Bundesfrauenkonferenz in Wien thematisiert Gewaltschutz, Lohngerechtigkeit und Gleichstellung
Die SPÖ-Frauen setzen bei ihrer Bundesfrauenkonferenz auf umfassende Sicherheit für Frauen in allen Lebensbereichen.
Anlässlich des Internationalen Frauentags haben die SPÖ-Frauen ihre zentralen frauenpolitischen Forderungen präsentiert. Bei ihrer Bundesfrauenkonferenz am 6. März in der Messe Wien stellten rund 400 Delegierte und 200 Gäste das Motto "Mit Sicherheit für die Frauen" in den Mittelpunkt ihrer politischen Agenda.
"Sicherheit ist für Frauen weit mehr als ein Schlagwort", betonte SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Ruth Manninger bei der Konferenz. Das Konzept umfasse Schutz vor Gewalt, gleiche Chancen im Berufsleben, faire Einkommen, verlässliche Gesundheitsversorgung und ein starkes soziales Netz. Besonders in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten und wachsender Unsicherheiten am Arbeitsmarkt sei eine Politik nötig, die Frauen stärkt und schützt.
Die Sozialdemokratinnen verstehen unter Sicherheit einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die physische als auch die wirtschaftliche und soziale Absicherung von Frauen umfasst. Diese Herangehensweise spiegelt die komplexen Herausforderungen wider, denen Frauen in verschiedenen Lebensbereichen gegenüberstehen.
Ein zentraler Punkt der SPÖ-Agenda ist der konsequente Ausbau des Gewaltschutzes. Manninger hob hervor, dass Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner bereits eine langjährige Forderung der SPÖ-Frauen nach einem Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt umgesetzt habe. "Alle Ressorts müssen konsequent die Lücken im Gewaltschutz schließen. Das ist ein Schlüssel im Kampf gegen Gewalt an Frauen", so die Bundesfrauengeschäftsführerin.
Besonders wichtig ist den SPÖ-Frauen die Umsetzung des Konsensprinzips "Nur Ja heißt Ja". "Das Konsensprinzip ist ein notwendiger Paradigmenwechsel – die Täter müssen Rechenschaft abgeben und nicht die Opfer", erklärte Manninger. Diese Forderung zielt darauf ab, die Beweislast in Fällen sexueller Gewalt zu verlagern und Betroffene zu entlasten.
Das Recht auf ein gewaltfreies Leben soll für jede Frau gewährleistet sein – unabhängig davon, ob sie sich zuhause, am Arbeitsplatz oder im öffentlichen Raum befindet. Die konsequente Umsetzung des Nationalen Aktionsplans steht daher im Zentrum der frauenpolitischen Arbeit der SPÖ.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der wirtschaftlichen Absicherung von Frauen. Die Statistiken sprechen eine deutliche Sprache: Frauen sind überdurchschnittlich oft von Teilzeitarbeit, niedrigen Einkommen und Altersarmut betroffen. Diese strukturellen Benachteiligungen anzugehen, ist für die SPÖ-Frauen von zentraler Bedeutung.
Die SPÖ-Frauen halten am sogenannten "Halbe-Halbe-Prinzip" fest, das eine gerechte Verteilung von Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern vorsieht. Gleichzeitig fordern sie gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit und den flächendeckenden Ausbau qualitativ hochwertiger Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen.
"Die Umsetzung der Lohntransparenz-Richtlinie ist das Gebot der Stunde", unterstrich Manninger. Nur durch transparente Gehaltsstrukturen könne das bestehende Gender Pay Gap wirksam bekämpft werden. "Wirtschaftliche Unabhängigkeit ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben", so die Bundesfrauengeschäftsführerin weiter.
Die Kinderbetreuung spielt dabei eine Schlüsselrolle: Ohne ausreichende und qualitativ hochwertige Betreuungsmöglichkeiten können Frauen nicht in gleichem Maße am Erwerbsleben teilnehmen wie Männer. Der Ausbau dieser Infrastruktur ist daher nicht nur familienpolitisch, sondern auch gleichstellungspolitisch von enormer Bedeutung.
Die SPÖ-Frauen fordern nicht nur gesellschaftliche Veränderungen, sondern nehmen auch die eigene Partei in die Pflicht. "Wir fordern die konsequente Einhaltung und Weiterentwicklung der parteiinternen Frauenquote auf allen Ebenen", betonte Manninger bei der Konferenz.
Frauen müssen in politischen Funktionen, auf Wahllisten und in Führungspositionen entsprechend vertreten sein. "Wer Gleichstellung fordert, muss sie auch selbst leben. Die Einhaltung der Quote ist eine Frage der politischen Glaubwürdigkeit", so Manninger. Um dies zu gewährleisten, sollen mögliche Schlupflöcher im Parteistatut geschlossen und ein Frauenförderplan ausgearbeitet werden.
Diese Selbstverpflichtung zeigt, dass die SPÖ-Frauen Gleichstellung nicht nur als externe Forderung verstehen, sondern als Prinzip, das in den eigenen Strukturen gelebt werden muss. Nur so könne die Partei glaubwürdig für Gleichstellung in der Gesellschaft eintreten.
Die Bundesfrauenkonferenz versteht sich als klares Signal dafür, dass Gleichstellung kein Nebenthema, sondern eine zentrale Zukunftsfrage ist. "Mit Sicherheit für die Frauen" bedeutet für die SPÖ-Frauen, politische Entscheidungen konsequent aus einer feministischen Perspektive zu denken und strukturelle Benachteiligungen aktiv abzubauen.
Dieser Ansatz erfordert eine Überprüfung aller politischen Maßnahmen auf ihre Auswirkungen auf die Gleichstellung der Geschlechter. Gender Budgeting, geschlechtergerechte Gesetzgebung und die Berücksichtigung unterschiedlicher Lebensrealitäten von Frauen und Männern sind dabei zentrale Instrumente.
Die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen verstärken die Dringlichkeit frauenpolitischer Maßnahmen. Steigende Lebenshaltungskosten treffen Frauen aufgrund ihrer häufig prekäreren Einkommenssituation besonders hart. Gleichzeitig führen gesellschaftliche Spannungen oft zu einer Verschärfung von Gewalt gegen Frauen.
Die Corona-Pandemie hat zudem gezeigt, wie schnell erkämpfte Fortschritte in der Gleichstellung wieder rückgängig gemacht werden können. Frauen übernahmen während der Lockdowns vermehrt Care-Arbeit und waren häufiger von Jobverlust betroffen. Diese Erfahrungen fließen in die aktuellen Forderungen der SPÖ-Frauen ein.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der umfassenden Sicherheit für Frauen ist die verlässliche Gesundheitsversorgung. Dazu gehören nicht nur die allgemeine medizinische Versorgung, sondern auch spezifische frauenmedizinische Angebote und der Zugang zu Verhütungsmitteln und reproduktiven Rechten.
Die SPÖ-Frauen sehen in der Gesundheitsversorgung einen zentralen Baustein für die Selbstbestimmung von Frauen. Nur wer Zugang zu qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung hat, kann frei über den eigenen Körper und die eigene Lebensplanung entscheiden.
Die Bundesfrauenkonferenz 2025 setzt wichtige Impulse für die künftige frauenpolitische Arbeit der SPÖ. Mit ihrem ganzheitlichen Sicherheitskonzept positionieren sich die Sozialdemokratinnen als starke Stimme für Frauenrechte in Österreich.
Die Teilnahme von 600 Personen an der Konferenz zeigt das große Interesse und Engagement innerhalb der Partei für diese Themen. Dies schafft eine solide Basis für die Umsetzung der formulierten Forderungen auf allen politischen Ebenen.
Die SPÖ-Frauen machen deutlich, dass Gleichstellung und Frauenrechte nicht nur moralische Imperative sind, sondern auch ökonomische und gesellschaftliche Notwendigkeiten. Eine Gesellschaft, die das Potenzial aller ihrer Mitglieder ausschöpft, ist letztendlich erfolgreicher und gerechter.