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Wien startet großangelegte Sanierung der Hochquellenleitungen

130 Millionen Euro jährlich für sichere Wasserversorgung aus den Alpen

5. März 2026 um 10:31
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Die Stadt Wien investiert massiv in die Wasserleitungs-Infrastruktur. Aktuell läuft der 'Frühjahrsputz' in der II. Hochquellenleitung.

Wien sichert seine Wasserversorgung für die Zukunft: Mit einer jährlichen Investition von rund 130 Millionen Euro modernisiert die Stadt ihre Wasser-Infrastruktur und passt sie an die Herausforderungen des Klimawandels sowie des Bevölkerungswachstums an. Im Zentrum dieser Bemühungen stehen die beiden historischen Hochquellenleitungen, die das kostbare Alpenwasser nach Wien transportieren.

Frühjahrsputz für die Lebensader Wiens

Aktuell findet in der II. Hochquellenleitung der sogenannte "Frühjahrsputz" statt - eine aufwändige Wartungsmaßnahme, die mehrmals jährlich durchgeführt wird. Während dieser Zeit wird das Quellwasser bereits im Quellgebiet in die Salza ausgeleitet, damit Arbeiter Tag und Nacht im Stollen tätig werden können. Die Versorgung der Wienerinnen und Wiener bleibt dabei durch die I. Hochquellenleitung und die Grundwasser-Brunnen in den Schutzgebieten gesichert.

"Die Hochquellenleitungen sind die Grundsäulen der Wiener Wasserversorgung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Wiener Wasser tragen mit der Instandhaltung der 330 Kilometer langen Leitungen eine große Verantwortung", erklärt Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky. Das System hat einen besonderen Vorteil: Das Quellwasser fließt im freien Gefälle nach Wien, wodurch kaum Pumpenenergie benötigt wird - ein enormer Kostenvorteil für die Stadt.

Strategie "Wiener Wasser 2050" als Leitfaden

Die umfassenden Sanierungsarbeiten folgen der Strategie "Wiener Wasser 2050", die nicht nur die Instandhaltung historischer Bauwerke vorsieht, sondern auch die Erhöhung verfügbarer Wassermengen und die Vergrößerung der Speicherkapazitäten zum Ziel hat. Ein Beispiel dafür ist der derzeit in Neusiedl am Steinfeld entstehende Trinkwasserbehälter - der größte der Welt, in dem künftig rund eine Milliarde Liter Wasser gespeichert werden können.

"Der Frühjahrsputz in der II. Hochquellenleitung ist nur möglich, weil sich die Wiener Wasserversorgung auf unterschiedliche Wasserressourcen stützt. Das zeigt, wie wichtig die Wiener Trinkwasser-Strategie ist", betont Czernohorszky bei einer Besichtigung der Kurzzeitbaustelle im Bereich Hofstetten in Niederösterreich.

Herausforderung Düker-Sanierung

Neben der regelmäßigen Instandhaltung steht bei der II. Hochquellenleitung ein wichtiges "Upgrade" bevor. Auf dem Weg nach Wien unterquert die Leitung 19 Täler und Flüsse mittels sogenannter Düker - das sind Druckleitungen, in denen im Gegensatz zur drucklosen Hochquellenleitung ein hoher Wasserdruck herrscht. Diese Belastung beansprucht das Material stark, weshalb die Trinkwasser-Strategie in den kommenden Jahren die schrittweise Sanierung von vier priorisierten Dükern vorsieht.

"Die Wienerinnen und Wiener können sicher sein, dass wir alles tun, um unsere Hochquellenleitungen in einem top Zustand zu erhalten. Das ist angesichts des hohen Alters der beiden Bauwerke manchmal eine Herausforderung", erklärt Wiener-Wasser-Chef Paul Hellmeier. "Aber generell muss man - angesichts der damaligen technischen Möglichkeiten - die zukunftsfähige Bauweise wertschätzen."

Präzise Planung für die "Abkehr"

Die sogenannte "Abkehr" - so wird die temporäre Außerbetriebnahme einer Hochquellenleitung genannt - findet je Leitung viermal im Jahr statt, bevorzugt im Frühjahr und Herbst bei geringem Wasserverbrauch. Diese bis zu fünf Tage andauernden Arbeiten erfordern eine minutiöse Planung, da nur jeweils eine Hochquellenleitung außer Betrieb genommen werden kann.

Das Eintreffen des Wassers ist für jeden Abschnitt der 180 Kilometer langen Hochquellenleitung auf die Minute berechnet, damit die Arbeiten im Inneren der Leitung zeitgerecht beendet werden können. Während der Abkehr wird der Stollen gereinigt, inspiziert und beispielsweise werden sogenannte Arbeitsfugen saniert.

Wassersicherheit durch Redundanz

Um die Versorgung während der Wartungsarbeiten zu gewährleisten, werden im Vorfeld jeder Abkehr alle 29 Wasserbehälter in Wien bis zum maximalen Pegelstand gefüllt. Zusätzlich kann während der Abkehr Grundwasser ins Wiener Rohrnetz eingeleitet werden. 30 Brunnen stehen bereit, um aus gewaltigen Grundwasserkörpern qualitativ hochwertiges Trinkwasser zu liefern.

Dieses ausgeklügelte System der Redundanz zeigt, wie Wien seine Wasserversorgung gegen verschiedene Risiken absichert. Nach Abschluss der Wartungsarbeiten wird die Stadt wieder flächendeckend mit dem hochwertigen Hochquellwasser aus den Alpen versorgt.

Investition in die Zukunft

Die Hochquellenleitungen, die bereits vor über einem Jahrhundert errichtet wurden, sind ein Beispiel für weitsichtige Stadtplanung. Mit den aktuellen Investitionen und der langfristigen Strategie "Wiener Wasser 2050" stellt die Stadt sicher, dass auch künftige Generationen mit dem "wichtigsten Lebensmittel in bester Qualität" versorgt werden, wie Klimastadtrat Czernohorszky betont.

Die umfassenden Sanierungsarbeiten sind nicht nur eine Investition in die technische Infrastruktur, sondern auch ein wichtiger Baustein für Wiens Klimastrategie. Durch die energieeffiziente Wasserverteilung im freien Gefälle spart die Stadt erhebliche Energiekosten und reduziert gleichzeitig ihren CO2-Fußabdruck.

Schlagworte

#Wasserversorgung#Wien#Hochquellenleitungen#Infrastruktur#Klimaschutz#Sanierung#Czernohorszky

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