Franziskus Spital Wien startet innovatives Pilotprojekt
Strukturierte Patientenpfade sollen Versorgung bei komplexen Krankheitsbildern verbessern und das Gesundheitssystem entlasten.
Die Behandlung von Herz-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen steht vor einem Paradigmenwechsel: Das Franziskus Spital Wien-Landstraße entwickelt ein innovatives Versorgungskonzept, das die komplexen Wechselwirkungen zwischen diesen Krankheitsbildern systematisch berücksichtigt. Das als KRM-Konzept (Kardio-Renal-Metabolisch) bezeichnete Modell soll als Vorreiter für ganz Österreich dienen.
Herz-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen treten häufig gemeinsam auf und verstärken sich gegenseitig. Diese bidirektionale Pathophysiologie bedeutet, dass eine Erkrankung des Herzens die Nieren schädigen kann und umgekehrt, während Diabetes beide Organsysteme beeinträchtigt. Für das österreichische Gesundheitssystem entstehen dadurch erhebliche sozioökonomische Herausforderungen.
"Die traditionelle Aufteilung in Fachbereiche wird der Komplexität dieser Erkrankungen nicht mehr gerecht", erklärt Prim. Priv.-Doz. Dr. Johannes Kovarik, PhD, stellvertretender Ärztlicher Direktor und Abteilungsvorstand der Inneren Medizin am Franziskus Spital Wien-Landstraße. "Wir brauchen strukturierte Patientenpfade, die alle drei Bereiche integriert betrachten."
Das neue Versorgungskonzept setzt auf evidenzbasierte, leitlinienkonforme und holistische Behandlungsansätze. Dabei werden strukturierte Patientenpfade entwickelt, die eine effizientere Koordination zwischen den verschiedenen Fachbereichen ermöglichen. Das Modell orientiert sich an den Empfehlungen internationaler, europäischer und österreichischer Fachgesellschaften.
Ein wesentlicher Aspekt des Konzepts ist die Stärkung des extramuralen Bereichs - also der ambulanten Versorgung außerhalb der Krankenhäuser. Dadurch soll der intramurale Sektor, die stationäre Behandlung in Spitälern, entlastet werden. Diese Umverteilung der Ressourcen kann zu einer kosteneffizienteren Gesundheitsversorgung beitragen.
Das KRM-Versorgungskonzept zeichnet sich durch die optimale Nutzung bereits vorhandener Ressourcen aus. Anstatt neue teure Strukturen zu schaffen, werden bestehende Kapazitäten besser vernetzt und koordiniert. Dies entspricht dem Gedanken einer nachhaltigen Gesundheitspolitik, die Qualität und Effizienz in Einklang bringt.
Die strukturierten Patientenpfade ermöglichen es, Behandlungsabläufe zu standardisieren und gleichzeitig individuell auf die Bedürfnisse der Patienten einzugehen. Wartezeiten können reduziert und Doppeluntersuchungen vermieden werden.
Das Franziskus Spital Wien-Landstraße, ein gemeinnütziges Ordensspital, übernimmt eine Pionierrolle bei der Umsetzung dieses innovativen Versorgungsmodells. Die Einrichtung in der Landstraßer Hauptstraße 4a verfügt über die notwendige Expertise und Infrastruktur, um das komplexe Konzept erfolgreich zu implementieren.
"Als Ordensspital haben wir den Auftrag, innovative Versorgungsmodelle zu entwickeln, die dem Gemeinwohl dienen", betont Dr. Kovarik. "Unser Ziel ist es, ein Modell zu schaffen, das auch in anderen Einrichtungen österreichweit umgesetzt werden kann."
Das Pilotprojekt soll Impulse für andere Gesundheitseinrichtungen in allen österreichischen Bundesländern setzen. Die gewonnenen Erkenntnisse und Best Practices werden dokumentiert und anderen Spitälern zur Verfügung gestellt. Dadurch kann eine flächendeckende Verbesserung der Versorgung bei Herz-Nieren-Stoffwechselerkrankungen erreicht werden.
Die PRAEVENIRE - Gesellschaft zur Optimierung der solidarischen Gesundheitsversorgung unterstützt das Projekt als wichtigen Baustein für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem. Die Organisation setzt sich für evidenzbasierte Gesundheitspolitik und innovative Versorgungsmodelle ein.
Am 26. März 2026 wird Dr. Kovarik das innovative Versorgungskonzept im Rahmen des PRAEVENIRE Vorreiter-Events präsentieren. Die Veranstaltung beginnt um 09:30 Uhr im Franziskus Spital Wien-Landstraße und bietet Fachexperten, Gesundheitspolitikern und Vertretern anderer Gesundheitseinrichtungen die Möglichkeit, sich über das wegweisende Modell zu informieren.
Die Konferenz richtet sich an alle Akteure des österreichischen Gesundheitswesens, die an innovativen Lösungen für die Herausforderungen der modernen Medizin interessiert sind. Besonderes Augenmerk liegt auf der praktischen Umsetzbarkeit und der Übertragbarkeit des Konzepts auf andere Einrichtungen.
Das KRM-Versorgungskonzept adressiert zentrale Herausforderungen des österreichischen Gesundheitssystems: die demografische Entwicklung, steigende Behandlungskosten und die zunehmende Komplexität von Krankheitsbildern. Durch die integrierte Betrachtung von Herz-, Nieren- und Stoffwechselerkrankungen können Synergien genutzt und die Behandlungsqualität verbessert werden.
Experten sehen in solchen strukturierten Ansätzen einen wichtigen Schritt hin zu einer patientenzentrierten Medizin, die nicht mehr in starren Fachgrenzen denkt, sondern die Gesundheit des Menschen ganzheitlich betrachtet. Dies entspricht auch internationalen Trends in der Gesundheitsversorgung.
Die Implementierung des KRM-Versorgungskonzepts wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Dadurch sollen messbare Verbesserungen in der Versorgungsqualität, Patientenzufriedenheit und Kosteneffizienz nachgewiesen werden. Die Ergebnisse fließen in die Weiterentwicklung des Modells ein.
Mittelfristig könnte das Konzept als Grundlage für gesundheitspolitische Entscheidungen und die Neuausrichtung der österreichischen Gesundheitsversorgung dienen. Die strukturierten Patientenpfade könnten zum Standard für die Behandlung komplexer Krankheitsbilder werden.
Für Interessierte und Fachexperten bietet das PRAEVENIRE Vorreiter-Event am 26. März 2026 die Gelegenheit, sich aus erster Hand über dieses innovative Versorgungsmodell zu informieren und zur Diskussion beizutragen. Die Veranstaltung im Franziskus Spital Wien-Landstraße markiert einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu einer moderneren und effizienteren Gesundheitsversorgung in Österreich.