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Österreichs Sanierungsrate im freien Fall - Klimaziele in Gefahr

Neue Studie zeigt dramatischen Rückgang bei Gebäudesanierung

5. März 2026 um 14:51
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Die thermische Sanierungsrate ist von 1,8% auf 0,9% gesunken. Experten warnen vor dem Verfehlen der Klimaziele 2040.

Eine alarmierende Entwicklung zeichnet sich im österreichischen Gebäudesektor ab: Die thermische Sanierungsrate befindet sich im dramatischen Sinkflug und gefährdet damit die ambitionierten Klimaziele der Republik. Dies geht aus der aktuellen Studie "Monitoring-System zu Sanierungsmaßnahmen in Österreich 2025" hervor, die von renommierten Instituten im Auftrag führender Branchenverbände erstellt wurde.

Dramatischer Rückgang der Sanierungsaktivitäten

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während die thermische Sanierungsrate Anfang der 2010er-Jahre noch bei respektablen 1,8 Prozent lag, ist sie kontinuierlich auf aktuell nur noch 0,9 Prozent gesunken. Dieser Trend stellt eine erhebliche Bedrohung für Österreichs Dekarbonisierungsstrategie dar.

Die Gesamtsanierungsrate, die sowohl geförderte als auch ungeförderte umfassende Sanierungen sowie kumulierte Einzelmaßnahmen umfasst, liegt 2024 bei lediglich 1,6 Prozent des österreichischen Wohnungsbestandes. Diese Entwicklung ist besonders besorgniserregend, da der Gebäudesektor einen wesentlichen Anteil am nationalen Energieverbrauch und den CO₂-Emissionen hat.

Verdopplung der Sanierungsrate erforderlich

Die von renommierten Institutionen wie dem Institut für Bauen und Wohnen und dem Umweltbundesamt durchgeführten Simulationen zeigen ein klares Bild: Um das Regierungsziel einer vollständigen Dekarbonisierung bis 2040 zu erreichen, müsste die Sanierungsrate drastisch erhöht werden.

Konkret bedeutet dies eine Verdopplung auf drei Prozent für alle Wohnungen beziehungsweise 2,7 Prozent für Hauptwohnsitze. Diese Zahlen basieren auf einer fundierten Analyse der bisherigen Sanierungsraten und des Anteils thermisch unzureichender Gebäude in Österreich.

Wissenschaftliche Grundlage der Berechnungen

Die Studie wurde gemeinsam vom Fachverband Steine-Keramik, dem Zentralverband industrieller Bauproduktehersteller und der Gebäudehülle + Dämmstoff Industrie 2050 in Auftrag gegeben. Diese breite Trägerschaft unterstreicht die branchenübergreifende Bedeutung der Problematik.

Scharfe Kritik am Förderstopp des Umweltministeriums

Besonders scharf kritisieren die Studienauftraggeber den vom Umweltministerium für 2026 kurzfristig verhängten Förderstopp für die thermische Sanierung. Diese Entscheidung wird als kontraproduktiv und klimaschädlich bewertet.

Robert Schmid, Obmann des Fachverbandes Steine-Keramik, bringt es auf den Punkt: Die Sanierung der Gebäudehülle sei die einzige Maßnahme, die Energieverbrauch und CO₂-Emissionen massiv senke. Ein reiner Kesseltausch hingegen lasse den Gesamtenergieverbrauch zum Großteil unverändert.

Problematische Fokussierung auf Heizungstausch

Wolfgang Amann vom Institut für Bauen und Wohnen sieht die einseitige Förderung des Heizungstauschs als problematisch an. Die Studie belegt diese Einschätzung mit konkreten Zahlen: Lediglich bei jedem zehnten Kesseltausch wurde auch eine umfassende Sanierung durchgeführt.

Diese Entwicklung führt dazu, dass mögliche zusätzliche Effekte – etwa positive Impulse für die Bauwirtschaft und nachhaltige Arbeitsplätze – unzureichend genutzt werden. Die volkswirtschaftlichen Potentiale bleiben damit weitgehend unerschlossen.

Forderung nach mehr Entscheidungsfreiheit

Die beteiligten Verbände sprechen sich entschieden dafür aus, dass Förderwerber künftig wieder selbst entscheiden können, welche Maßnahmen im jeweiligen Einzelfall die besten Resultate bringen. Ein künstlicher Eingriff wie der aktuelle Förderstopp wird als kontraproduktiv bezeichnet.

Diese Position basiert auf der Erkenntnis, dass jedes Gebäude individuelle Sanierungsbedarfe aufweist und pauschale Lösungen oft nicht optimal sind. Die Expertise der Eigentümer und Fachplaner sollte daher wieder stärker berücksichtigt werden.

Klare Anforderungen für die Zukunft

Gunther Sames, Vorsitzender des Vorstands des Zentralverbandes der industriellen Bauproduktehersteller, formuliert klare Erwartungen für die kommenden Förderperioden: "Im Zuge der Ausschüttung von Förderungen für 2027 darf es zu keiner weiteren einseitigen Bevorzugung einzelner Technologien oder Branchen kommen."

Die Förderlogik müsse wieder ausgewogen, planbar und standortverträglich ausgestaltet werden. Diese Forderung zielt darauf ab, eine technologieoffene und marktorientierte Herangehensweise zu etablieren.

Volkswirtschaftliche Dimensionen

Die Gebäudesanierung hat erhebliche volkswirtschaftliche Dimensionen. Sie schafft nicht nur Arbeitsplätze in der Bauwirtschaft, sondern trägt auch zur Energieunabhängigkeit und zum Klimaschutz bei. Eine ausgewogene Förderpolitik könnte diese Potentiale optimal ausschöpfen.

Internationale Vergleiche und Best Practices

Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Länder mit erfolgreichen Sanierungsstrategien auf eine Kombination verschiedener Maßnahmen setzen. Österreich droht bei der aktuellen Entwicklung den Anschluss an diese Vorbilder zu verlieren.

Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für eine evidenzbasierte Klima- und Energiepolitik. Sie zeigt auf, dass ohne grundlegende Kurskorrektur die ambitionierten Klimaziele 2040 nicht erreicht werden können.

Zugang zu den Studienergebnissen

Die vollständige Studie sowie eine kompakte Zusammenfassung der Ergebnisse sind über die Websites der beteiligten Verbände verfügbar. Dies ermöglicht eine breite fachliche Diskussion der Ergebnisse und Empfehlungen.

Die Veröffentlichung erfolgt zu einem kritischen Zeitpunkt, da die nächsten Weichenstellungen in der Förderpolitik anstehen. Die Studienergebnisse sollten daher in die politischen Entscheidungsprozesse einfließen.

Ausblick auf 2027

Für die Förderperiode 2027 erwarten die Branchenvertreter eine grundlegende Neuausrichtung. Nur durch eine ausgewogene und technologieoffene Herangehensweise können die Klimaziele noch erreicht werden.

Die Zeit drängt: Jedes Jahr mit unzureichenden Sanierungsraten macht das Erreichen der Dekarbonisierungsziele schwieriger und teurer. Eine rasche Trendwende ist daher unerlässlich für Österreichs Klimastrategie.

Schlagworte

#Gebäudesanierung#Klimaschutz#Förderung#Dekarbonisierung#Energiewende

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