
Hamburg - Der Fall eines italienischen Hausmeisters, der eine minderjährige Schülerin belästigt, ihr in die Hose greift und im Anschluss ungeschoren davon kommt, weil die Tat weniger als zehn Sekunden gedauert habe, schlägt weltweit hohe Wellen. Jetzt schließen sich zahlreiche Künstleragenturen und
Der Fall eines italienischen Hausmeisters, der eine minderjährige Schülerin belästigt, ihr in die Hose greift und im Anschluss ungeschoren davon kommt, weil die Tat weniger als zehn Sekunden gedauert habe, schlägt weltweit hohe Wellen. Jetzt schließen sich zahlreiche Künstleragenturen und Personen des öffentlichen Lebens in Deutschland zusammen und bündeln ihre Reichweite, um auf das Versagen der Justiz aufmerksam zu machen und gleichzeitig in Erinnerung zu rufen, dass bereits eine Sekunde des Übergriffs genau eine Sekunde zu viel ist.
Zehn Sekunden – so lange muss sexuelle Belästigung in Italien offenbar dauern, um strafbar zu sein. Das entschied ein Gericht in Rom, nachdem ein Hausmeister “aus Spaß”, wie der Täter ohne Scheu zugab, einer Schülerin im Alter von 17 Jahren in die Hose griff – doch offenbar nicht lange genug, um dafür belangt zu werden. Für Betroffene und all jene, die aktiv für Frauenrechte kämpfen, ist das Urteil ein Schlag ins Gesicht, denn selten wurde ein Übergriff derart öffentlich bagatellisiert. Besonders in sozialen Medien wird der Vorfall diskutiert – und dort regt sich Widerstand, auch in Deutschland. Die Kreativagentur 9:16 und die Künstlermanagements von WeCreate, ALL IN-Artist Management, The People Agency, Enkime und For You Agency griffen die aus Italien stammende Kampagnenidee auf und verbreiteten sie in ihrem Netzwerk. Keine 72 Stunden später waren Statements im Netz, darunter solche von Creators wie Anna Gazanis, How2shirli, Feli/Videozeugs, Marie Sophie oder den Models und SchauspielerInnen Elena Carriere, Carlos Böttcher, Melanie Kroll. Sie alle nutzen ihre Reichweite für eine Awareness-Kampagne, um auf die nach wie vor schwelenden Missstände im Umgang mit Frauen hinzuweisen. In ihren Videos unter dem Hashtag #zehnsekunden & #10sekunden thematisieren sie nicht nur den Vorfall in Italien, sondern berichten teils auch von eigenen Erfahrungen.
“Sehr viele Mädchen, teils sehr junge, machen ähnliche Erfahrungen”, sagt Streamerin und Content Creatorin Anna Gazanis, “so auch ich. Deshalb ging mir das Thema sehr nahe und ich wollte unbedingt einen Beitrag leisten, damit sexuelle Übergriffe nicht mehr heruntergespielt werden.” In die gleiche Kerbe schlägt Creatorin “HowtoShirli”: “Die Diskussion darum ist wichtig, um solche Situationen in der Zukunft zu vermeiden und dafür zu sorgen, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.”
Mit der #zehnsekunden-Kampagne wird ein Zeichen gegen sexuelle Belästigung und für den Schutz von Frauen gesetzt. Adil Sbai, CEO von WeCreate, erklärt: “Offensichtlich gibt es auch 2023 noch ‘Fehler im System’, auf die wir hinweisen sollten. Gesellschaftlicher Wandel passiert nicht über Nacht, aber es sind Aktionen wie diese, die hoffentlich aufklären und sensibilisieren."
Hunderte überwiegend junge Menschen schlossen sich in den letzten Tagen dem Hashtag und der Kampagnenidee an, die allein im DACH-Raum und auf TikTok 40 Millionen Views, 4 Millionen Likes und circa 20.000 Kommentare generierte.