Am 17. September 2025 wurde in Österreich ein dringender Appell an die Öffentlichkeit gerichtet: Zum Weltalzheimertag fordern die Volkshilfe, Demenz Selbsthilfe Austria und die Interessengemeinschaft Pflegender Angehöriger mehr leistbare Unterstützungsangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehö
Am 17. September 2025 wurde in Österreich ein dringender Appell an die Öffentlichkeit gerichtet: Zum Weltalzheimertag fordern die Volkshilfe, Demenz Selbsthilfe Austria und die Interessengemeinschaft Pflegender Angehöriger mehr leistbare Unterstützungsangebote für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen. Diese Forderung kommt nicht von ungefähr, denn die Situation der pflegenden Angehörigen in Österreich ist alarmierend.
Die Volkshilfe hat im Jahr 2024 eine umfassende Befragung durchgeführt, die erschreckende Ergebnisse zutage förderte: Neun von zehn befragten Angehörigen von Menschen mit Demenz fühlen sich durch die Pflege stark belastet. Diese Belastung ist nicht nur emotional, sondern oft auch physisch und finanziell. Birgit Meinhard-Schiebel, Präsidentin der Interessengemeinschaft Pflegender Angehöriger, betont die besondere Herausforderung, der sich pflegende Angehörige stellen müssen. Die Demenzkranken ziehen oft ihre vertrauten Bezugspersonen allen anderen vor, was die Angehörigen an ihre Grenzen bringt.
Die Pflege von Demenzkranken ist zeitintensiv und erfordert viel Geduld und Fachwissen. Besonders problematisch ist, dass die Hemmschwelle, sich Hilfe zu holen, bei vielen Betroffenen sehr hoch ist. Asita Sepandj, Leiterin des Gerontopsychiatrischen Zentrums des Psychosozialen Dienstes Wien, unterstreicht die Notwendigkeit niederschwelliger und leistbarer Angebote. Diese sind unverzichtbar, um den pflegenden Angehörigen die dringend benötigte Entlastung zu bieten.
Ein weiteres Problem ist die Ungleichheit der Unterstützung in den verschiedenen Bundesländern. Während in Wien vielleicht ausreichend Angebote vorhanden sind, sieht die Situation in Tirol oder dem Burgenland ganz anders aus. Teresa Millner-Kurzbauer von der Volkshilfe beschreibt diese Unterschiede als untragbar. Menschen mit Demenz haben Anspruch auf gleiche Hilfe, unabhängig davon, wo sie leben.
Diese Ungleichheit führt zu einer tiefen Verzweiflung bei den Angehörigen. Erich Fenninger, Direktor der Volkshilfe Österreich, fordert eine Reform des Pflegesystems, um mehr Gerechtigkeit und gleiche Chancen zu schaffen. Derzeit gehen viele Familien im Förderdschungel verloren, während benachbarte Bundesländer bessere und günstigere Angebote haben.
Die Problematik der Pflege in Österreich ist nicht neu. Bereits seit den 1990er Jahren wird die Pflege von älteren und kranken Menschen zunehmend in die Hände der Familien gelegt. Dies hat historische Gründe, da Österreich, ähnlich wie viele andere europäische Länder, lange Zeit auf ein starkes familiäres Netzwerk setzte. Doch mit der zunehmenden Alterung der Bevölkerung und der damit verbundenen Zunahme von Demenzerkrankungen stößt dieses Modell an seine Grenzen.
Politisch gesehen ist die Pflegefinanzierung in Österreich ein komplexes Geflecht aus Bundes- und Landeskompetenzen. Während der Bund die Rahmenbedingungen setzt und finanzielle Mittel bereitstellt, sind die Länder für die konkrete Umsetzung verantwortlich. Dies führt zu den erwähnten Unterschieden in der Versorgung, die nun dringend angegangen werden müssen.
Für die Betroffenen bedeutet dies oft, dass sie auf sich allein gestellt sind. Die Suche nach passenden Unterstützungsangeboten gleicht einer Odyssee durch den Förderdschungel. Viele Angehörige berichten von langen Wartezeiten und bürokratischen Hürden, die kaum zu überwinden sind.
Ein fiktiver Experte könnte die Situation so zusammenfassen: "Die Pflege von Demenzkranken ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Die Angehörigen leisten Unglaubliches, doch ohne die nötige Unterstützung drohen viele zu scheitern. Wir müssen jetzt handeln, um diese Menschen nicht im Stich zu lassen."
Die Forderungen der Volkshilfe und ihrer Partner sind klar: Es braucht neue, innovative und gezielte Unterstützungsmöglichkeiten. Dazu gehören:
Ewald Sacher, Präsident der Volkshilfe Österreich, spricht von der Dringlichkeit dieser Maßnahmen. Die Unterstützung muss treffsicherer und niederschwelliger werden, um wirklich bei den Betroffenen anzukommen.
Ein Lichtblick in der dunklen Pflegewelt ist der neue Podcast "TROTZ DEMENZ", der von der Volkshilfe produziert wird. Dieser bietet wertvolle Informationen zu Demenz und bestehenden Unterstützungsangeboten und wird vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz gefördert. Hier können sich Betroffene und Interessierte umfassend informieren und wertvolle Tipps holen. Der Podcast ist unter www.demenz-hilfe.at/podcast erreichbar.
Der Weltalzheimertag 2025 sollte uns allen zu denken geben. Die Herausforderungen, vor denen Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen stehen, sind enorm. Es liegt an der Gesellschaft, diesen Menschen die Unterstützung zu bieten, die sie verdienen. Die Forderungen der Volkshilfe und ihrer Partner sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Doch ohne die nötige politische und gesellschaftliche Unterstützung wird sich nichts ändern.
Es ist Zeit, dass wir als Gesellschaft zusammenstehen und den pflegenden Angehörigen die Unterstützung bieten, die sie so dringend benötigen. Denn nur so können wir sicherstellen, dass niemand im Stich gelassen wird.