Rosa Mayreder und Käthe Sasso erweitern die Sammlung großer Töchter der Stadt
Zum Start der Wiener Frauenwoche werden zwei außergewöhnliche Frauen im Arkadenhof des Rathauses geehrt: Frauenrechtlerin Rosa Mayreder und Widerstandskämpferin Käthe Sasso.
Wien bekommt zwei neue "große Töchter": Mit Rosa Mayreder und Käthe Sasso werden zwei außergewöhnliche Frauen in die Wiener Pionierinnengalerie aufgenommen. Die Ehrung erfolgt zum Start der dritten Wiener Frauenwoche im Arkadenhof des Wiener Rathauses und würdigt das Lebenswerk zweier mutiger Aktivistinnen.
"Mit der Aufnahme von Rosa Mayreder und Käthe Sasso in die Wiener Pionierinnengalerie ehren wir das Lebenswerk zweier Persönlichkeiten, vor denen man nur in tiefer Verneigung den Hut ziehen kann", erklärt Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál. "Beide Frauen haben in ihrem eigenen Wirken Zeit ihres Lebens unfassbaren Mut, Wille und Courage bewiesen."
Die 3. Nationalratspräsidentin Doris Bures betont die Bedeutung der Initiative: "Die Geschichte wurde lange vor allem aus männlicher Perspektive erzählt – geprägt von Männerbiografien und männlichen Idolen, während die Leistungen von Frauen oft unsichtbar blieben. Die Pionierinnengalerie setzt hier ein wichtiges Gegengewicht."
Rosa Mayreder (1858-1938) war eine vielseitige Persönlichkeit, die als Frauenrechtlerin, Schriftstellerin, Kulturphilosophin und Malerin tätig war. Ihr besonderes Anliegen galt der kritischen Hinterfragung traditioneller Rollenzuschreibungen von Frauen. Durch philosophische und sozialwissenschaftliche Schriften setzte sie sich gegen die Diskriminierung von Frauen ein und kritisierte deren Degradierung zu Sexualobjekten.
Mayreders Werk war wegweisend für die Frauenbewegung ihrer Zeit. Sie forderte nicht nur eine Veränderung der gesellschaftlichen Machtverhältnisse, sondern lieferte auch die intellektuellen Grundlagen für diese Forderungen. Ihre Schriften prägten das feministische Denken und beeinflussten Generationen von Frauenrechtlerinnen.
Als Kulturphilosophin beschäftigte sich Mayreder intensiv mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft und entwickelte innovative Ansätze zur Geschlechterforschung. Gleichzeitig war sie als Malerin künstlerisch tätig und bewies damit, dass Frauen in verschiedenen Bereichen Außergewöhnliches leisten können.
Käthe Sasso (1926-2024) repräsentiert eine andere Form des Mutes: den Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime. Während des Zweiten Weltkriegs war sie im Widerstand aktiv, wurde jedoch verraten und verhaftet. Die Deportation ins Konzentrationslager Ravensbrück folgte – ein Schicksal, das sie mit unvorstellbarer Stärke ertrug.
Besonders bemerkenswert ist Sassos Flucht während des "Todesmarsches" ins KZ Bergen-Belsen. Durch ihren außergewöhnlichen Mut gelang ihr die Befreiung aus den Händen ihrer Peiniger. Doch ihr Engagement endete nicht mit dem Kriegsende: Zeitlebens setzte sie sich unermüdlich für die österreichische Erinnerungskultur ein.
Für ihr außergewöhnliches Engagement wurde Sasso 2002 mit dem "Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich" ausgezeichnet. Diese Ehrung würdigt nicht nur ihren Mut während der NS-Zeit, sondern auch ihre jahrzehntelange Arbeit als Zeitzeugin und Mahnerin für die Erinnerung an die Schrecken des Holocaust.
Die Pionierinnengalerie "Wien. Stadt der großen Töchter" stellt das Engagement und Wirken außergewöhnlicher Frauen in den Mittelpunkt. Die ausgestellten Porträts erinnern an die großen Leistungen vielfältiger Frauen und machen deren oft übersehene Beiträge zur Geschichte sichtbar.
"Die Tafeln machen sichtbar, was Frauen geschaffen, erlebt und ermöglicht haben, und laden Besucherinnen und Besucher dazu ein, sich inspirieren zu lassen und ihren eigenen Weg zu gehen", erklärt Doris Bures. "Persönlichkeiten wie Käthe Sasso und Rosa Mayreder erweitern diese Reihe herausragender Frauen auf eindrucksvolle Weise und zeigen, wie vielfältig weibliche Pionierinnenarbeit ist."
Mit dem Start der Wiener Frauenwoche sind "Wiens große Töchter" im Arkadenhof des Wiener Rathauses ausgestellt. Die Ausstellung ist kostenlos zugänglich und kann während der allgemeinen Öffnungszeiten des Wiener Rathauses besucht werden. Der Ausstellungszeitraum erstreckt sich vom 2. März bis 31. März 2026.
Die Präsentation im historischen Arkadenhof verleiht der Ehrung einen würdigen Rahmen. Hier, im Herzen der Wiener Stadtverwaltung, werden die Geschichten dieser bemerkenswerten Frauen einem breiten Publikum zugänglich gemacht.
Für alle, die die Ausstellung nicht persönlich besuchen können, steht die Pionierinnengalerie auch online zur Verfügung. Unter wien.gv.at/spezial/pionierinnen/ können sich Interessierte über die geehrten Frauen informieren und deren Lebensgeschichten kennenlernen.
Die Ehrung von Rosa Mayreder und Käthe Sasso zum Start der dritten Wiener Frauenwoche unterstreicht die Bedeutung weiblicher Vorbilder. Beide Frauen stehen exemplarisch für unterschiedliche Formen des gesellschaftlichen Engagements und des Mutes, sich für das Richtige einzusetzen.
Die Auswahl der beiden Pionierinnen zeigt auch die Bandbreite weiblichen Wirkens auf: Von der intellektuellen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen bis hin zum aktiven Widerstand gegen Unrecht. Beide Ansätze haben die Wiener Gesellschaft nachhaltig geprägt und verdienen es, in Erinnerung zu bleiben.
Die Aufnahme in die Pionierinnengalerie ist mehr als eine historische Würdigung. Sie dient als Inspiration für künftige Generationen von Frauen, die sich für gesellschaftlichen Fortschritt und Gerechtigkeit einsetzen wollen. Die Geschichten von Mayreder und Sasso zeigen, dass einzelne Personen durchaus die Kraft haben, gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen.
Mit der kontinuierlichen Erweiterung der Galerie setzt Wien ein wichtiges Zeichen für die Gleichberechtigung und die Anerkennung weiblicher Leistungen. Die Initiative trägt dazu bei, das historische Bewusstsein zu schärfen und weibliche Vorbilder sichtbar zu machen.