500 staatlich finanzierte Studienplätze an österreichischen Universitäten verfügbar
Ab 2. März 2026 können sich Interessierte für das neue Masterstudium Psychotherapie anmelden. 500 staatlich finanzierte Plätze stehen jährlich zur Verfügung.
Die österreichische Psychotherapie-Ausbildung steht vor einem Wendepunkt: Ab 2. März 2026 startet das Anmeldeverfahren für das neue Masterstudium Psychotherapie an öffentlichen Universitäten. Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) hat die Details zum Aufnahmeverfahren bekannt gegeben und kündigt einen bedeutsamen Reformschritt für die Branche an.
Beginnend mit dem Wintersemester 2026/27 werden jährlich 500 staatlich finanzierte Studienplätze für das Masterstudium Psychotherapie zur Verfügung stehen. Diese Plätze verteilen sich auf verschiedene öffentliche Universitäten in ganz Österreich und sollen eine qualitativ hochwertige, wissenschaftlich fundierte Ausbildung gewährleisten.
Das neue Studienformat stellt einen wesentlichen Teil der künftig dreiteiligen Psychotherapie-Ausbildung dar und ersetzt das bisherige System. Damit wird die Ausbildung strukturierter, einheitlicher und wissenschaftlich fundierter gestaltet.
Studieninteressierte haben bis einschließlich 7. April 2026 Zeit, sich für das Aufnahmeverfahren anzumelden. Der Prozess gliedert sich in drei verpflichtende Schritte:
Das Online-Self-Assessment bildet die Grundlage des Verfahrens und muss von allen Bewerberinnen und Bewerbern eigenständig und gewissenhaft durchgeführt werden. Nur wer alle drei Schritte fristgerecht erledigt, kann am Aufnahmetest teilnehmen.
Der entscheidende Aufnahmetest findet am 6. Juli 2026 statt. Die Leistung in diesem Test bestimmt unter Berücksichtigung der gesetzlich verankerten Kontingentregelung über die Vergabe der Studienplätze am jeweiligen Standort. Nach erfolgreichem Abschneiden im Test können Kandidaten einen Antrag auf Zulassung zum Masterstudium stellen.
Die Universitäten prüfen anschließend die individuellen Voraussetzungen zur Zulassung. Bei positivem Zulassungsbescheid ist die Einschreibung zum Studium möglich, das mit 1. Oktober 2026 seinen Betrieb aufnimmt.
ÖBVP-Präsidentin Barbara Haid betont die historische Bedeutung dieser Reform: "Mit dem Start der Anmeldung zum Aufnahmeverfahren für das Masterstudium Psychotherapie beginnt ein neues Kapitel für die psychotherapeutische Ausbildung in Österreich."
Das Masterstudium bildet den verpflichtenden zweiten Teil der künftig dreiteiligen Ausbildung und schafft die wissenschaftliche Grundlage sowie die akademische Qualifikation. Haid weist jedoch darauf hin, dass die volle Berufsberechtigung zur selbst- und eigenständigen Ausübung der Psychotherapie erst nach Abschluss aller drei Ausbildungsabschnitte und dem erfolgreichen Bestehen der staatlichen Approbationsprüfung erreicht wird.
Die Reform zielt darauf ab, die Psychotherapie-Ausbildung einheitlich, wissenschaftlich fundiert und qualitätsgesichert weiterzuentwickeln. Das Studium ist in eine klar strukturierte Gesamtausbildung eingebettet, die Theorie, Praxis, Selbsterfahrung und supervidierte Tätigkeiten systematisch miteinander verbindet.
Markus Böckle, Präsidiumsmitglied und Leiter des Departments Wissenschaft und Forschung im ÖBVP, erklärt: "Das große Interesse am neuen Studium zeigt, wie wichtig dieser Reformschritt ist. Mit dem Masterstudium wird die Psychotherapie als wissenschaftliche Disziplin weiter gestärkt und in der österreichischen Bildungs- und Gesundheitslandschaft noch klarer verankert."
Die Reform der Psychotherapie-Ausbildung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Österreich steht vor demografischen Herausforderungen und einem steigenden Bedarf an psychotherapeutischen Dienstleistungen. Die Vereinheitlichung und Qualitätssteigerung der Ausbildung soll langfristig zu einer besseren Versorgung der Bevölkerung beitragen.
Durch die staatliche Finanzierung der Studienplätze wird auch der Zugang zur Ausbildung demokratisiert. Bisher war die Psychotherapie-Ausbildung oft mit hohen privaten Kosten verbunden, was viele potenzielle Therapeuten abschreckte.
Das universitäre Masterstudium setzt neue Maßstäbe für die wissenschaftliche Fundierung der Psychotherapie. Die Einbindung in das österreichische Hochschulsystem stärkt die Disziplin und sorgt für eine bessere internationale Vergleichbarkeit der Ausbildung.
Die systematische Verbindung von theoretischen Grundlagen mit praktischen Elementen, Selbsterfahrung und Supervision verspricht eine umfassendere Vorbereitung der künftigen Psychotherapeuten auf ihre berufliche Tätigkeit.
Der ÖBVP ermutigt alle Interessierten, das Online-Self-Assessment frühzeitig und gewissenhaft zu absolvieren. Diese Selbsteinschätzung dient nicht nur als Voraussetzung für die Anmeldung, sondern hilft auch bei der realistischen Einschätzung der eigenen Eignung für das Studium.
Weitere Informationen zum Aufnahmeverfahren und zu den verschiedenen Studienstandorten finden sich auf der eigens eingerichteten Website psychotherapiestudieren.at. Dort können sich Interessierte auch über die spezifischen Anforderungen und Schwerpunkte der einzelnen Universitäten informieren.
Die Einführung des Masterstudiums Psychotherapie markiert einen Meilenstein in der österreichischen Gesundheitspolitik. Mit der wissenschaftlichen Verankerung und der staatlichen Finanzierung wird ein wichtiger Beitrag zur Professionalisierung des Berufsstandes geleistet.
Die Reform zeigt auch, wie sich das österreichische Bildungssystem an gesellschaftliche Bedürfnisse anpasst und auf den steigenden Bedarf an qualifizierten Psychotherapeuten reagiert. Die ersten Absolventen werden voraussichtlich ab 2028 ihre Ausbildung abschließen und nach erfolgter Approbation zur Stärkung der psychotherapeutischen Versorgung in Österreich beitragen.