In einer eindrucksvollen Medienaktion hat die Sozialistische Jugend Österreich, angeführt von ihrer Vorsitzenden Larissa Zivkovic, die Missstände rund um unbezahlte Pflichtpraktika in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Am 1. Oktober 2025 veranstaltete die Organisation ein Event, das sowohl aufrüt
In einer eindrucksvollen Medienaktion hat die Sozialistische Jugend Österreich, angeführt von ihrer Vorsitzenden Larissa Zivkovic, die Missstände rund um unbezahlte Pflichtpraktika in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Am 1. Oktober 2025 veranstaltete die Organisation ein Event, das sowohl aufrüttelnd als auch spielerisch die Ungerechtigkeiten in der Praktikumswelt aufzeigte. Doch was steckt hinter dieser Aktion und warum ist das Thema so brisant?
Unbezahlte Praktika sind kein neues Phänomen, doch ihre Existenz und die damit verbundene Ausbeutung junger Menschen stößt zunehmend auf Kritik. Larissa Zivkovic machte in ihrer Rede deutlich, dass es sich hierbei nicht nur um eine Frage der Fairness, sondern auch der sozialen Gerechtigkeit handelt. „Was für viele nach ersten Erfahrungen in der Arbeitswelt klingt, bedeutet in Wahrheit für zehntausende Jugendliche nichts anderes als Ausbeutung: volle Arbeit ohne Lohn, ohne Sozialversicherung und ohne Urlaubsanspruch“, so Zivkovic.
Ein zentrales Element der Aktion war ein Glücksrad, an dem Schüler*innen ihr vermeintliches Praktikumsgehalt „erdrehen“ konnten. Die möglichen Ergebnisse reichten von „Pech gehabt, dein Praktikum ist unbezahlt!“ über „Geld gibt’s keins, aber ein gratis Mittagessen!“ bis hin zu einem Jackpot von 1.000 Euro. Dieses Spiel verdeutlichte die Willkür und Ungerechtigkeit, die bei der Vergabe von bezahlten oder unbezahlten Praktika herrscht. „Es darf nicht vom Zufall, den Kontakten der Eltern oder dem Geschlecht abhängen, ob junge Menschen für ihre Arbeit entlohnt werden“, betonte Zivkovic.
Die Problematik unbezahlter Praktika ist tief in der Geschichte verwurzelt. Bereits in den 1970er Jahren begannen Unternehmen, Praktika als günstige Arbeitskraftquelle zu nutzen. Damals wie heute fehlt es oft an klaren gesetzlichen Regelungen, die die Rechte der Praktikant*innen schützen. In Österreich sind viele Praktika, insbesondere in sogenannten „Frauenberufen“, unbezahlt, was die soziale Ungleichheit weiter verstärkt.
Ein Blick über die Landesgrenzen zeigt, dass Österreich mit diesem Problem nicht allein dasteht. In Deutschland etwa wird seit Jahren über die Einführung eines Mindestlohns für Praktikant*innen diskutiert, während Länder wie Frankreich bereits gesetzliche Regelungen zur Bezahlung von Praktika eingeführt haben. Diese internationalen Beispiele zeigen, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, das System gerechter zu gestalten.
Unbezahlte Praktika haben weitreichende Konsequenzen für die betroffenen Jugendlichen. Neben der finanziellen Belastung, die viele dazu zwingt, neben dem Praktikum noch einen Nebenjob zu haben, sind auch die psychischen Auswirkungen erheblich. Die ständige Unsicherheit und der Druck, sich beweisen zu müssen, führen nicht selten zu Stress und Burnout.
Ein fiktiver Experte für Arbeitsrecht erklärt: „Unbezahlte Praktika sind ein Relikt aus einer Zeit, in der Arbeitskraft als selbstverständlich und kostenlos angesehen wurde. Es ist an der Zeit, dass wir dieses System überdenken und jungen Menschen die Wertschätzung entgegenbringen, die sie verdienen.“
Zivkovic fordert eine klare gesetzliche Regelung, die sicherstellt, dass Pflichtpraktika nach Kollektivvertrag bezahlt werden. Dies würde nicht nur die finanzielle Lage der Praktikant*innen verbessern, sondern auch die Qualität der Praktika selbst erhöhen. Arbeitgeber wären gezwungen, wertvolle und lehrreiche Erfahrungen zu bieten, um die Investition in die Praktikant*innen zu rechtfertigen.
Die Forderung nach bezahlten Praktika steht im Kontext einer breiteren Debatte über soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit. In Österreich gibt es immer wieder Diskussionen über die Reform des Bildungssystems und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für junge Menschen. Die Kampagne „Baustelle Bildung“, in deren Rahmen die Aktion stattfand, zielt darauf ab, diese Themen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und konkrete Verbesserungen zu fordern.
Die Zukunft der Praktika in Österreich hängt maßgeblich von den politischen Entscheidungen der kommenden Jahre ab. Sollte es gelingen, eine gesetzliche Regelung zur Bezahlung von Praktika einzuführen, könnte dies ein wichtiger Schritt in Richtung eines gerechteren Bildungssystems sein. Die Sozialistische Jugend Österreich hat mit ihrer Aktion einen wichtigen Impuls gegeben, doch es wird weiterer Druck von Seiten der Zivilgesellschaft notwendig sein, um langfristige Veränderungen zu erreichen.
Ein weiterer fiktiver Bildungsexperte ergänzt: „Die Einführung bezahlter Praktika wäre ein bedeutender Fortschritt für die Chancengleichheit in Österreich. Es würde nicht nur die finanzielle Situation vieler junger Menschen verbessern, sondern auch die Qualität der Ausbildung erhöhen, da Unternehmen gezwungen wären, ihre Praktikumsprogramme zu überdenken.“
Die Diskussion um unbezahlte Praktika ist ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, gesellschaftliche Missstände offen anzusprechen und Veränderungen einzufordern. Die Aktion der Sozialistischen Jugend Österreich hat gezeigt, dass es möglich ist, komplexe Themen auf kreative Weise zu kommunizieren und so eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Es bleibt zu hoffen, dass die politischen Entscheidungsträger diesen Impuls aufnehmen und die notwendigen Schritte einleiten, um die Situation der Praktikant*innen in Österreich nachhaltig zu verbessern.
Fotos der Medienaktion sind bei Nennung der Fotografin (Asja Ahmetović) frei verfügbar: Link zu den Fotos