Zum Weltfrauentag: Mehr Unterstützung für Schwangere statt nur Abtreibungsfinanzierung
Die Organisation aktion leben österreich kritisiert einseitige EU-Maßnahmen und fordert umfassende Prävention bei ungewollten Schwangerschaften.
Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März richtet die österreichische Organisation aktion leben einen eindringlichen Appell an die Politik: Statt nur über die Finanzierung von Schwangerschaftsabbrüchen zu diskutieren, sollten europäische Mittel primär für Präventionsmaßnahmen und Unterstützung schwangerer Frauen eingesetzt werden.
Hintergrund der Forderung ist eine Entscheidung der EU-Kommission vom 26. Februar zur Europäischen Bürgerinitiative "My Voice. My Choice". Die Kommission stellte den Mitgliedsländern dabei frei, EU-Mittel für Abtreibungen zu verwenden – eine Regelung, die bei aktion leben auf Kritik stößt.
"Einseitige Maßnahmen lösen keine Probleme", betont Mag. Martina Kronthaler, Generalsekretärin von aktion leben österreich. Sie sieht in der ausschließlichen Fokussierung auf Abtreibungsfinanzierung einen verengten Blick auf eine komplexe gesellschaftliche Herausforderung.
Ein zentrales Problem sieht Kronthaler im Mangel an verlässlichen Statistiken: "Schwangerschaftsabbrüche gehören zu den häufigsten gynäkologischen Eingriffen. In Österreich fehlen nach wie vor Basisdaten, die wir dringend für Prävention brauchen", erklärt die Generalsekretärin.
Tatsächlich ist die Datenlage in Österreich unvollständig. Während andere medizinische Eingriffe systematisch erfasst werden, gibt es bei Schwangerschaftsabbrüchen nur Schätzungen. Experten gehen von etwa 30.000 bis 35.000 Abbrüchen pro Jahr aus – bei rund 85.000 Geburten eine beachtliche Zahl.
Die Gründe für ungewollte Schwangerschaften und deren Abbruch sind vielfältig. Studien zeigen, dass finanzielle Sorgen, fehlende Unterstützung durch den Partner, berufliche Unsicherheit oder bereits bestehende Kinder mit knappen Ressourcen häufige Motive sind.
"Keine Frau wünscht sich einen Schwangerschaftsabbruch, oft geschieht er aus Not heraus", erklärt Kronthaler die Realität vieler Betroffener. "Viele Sorgen stehen dahinter, die zur Privatsache erklärt werden. Damit fehlen auch Angebote."
Die Tendenz, Schwangerschaftskonflikte als rein private Angelegenheit zu betrachten, kritisiert aktion leben scharf. Diese Haltung führe dazu, dass gesellschaftliche Ursachen ausgeblendet und entsprechende Unterstützungsangebote vernachlässigt werden.
"Junge Menschen sorgen sich, wie sie sich ein Leben mit Kindern leisten können. Schwangerenberatung kann nur angeboten werden, weil Menschen dafür spenden", appelliert Kronthaler an die österreichische Regierung, "genau hinzuschauen und elternfreundlicher zu werden."
Die Finanzierung von Beratungsstellen durch Spenden statt öffentliche Mittel verdeutlicht ein strukturelles Problem. Während medizinische Behandlungen über das Gesundheitssystem abgerechnet werden, sind präventive Beratungsangebote oft auf private Initiative angewiesen.
"Schwangerschaftsabbrüche sind einerseits eine sehr persönliche Entscheidung, aber sie finden in einem bestimmten Umfeld, einer bestimmten Atmosphäre statt", gibt Kronthaler zu bedenken. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen hätten erheblichen Einfluss auf diese sehr persönlichen Entscheidungen.
Einen besonderen Fokus legt aktion leben auf die Rolle der Männer. "Damit es zu möglichst wenig Abbrüchen kommt, brauchen wir ein Umdenken bei Männern!", fordert Kronthaler deutlich.
Konkret geht es um zwei Aspekte: Männer sollten sich verstärkt um Verhütung kümmern und gleichberechtigt Verantwortung für ihre Kinder übernehmen, "wie es von den Müttern erwartet wird."
Diese Forderung spiegelt gesellschaftliche Realitäten wider: Studien zeigen, dass Verhütung noch immer überwiegend als Frauensache betrachtet wird, obwohl beide Partner betroffen sind. Auch bei der Kinderbetreuung lastet die Hauptverantwortung statistisch gesehen nach wie vor bei den Müttern.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bekämpfung struktureller Benachteiligung: "Wir müssen noch viel mehr für Frauen tun, damit sie mit Kindern gut leben können und Armutsfallen beseitigen", betont Kronthaler.
Tatsächlich steigt das Armutsrisiko für Frauen mit der Anzahl der Kinder deutlich an. Besonders Alleinerziehende sind überdurchschnittlich häufig von Armut bedroht. Diese wirtschaftliche Realität fließt unweigerlich in Entscheidungen über Schwangerschaften ein.
Aus ihrer Analyse leitet aktion leben drei konkrete Forderungen ab, die über reine Symbolpolitik hinausgehen:
Erstens die "Einrichtung eines öffentlich finanzierten Hilfsfonds für schwangere Frauen". Ein solcher Fonds könnte unbürokratisch finanzielle Unterstützung in Notsituationen bieten und damit eine wichtige Entscheidungsgrundlage verbessern.
Zweitens die "vollständige Finanzierung von unabhängigen Schwangerenberatungsstellen". Derzeit sind viele Beratungseinrichtungen auf Spenden angewiesen, was ihre Arbeit erschwert und die flächendeckende Versorgung gefährdet.
Drittens "flächendeckende Informationen über Schwangerenberatung". Viele Frauen wissen nicht, welche Unterstützungsmöglichkeiten existieren – ein Informationsdefizit, das sich durch systematische Aufklärung beheben ließe.
"Nutzen wir den Gestaltungsspielraum für ein kinder- und elternfreundliches Österreich zuallererst", appelliert Kronthaler an "die Verantwortlichen in Politik und Regierung."
Dieser präventive Ansatz zielt darauf ab, die Ursachen ungewollter Schwangerschaften anzugehen, statt nur deren Folgen zu verwalten. Bessere Verhütungsaufklärung, wirtschaftliche Sicherheit für Familien und gesellschaftliche Unterstützung für Eltern könnten dazu beitragen, dass weniger Frauen überhaupt in die Situation eines Schwangerschaftskonflikts geraten.
Die Diskussion um EU-Gelder für Abtreibungen zeigt, dass das Thema längst eine europäische Dimension hat. Während einige Mitgliedsstaaten sehr restriktive Regelungen haben, gehen andere liberalere Wege.
aktion leben plädiert dafür, diese europäischen Mittel nicht einseitig für Abtreibungsfinanzierung zu verwenden, sondern einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen, der Prävention, Beratung und Unterstützung für Familien in den Mittelpunkt stellt.
Die Organisation sieht darin nicht nur einen effektiveren Weg zur Reduzierung ungewollter Schwangerschaften, sondern auch einen Beitrag zu einer familienfreundlicheren Gesellschaft insgesamt.