Die Hitze hat Österreich fest im Griff und die Folgen könnten dramatischer nicht sein. Der WWF Österreich hat eine dringende Warnung ausgesprochen und fordert die Bundesregierung auf, sofort zu handeln. Die Umweltschutzorganisation schlägt ein umfassendes „natürliches Hitzeschutz-Programm“ vor, das
Die Hitze hat Österreich fest im Griff und die Folgen könnten dramatischer nicht sein. Der WWF Österreich hat eine dringende Warnung ausgesprochen und fordert die Bundesregierung auf, sofort zu handeln. Die Umweltschutzorganisation schlägt ein umfassendes „natürliches Hitzeschutz-Programm“ vor, das die heißen Sommermonate erträglicher machen soll. Doch was genau steckt hinter dieser Forderung und welche Auswirkungen hat das auf uns alle?
Seit Wochen stöhnen die Österreicher unter der anhaltenden Hitze. Temperaturen klettern regelmäßig über 30 Grad Celsius und machen das Leben in den Städten zur Qual. Besonders betroffen sind die sogenannten „Hitzeinseln“. Diese entstehen in dicht bebauten Gebieten, wo der Asphalt die Hitze speichert und die Temperaturen nachts kaum sinken lässt. Eine Studie der Geosphere Austria zeigt, dass diese Gebiete bis zu neun Grad wärmer sein können als das Umland.
Hitzeinseln sind städtische Bereiche, die sich aufgrund der dichten Bebauung und des fehlenden Grüns stärker aufheizen als das Umland. Der Boden aus Beton und Asphalt speichert die Hitze und gibt sie nur langsam wieder ab. In der Nacht kühlt es daher kaum ab, was besonders für ältere Menschen und Kinder gefährlich werden kann.
Der WWF Österreich hat die Bundesregierung aufgefordert, ein „natürliches Hitzeschutz-Programm“ umzusetzen. Dieses Programm soll unter anderem eine österreichweite Entsiegelungs-Offensive beinhalten. Ziel ist es, mehr Grünflächen in den Städten zu schaffen und den Boden vor weiterer Versiegelung zu schützen. „Natur statt Beton“ lautet das Motto von Simon Pories, dem Bodenschutzsprecher des WWF.
Unter Entsiegelung versteht man das Entfernen von Asphalt und Beton, um den natürlichen Boden wieder freizulegen. Dies ermöglicht es, dass Regenwasser versickern kann und die natürliche Kühlung durch Vegetation wieder möglich wird. Die Entsiegelung ist ein wichtiger Schritt, um die Hitze in den Städten zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.
Die Versiegelung von Böden ist kein neues Phänomen. Seit der Industrialisierung wurden immer mehr Flächen zubetoniert, um Platz für Straßen, Gebäude und Industrieanlagen zu schaffen. In Österreich werden laut WWF täglich elf Hektar Boden verbraucht, etwa die Hälfte davon wird versiegelt. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass die natürlichen Klimaregulatoren, wie Bäume und Grünflächen, immer weiter zurückgedrängt wurden.
Andere Länder haben bereits erkannt, dass eine Umkehr dieser Entwicklung notwendig ist. In Deutschland beispielsweise gibt es bereits zahlreiche Projekte zur Entsiegelung und Begrünung von Städten. Auch in den Niederlanden wird verstärkt auf „grüne Infrastruktur“ gesetzt, um die Städte an die steigenden Temperaturen anzupassen.
Der WWF fordert die Bundesregierung auf, die sogenannte „Umwidmungsabgabe“ zweckzubinden. Diese Abgabe soll Städte und Gemeinden bei der Entsiegelung und Renaturierung unterstützen. Darüber hinaus wird eine rasche Umsetzung der EU-Renaturierungsverordnung und eine Reform der Raumordnung durch die Bundesländer gefordert.
Die Umwidmungsabgabe ist eine Gebühr, die bei der Umwandlung von landwirtschaftlichen Flächen in Bauland erhoben wird. Der WWF schlägt vor, diese Gelder gezielt für Projekte zur Entsiegelung und Begrünung einzusetzen.
Die Bundesregierung steht in der Pflicht, schnell zu handeln. Bisher fehlen wirksame Maßnahmen und verbindliche Ziele, um den Bodenverbrauch zu reduzieren und die Städte an die Klimakrise anzupassen. Der WWF kritisiert, dass der wichtige Biodiversitätsfonds stark gekürzt wurde, während umweltschädliche Subventionen ausgeweitet wurden.
Ein Experte erklärt: „Die Klimakrise wird sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen. Punktuelle und kosmetische Maßnahmen reichen nicht aus. Wir brauchen ein umfassendes Programm, das alle Bereiche des Naturschutzes umfasst.“
Für die Bürger hat die zunehmende Hitze konkrete Auswirkungen. Die Wohnqualität sinkt, die Gesundheitsrisiken steigen und auch die Infrastruktur leidet. Besonders ältere Menschen und Kinder sind gefährdet. Eine Entsiegelung und Begrünung der Städte könnte hier Abhilfe schaffen und die Lebensqualität deutlich verbessern.
Jeder Einzelne kann dazu beitragen, die Hitze in den Städten zu reduzieren. Schon kleine Maßnahmen wie das Pflanzen von Bäumen oder das Anlegen von Grünflächen im eigenen Garten können einen Unterschied machen. Auch das Bewusstsein für den eigenen Energieverbrauch und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel statt des Autos tragen zur Reduzierung der Hitzeinseln bei.
Die Klimakrise wird nicht verschwinden, sie wird sich weiter verschärfen. Umso wichtiger ist es, jetzt die richtigen Schritte zu unternehmen. Der WWF fordert eine Obergrenze für den Bodenverbrauch, eine Entsiegelungs-Offensive und die rasche Umsetzung von Renaturierungsprojekten. Nur so können wir die Auswirkungen der Klimakrise abmildern und die Lebensqualität in den Städten erhalten.
Es bleibt zu hoffen, dass die Bundesregierung die Forderungen des WWF ernst nimmt und schnell handelt. Die Zeit drängt und die Folgen der Untätigkeit könnten verheerend sein. Doch mit den richtigen Maßnahmen und einem gemeinsamen Kraftakt können wir die Städte wieder lebenswert machen und die Natur zurück in die urbanen Räume holen.
Für weitere Informationen und aktuelle Zahlen empfiehlt der WWF den Blick in den aktuellen WWF-Bodenreport.