Zwei Filme über Widerstand und Menschenrechtsverletzungen unter Taliban-Herrschaft
Am 4. März zeigt das WELTjournal bewegende Dokumentationen über den Kampf afghanischer Frauen gegen die Unterdrückung durch die Taliban.
Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März widmet sich der ORF einem der drängendsten Menschenrechtsthemen unserer Zeit: der systematischen Unterdrückung von Frauen in Afghanistan. Am Mittwoch, dem 4. März 2025, zeigt das "WELTjournal" um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON zwei eindringliche Dokumentationen, die das Schicksal afghanischer Frauen unter der Taliban-Herrschaft beleuchten.
Die erste Dokumentation "Frauen unter den Taliban – Funken des Widerstands" unter der Regie von Vanessa Schlesier porträtiert mutige Frauen, die trotz enormer Gefahren für ihre Rechte kämpfen. Seit der Rückkehr der Taliban an die Macht im August 2021 werden Frauen in Afghanistan systematisch aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens verdrängt.
Die Dokumentation zeigt, wie afghanische Frauen trotz der repressiven Gesetze und der ständigen Bedrohung durch die Machthaber ihren Widerstand organisieren. Ihre Aktionen mögen leise und im Verborgenen stattfinden, doch sie senden ein kraftvolles Signal: Der Kampf um Freiheit, Bildung und Selbstbestimmung geht weiter, auch unter widrigsten Umständen.
Die drastischen Einschränkungen, denen Frauen in Afghanistan seit der Taliban-Machtübernahme unterworfen sind, stellen einen beispiellosen Rückschritt in der Menschenrechtsgeschichte dar. Frauen dürfen das Haus nur noch in Begleitung eines männlichen Verwandten und vollverschleiert verlassen. Der Zugang zu Bildung und bezahlter Arbeit ist ihnen vollständig untersagt.
Diese Maßnahmen bedeuten nicht nur eine Verletzung grundlegender Menschenrechte, sondern auch eine Katastrophe für die afghanische Gesellschaft und Wirtschaft. Millionen von Frauen, die zuvor als Ärztinnen, Lehrerinnen, Journalistinnen oder in anderen Berufen tätig waren, sind nun zur Untätigkeit verdammt.
Im "WELTjournal +" um 23.20 Uhr folgt die Dokumentation "Afghanistans Frauen – das Ende der Menschenrechte" von Solène Chalvon-Fioriti. Dieser Film gibt afghanischen Frauen im Alter von 17 bis 70 Jahren eine Stimme und erzählt ihre persönlichen Geschichten.
Die Frauen, die zu Wort kommen, haben bessere und freiere Zeiten erlebt. Sie erinnern sich an eine Zeit, in der Frauen in Afghanistan arbeiten, studieren und ein selbstbestimmtes Leben führen konnten. Ihre Erzählungen spannen einen Bogen über 50 Jahre afghanischer Geschichte – geprägt von Hoffnungen, Liebe, aber auch von Krieg und Unterdrückung.
Afghanistan durchlebte in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Phasen bezüglich der Frauenrechte. In den 1960er und 1970er Jahren genossen Frauen, insbesondere in städtischen Gebieten, weitreichende Freiheiten. Sie konnten studieren, arbeiten und sich frei bewegen. Auch während der sowjetischen Besatzung und der kommunistischen Regierung blieben viele dieser Rechte bestehen.
Die erste Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 brachte bereits drastische Einschränkungen mit sich. Nach dem Sturz der Taliban durch die internationale Koalition 2001 kehrten viele Frauen in das Berufsleben zurück, gingen zur Schule und Universität. Diese Phase der relativen Freiheit endete abrupt mit der erneuten Machtübernahme der Taliban im August 2021.
Die systematische Unterdrückung von Frauen in Afghanistan hat international für Empörung gesorgt. Die Vereinten Nationen bezeichnen die Situation als "Geschlechter-Apartheid". Zahlreiche Länder haben Sanktionen verhängt und erkennen die Taliban-Regierung nicht als legitime Regierung an.
Österreich hat sich wiederholt für die Rechte afghanischer Frauen eingesetzt und unterstützt humanitäre Hilfsorganisationen, die sich für die Betroffenen einsetzen. Die österreichische Außenpolitik betont regelmäßig, dass die Anerkennung einer afghanischen Regierung nur dann in Frage kommt, wenn grundlegende Menschenrechte, insbesondere Frauenrechte, respektiert werden.
Die Ausstrahlung dieser Dokumentationen zum Weltfrauentag ist von besonderer Symbolkraft. Während in vielen Teilen der Welt die Errungenschaften der Frauenrechtsbewegung gefeiert werden, leiden Millionen afghanischer Frauen unter extremer Unterdrückung. Ihre Geschichten erinnern daran, dass Frauenrechte keine Selbstverständlichkeit sind und ständig verteidigt werden müssen.
Der ORF trägt mit diesen Dokumentationen dazu bei, das Bewusstsein für die Situation afghanischer Frauen zu schärfen und ihre Stimmen hörbar zu machen. Die Filme dokumentieren nicht nur die aktuelle Lage, sondern zeigen auch die Widerstandsfähigkeit und den Mut der betroffenen Frauen.
Die Arbeit der Filmemacherinnen Vanessa Schlesier und Solène Chalvon-Fioriti ist von besonderem journalistischem Mut geprägt. Berichte aus Afghanistan über die Situation der Frauen sind mit erheblichen Risiken verbunden, sowohl für die Journalistinnen als auch für die portraitierten Frauen.
Dennoch ist diese Art der Berichterstattung essentiell, um die internationale Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten und zu verhindern, dass das Schicksal afghanischer Frauen in Vergessenheit gerät. Die Dokumentationen leisten einen wichtigen Beitrag zur Meinungsbildung und können politischen Druck auf die internationale Gemeinschaft ausüben.
Trotz der düsteren Gegenwart zeigen die Dokumentationen auch Hoffnungsschimmer. Der Widerstand afghanischer Frauen, ihre Bildungsinitiativen im Untergrund und ihr ungebrochener Lebenswille sind Zeichen dafür, dass der Geist der Freiheit nicht vollständig unterdrückt werden kann.
Die internationale Solidarität und die kontinuierliche Berichterstattung über ihre Situation können dazu beitragen, dass afghanische Frauen nicht vergessen werden. Jede Stimme, die ihre Geschichte erzählt, ist ein kleiner Beitrag zu ihrer Befreiung und ein Zeichen der Hoffnung für eine bessere Zukunft.
Die beiden Dokumentationen im ORF sind am 4. März 2025 um 22.30 Uhr bzw. 23.20 Uhr in ORF 2 und jederzeit auf ORF ON zu sehen. Sie bieten österreichischen Zuschauern die Möglichkeit, sich über eine der größten Menschenrechtskrisen unserer Zeit zu informieren und Solidarität mit den betroffenen Frauen zu zeigen.