Deutliches Geschlechter-Ungleichgewicht bei Krebsberatung zeigt soziale Probleme auf
25.000 Menschen suchten 2025 Hilfe bei der Österreichischen Krebshilfe - drei Viertel davon waren Frauen. Besonders Brustkrebspatientinnen benötigen Unterstützung.
Die Österreichische Krebshilfe verzeichnet ein deutliches Ungleichgewicht bei den Hilfesuchenden: Von den rund 25.000 Menschen, die 2025 Beratung und Hilfe suchten, waren 18.000 Frauen und nur 6.000 Männer. Das entspricht einem Frauenanteil von 75 Prozent - ein Wert, der weit über dem statistischen Geschlechterverhältnis liegt.
Noch deutlicher zeigt sich das Ungleichgewicht bei der finanziellen Soforthilfe: Von 530 dokumentierten Fällen entfielen 424 auf weibliche und nur 106 auf männliche Patienten. Das bedeutet, dass Frauen viermal häufiger finanzielle Unterstützung benötigten als Männer.
Besonders dramatisch ist die Situation bei Brustkrebspatientinnen. Die Krebshilfe verzeichnete 2025 rund 8.000 notwendige Beratungen sowie etwa 250 Fälle finanzieller Soforthilfe in diesem Bereich. Diese Zahlen verdeutlichen den enormen Betreuungsbedarf in der Brustkrebsversorgung.
"Auch wenn Frauen eher bereit sind, über ihre Erkrankung zu sprechen und Hilfe anzunehmen als Männer, verschärfen auch soziale und ökonomische Belastungen, die Frauen im Krankheitsfall besonders häufig tragen, die Situation vieler Patientinnen zusätzlich", erklärt Krebshilfe-Präsident Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda die Problematik.
Die Gründe für die erhöhte Hilfsbedürftigkeit von Frauen sind vielschichtig und spiegeln strukturelle gesellschaftliche Probleme wider:
Diese Faktoren führen dazu, dass Frauen bei einer Krebserkrankung nicht nur mit der gesundheitlichen, sondern auch mit einer verstärkten finanziellen Belastung konfrontiert sind.
Um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden, setzt die Österreichische Krebshilfe auf Spendenaktionen wie die Pink Ribbon-Kampagne. "Dank der Spenden aus der Pink Ribbon-Aktion können wir den Finanzbedarf für die Information der Bevölkerung über die Wichtigkeit der Brustkrebsvorsorge sowie die Beratung & Hilfe für Brustkrebspatientinnen trotz des steigenden Bedarfes weitgehend decken", berichtet Krebshilfe-Geschäftsführerin und Pink Ribbon-Projektleiterin Doris Kiefhaber.
Die Pink Ribbon-Aktion 2025 war außerordentlich erfolgreich: Insgesamt kamen 1.008.681 Euro zusammen. Diese Spenden wurden zweckgebunden für verschiedene Bereiche verwendet:
Die Pink Ribbon-Aktion wird von einer beeindruckenden Anzahl an Partnern unterstützt. Von staatlichen Institutionen wie dem Parlament und dem Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung über medizinische Fachgesellschaften bis hin zu Unternehmen und Einzelpersonen - die Liste der offiziellen Partner 2025 umfasst über 60 Organisationen.
Zu den Partnern zählen unter anderem Estée Lauder Companies, Bipa, das Burgtheater, Casinos Austria, verschiedene Pharmaunternehmen wie Novartis, Pfizer und MSD, aber auch Medien wie der Kurier, lokale Initiativen und Sportvereine.
"Das Pink Ribbon steht für die gelebte und ungebrochene Hilfe für Frauen (und Männer), die an Brustkrebs erkrankt sind", betont Krebshilfe-Präsident Sevelda. "Im Namen der Gesamtorganisation danke ich der gesamten Pink Ribbon-Familie für das berührende Zeichen der Solidarität und das herausragende Engagement."
Die Zahlen zeigen deutlich: Brustkrebs ist nach wie vor eine der häufigsten Krebsarten bei Frauen und erfordert besondere Aufmerksamkeit sowohl in der Prävention als auch in der Nachsorge. Die hohe Anzahl an Beratungsgesprächen und finanziellen Hilfsfällen verdeutlicht den enormen Bedarf an professioneller Unterstützung.
Die Statistiken der Österreichischen Krebshilfe werfen ein Schlaglicht auf ein größeres gesellschaftliches Problem: Frauen sind im Krankheitsfall aufgrund struktureller Benachteiligungen häufiger auf externe Hilfe angewiesen als Männer. Dies betrifft nicht nur die emotionale Unterstützung, sondern vor allem auch die finanzielle Absicherung.
Die Tatsache, dass 75 Prozent der Hilfesuchenden weiblich sind, sollte als Warnsignal verstanden werden. Es zeigt, dass trotz aller Fortschritte in der Gleichberechtigung noch immer strukturelle Ungleichheiten bestehen, die sich im Krankheitsfall besonders deutlich manifestieren.
Die Arbeit der Österreichischen Krebshilfe und Initiativen wie Pink Ribbon sind daher nicht nur medizinisch, sondern auch gesellschaftspolitisch von großer Bedeutung. Sie helfen nicht nur den unmittelbar Betroffenen, sondern machen auch auf die Notwendigkeit struktureller Veränderungen aufmerksam.
Für Betroffene und ihre Angehörigen steht die Österreichische Krebshilfe als Anlaufstelle für Beratung und Unterstützung zur Verfügung. Die Organisation bietet neben finanzieller Soforthilfe auch umfassende Beratungsleistungen und Informationen zur Krebsvorsorge.