Österreichs Hauptstadt zeigt mit Klimagesetz und Milliardeninvestitionen Vorbildwirkung
Wien reduzierte 2024 Treibhausgase deutlich stärker als der Bundesschnitt und investiert 2026 eine Milliarde Euro in klimawirksame Maßnahmen.
Wien festigt seine Vorreiterrolle im Klimaschutz: Die österreichische Hauptstadt konnte ihre Treibhausgas-Emissionen 2024 um fast 6 Prozent reduzieren – mehr als doppelt so stark wie der österreichweite Durchschnitt von 2,6 Prozent. Diese positive Entwicklung ist Teil einer umfassenden Klimastrategie, die Wien als erste österreichische Stadt bis 2040 klimaneutral machen soll.
Mit dem im April 2025 in Kraft getretenen Wiener Klimagesetz hat Wien als erstes Bundesland Österreichs das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 gesetzlich verankert. Das Gesetz definiert drei zentrale Säulen der Stadtpolitik: Klimaschutz, Klimaanpassung und Kreislaufwirtschaft. Konkrete Instrumente wie Klimachecks für Gesetze, Verordnungen und Bauvorhaben sowie eine klimaneutrale Beschaffung sind nun rechtlich festgeschrieben.
"Für uns zeigt die positive Klimabilanz 2025, dass wir auf dem richtigen Weg sind", erklärt Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky. "Unsere Klima-Maßnahmen wirken: Das sehen wir an der stetigen Treibhausgas-Reduktion. Ehrgeizige Klimapolitik und soziale Verantwortung sind kein Gegensatz – im Gegenteil: Wir setzen in Wien beim Klimaschutz auf ein gutes Leben für alle!"
Ein besonderer Erfolg zeigt sich bei der Photovoltaik-Offensive: Wien übertraf das Jahresziel von 250 Megawatt peak (MWp) mit 320 MWp deutlich. Symbolträchtig war dabei die Installation von Solarmodulen auf dem Dach der Wiener Staatsoper. Parallel dazu wird das Programm "Raus aus Gas" vorangetrieben, um den Wärmebereich klimafreundlich zu transformieren.
Die Energiewende zeigt konkrete Erfolge: Während andere Regionen noch um Akzeptanz für erneuerbare Energien kämpfen, demonstriert Wien, wie städtische Energiepolitik erfolgreich umgesetzt werden kann. Die Kombination aus öffentlichen Gebäuden als Vorreiter und Anreizsystemen für Private erweist sich als wirksam.
Mit der Strategie "Zirkuläres Wien – eine runde Sache" stellte die Stadt 2025 erstmals ein Gesamtpaket zur Ressourcenwende vor. Die Kreislaufwirtschaft bildet neben Klimaschutz und Klimaanpassung den dritten Pfeiler der Wiener Klimapolitik und soll maßgeblich zum Erreichen der Klimaziele beitragen.
Diese ganzheitliche Herangehensweise unterscheidet Wien von vielen anderen Städten, die sich oft nur auf einzelne Bereiche konzentrieren. Die Verbindung von Energiewende, nachhaltiger Mobilität und Ressourcenschonung verspricht langfristig größere Erfolge.
Besonders bemerkenswert ist Wiens Leistung beim Bodenschutz: Laut aktuellem ÖROK-Monitoring bleibt Wien das Bundesland mit dem geringsten Bodenverbrauch. Pro zusätzliche Einwohnerin oder Einwohner werden nur rund 9 Quadratmeter zusätzliche Fläche in Anspruch genommen. Dies zeigt, wie nachhaltiges Stadtwachstum funktionieren kann.
Diese Effizienz ist umso bemerkenswerter, als Wien zu den am schnellsten wachsenden Städten Europas gehört. Die Kombination aus Nachverdichtung und dem Schutz von Grünräumen erfordert eine ausgeklügelte Stadtplanung, die Wien offenbar erfolgreich umsetzt.
Gegen die zunehmende Hitze in der Stadt setzt Wien auf mehr Grünflächen und innovative Kühlung: Seit 2020 wurden über 500.000 Quadratmeter Park- und Grünanlagen neu und naturnah umgestaltet. Rund 112.000 Quadratmeter wurden entsiegelt. Der ehemalige Verschiebebahnhof Breitenlee wurde zum sechsten Europaschutzgebiet in Wien erklärt – ein 90 Hektar großer Meilenstein für Biodiversität und Artenschutz.
Für unmittelbare Hitzeentlastung sorgen bereits 22 "Coole Zonen", die konsumfrei und für alle Menschen zugänglich sind. 1.600 Trinkbrunnen bieten zusätzlich rasche Abkühlung im öffentlichen Raum. Diese niederschwelligen Maßnahmen zeigen, wie Klimaanpassung sozial verträglich gestaltet werden kann.
Wien untermauert seine Klimaambition mit konkreten Investitionen: Im Budget für 2026 sind rund eine Milliarde Euro für klimawirksame Ausgaben vorgesehen. Schwerpunkte liegen beim Ausbau von Radwegen, U-Bahn- und Straßenbahnlinien sowie der Sanierung öffentlicher Gebäude wie Schulen, Sportstätten und Kindergärten.
"Ausgaben mit positivem Effekt auf die Wiener Klimaziele sind Investitionen in ein gutes Leben in Wien", betont Czernohorszky. "Wir haben ambitionierte Pläne für das nächste Jahr und investieren mehr als je zuvor für die Klimaziele der Stadt."
Konkret geplant sind die Umsetzung des Naturschutzareals Breitenlee, des Parks der Artenvielfalt und eines neuen Wasserwerks auf der Donauinsel. Weitere Entsiegelungs- und Begrünungsprojekte betreffen die Simmeringer Hauptstraße, das Nordbahnviertel und Teile der Äußeren Mariahilfer Straße.
Von 9. April bis 10. Mai 2026 findet die zweite Wiener Klima-Biennale statt. Das Kunst-Festival soll Impulse für Klimagerechtigkeit setzen und neue Ideen für eine lebenswerte Zukunft entwickeln. Parallel wird der Wiener Klimafahrplan fortgeschrieben, wobei für das zweite Halbjahr 2026 eine öffentliche Stellungnahme geplant ist.
"Wir setzen uns für die nächsten Jahre konkrete Ziele, zeigen auf, wie wir sie erreichen und verschreiben uns einer konsequenten Klimapolitik", erklärt Andreas Januskovecz, Bereichsleiter für Klimaangelegenheiten. "Ein klarer Weg Richtung Klimaneutralität gibt Planungssicherheit, sichert der Wirtschaft neue Chancen und garantiert Lebensqualität für alle Menschen in Wien."
Wiens Ansatz unterscheidet sich durch den Fokus auf soziale Verträglichkeit: Klimaschutzmaßnahmen werden so gestaltet, dass sie allen Bevölkerungsschichten zugutekommen. Die kostenlosen Coolen Zonen, öffentliche Trinkbrunnen und erschwingliche öffentliche Verkehrsmittel zeigen, wie Klimapolitik und sozialer Zusammenhalt Hand in Hand gehen können.
"Klimaschutz ist und bleibt ein Fixpunkt in Wien und bei all unseren Maßnahmen steht die soziale Verträglichkeit im Vordergrund. Denn Klimaschutz ist für mich nur dann erfolgreich, wenn alle Menschen von ihm profitieren", betont Czernohorszky.
Mit dieser Strategie könnte Wien zum Modell für andere Städte werden, die vor der Herausforderung stehen, Klimaschutz gesellschaftlich verträglich zu gestalten. Die positive Emissionsentwicklung und das umfassende Maßnahmenpaket zeigen: Ambitionierte Klimapolitik und Lebensqualität müssen kein Widerspruch sein.