überwiegende Mehrheit der österreichischen Stromkunden befinde sich in Jahresverträgen und sei daher während der Laufzeit vor ungeplanten Preisanstiegen geschützt.

Michael Strugl, Präsident von Oesterreichs Energie, betont die strategische Bedeutung des heimischen Ausbaus: "Gerade jetzt sehen wir, warum es so wichtig ist, die eigene Erzeugung auszubauen: Wir haben nach wie vor eine enorme Abhängigkeit und sind damit auch gegenüber geoökonomischen Risiken exponiert." Externe Schocks hätten spürbare Auswirkungen auf Unternehmen und Konsumenten.

Erneuerbaren-Ausbau: Gemischte Bilanz

Das seit etwa fünf Jahren geltende Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz sieht einen Ausbau der Stromerzeugung um 27 Terawattstunden (TWh) bis 2030 vor. Die Analyse der bisher erreichten Fortschritte in den Bereichen Photovoltaik, Wind und Wasserkraft zeigt ein unterschiedliches Bild.

Photovoltaik: Boom mit Nebenwirkungen

Der Sonnenstrom-Sektor hat sich äußerst dynamisch entwickelt. Mittlerweile sind Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 10 Gigawatt (GW) am Netz – das übersteigt die Leistung der österreichischen Laufwasserkraftwerke (rund 6 GW) deutlich. Dieser Boom ist grundsätzlich positiv, führt aber zu deutlich steigenden Netztarifen.

Um diese Kosten zu dämpfen, sollte der PV-Ausbau künftig geordneter vorangetrieben und besser ins System integriert werden. Der aktuelle Zubau liegt deutlich über dem erforderlichen Zielpfad, was Raum für eine strukturiertere Herangehensweise schafft.

Wasserkraft: Grundsätzlich auf Kurs

Bei der Wasserkraft zeigt sich ein grundsätzlich positives Bild. Die Erreichung der Ausbauziele ist möglich, vorausgesetzt alle Projekte können erfolgreich realisiert werden. Problematisch ist jedoch der Zeithorizont: Aufgrund langer Projektlaufzeiten wird ein Teil der geplanten Kraftwerke erst nach 2030 ans Netz gehen.

Zügigere Genehmigungsverfahren wären ein zentraler Hebel für einen rascheren Ausbau der Wasserkraft, die aufgrund ihrer stabilisierenden Eigenschaften besondere Bedeutung für das Stromsystem hat.

Windkraft: Größter Handlungsbedarf

Bei der Windkraft sieht die E-Wirtschaft den größten Handlungsbedarf. Der aktuelle Zubau liegt deutlich unter dem erforderlichen Niveau. Setzt sich der derzeitige Trend fort, könnte bis 2030 nur etwas mehr als die Hälfte des erforderlichen Zubaus erreicht werden.

Die Folgen wären deutliche Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit und höhere Strompreise als notwendig. Als einzige Technologie mit dem Höhepunkt ihrer Erzeugung in der kalten Jahreshälfte könnte die Windkraft eine wichtigere Rolle bei der Sicherung der Stromversorgung im Winter spielen.

Vision 2040: Effizienter Mix statt Technologie-Ideologie

Basierend auf den Erfahrungen der vergangenen Jahre hat Oesterreichs Energie gemeinsam mit Compass Lexecon ein Zielbild für eine möglichst effiziente Erreichung der Energie- und Klimaziele 2040 entwickelt. Gegenüber bestehenden Plänen legt dieses einen klaren Fokus auf den Ausbau der Wind- und Wasserkraft sowie stärkere Anreize für systemdienliches Verhalten.

Die Branche geht davon aus, dass der Strombedarf bis 2040 von aktuell rund 80 TWh auf insgesamt 120 TWh steigen wird. "Es gibt keine guten und schlechten Erzeugungstechnologien – die Profile der unterschiedlichen Kraftwerke ergänzen einander. Entscheidend ist ein effizienter und robuster Mix", erklärt Anton Burger, Vice President von Compass Lexecon.

Sechs Maßnahmen für kosteneffiziente Transformation

Die Analyse hat sechs konkrete Maßnahmen identifiziert, mit denen die Energiewende kosteneffizienter gestaltet werden kann:

  • Spitzenkappung konsequent umsetzen: Einspeisespitzen reduzieren, Netzausbau dämpfen und Infrastruktur besser auslasten.
  • Leistungsorientierte Netztarife weiterentwickeln: Netzkosten stärker nach beanspruchter Kapazität statt nur nach Arbeitspreis berechnen, Anreize für netzdienliches Verhalten schaffen.
  • Marktpreise für Einspeiser stärken: Vergütung stärker am tatsächlichen Vermarktungserfolg der Anlage ausrichten und die Marktintegration erhöhen.
  • Ausbaupfade optimieren: Investitionen in Erneuerbare unter Beibehaltung der Energie- und Klimaziele zeitlich besser verteilen und bedarfsgerechter planen.
  • Realitäts-Check Grüner Wasserstoff: Ausbau von Elektrolysekapazitäten an realistische Nachfrageentwicklung koppeln sowie Angebot und Nachfrage strategisch gemeinsam planen.
  • Elektrifizierung des Energiesystems: Strombasierte Anwendungen in Industrie, Wärme und Mobilität gezielt ausbauen, um fossile Energieträger zu ersetzen.

Pragmatismus statt Ideologie

"Für die Transformation des Energiesystems brauchen wir einen pragmatischen Ansatz und eine integrierte Planung. Es geht nicht um Ideologie, sondern um Planbarkeit, Sicherheit und Bezahlbarkeit", betont Strugl. Die Ausgewogenheit der Ziel-Dimensionen Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit sei entscheidend.

Die vorgelegte Roadmap zeigt auf, dass Österreich die ambitionierten Energie- und Klimaziele bis 2040 erreichen kann – aber nur mit einem durchdachten, effizienten Vorgehen, das alle Aspekte des Energiesystems berücksichtigt. Die Zeit für ideologische Debatten über einzelne Technologien sei vorbei; gefragt sei nun ein ausgewogener Mix, der Versorgungssicherheit mit Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit verbindet.

Schlagworte

#Energiewende#Erneuerbare Energie#Stromversorgung#Photovoltaik#Windkraft#Wasserkraft

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