Wiener Industriekonzern verbucht 2025 rotes Jahresergebnis – Kostenmaßnahmen zeigen aber Wirkung im Kerngeschäft
Die Frauenthal Holding AG meldet für 2025 ein Minus von bis zu 40 Millionen Euro. Der Verkauf der Automotive-Sparte belastet das Ergebnis massiv.
Die Frauenthal Holding AG hat am Montag vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 veröffentlicht, die ein gemischtes Bild zeichnen. Während das operative Kerngeschäft deutliche Verbesserungen zeigt, führt der Verkauf der Automotive-Sparte zu einem erheblichen Konzernverlust. Das Wiener Unternehmen, das an der Wiener Börse notiert ist, rechnet mit einem Jahresergebnis zwischen minus 35 und minus 40 Millionen Euro.
Der im Dezember 2025 vollzogene Verkauf der gesamten Division Frauenthal Automotive erweist sich als kostspieliger Einschnitt in der Unternehmensgeschichte. Allein der Verlust aus der Veräußerung dieses Geschäftsbereichs beläuft sich auf rund 42 Millionen Euro. Dieser außerordentliche Effekt überlagert die operativen Fortschritte des Konzerns und drückt das Gesamtergebnis tief in die roten Zahlen.
Die Automotive-Division, die nun als aufgegebener Geschäftsbereich gemäß den internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS 5 ausgewiesen wird, erzielte im Zeitraum von Januar bis November 2025 einen Umsatz von rund 190 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr, als der Bereich noch das gesamte Jahr umfasste und 207 Millionen Euro erwirtschaftete, zeigt sich hier ein deutlicher Rückgang. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag bei etwa 5 Millionen Euro – die Sparte war also durchaus profitabel, bevor die Verkaufsentscheidung getroffen wurde.
Deutlich erfreulicher präsentiert sich die Entwicklung im fortzuführenden Kerngeschäft, der Division Frauenthal Handel. Trotz eines leicht rückläufigen Umsatzes von rund 790 Millionen Euro – nach 807 Millionen Euro im Vorjahr – konnte das Unternehmen sein operatives Ergebnis erheblich steigern. Das EBIT wird voraussichtlich zwischen 12 und 14 Millionen Euro liegen, was nahezu einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahreswert von 6,5 Millionen Euro entspricht.
Diese bemerkenswerte Verbesserung der Profitabilität ist das Resultat umfangreicher Kostensenkungsmaßnahmen, die bereits im Jahr 2024 eingeleitet wurden. Die Effizienzsteigerungen zeigen nun ihre volle Wirkung und kompensieren den Umsatzrückgang mehr als deutlich. Für ein Unternehmen, das in einem schwierigen Marktumfeld agiert, ist diese Entwicklung ein positives Signal an Investoren und Geschäftspartner.
Der Umsatzrückgang von etwa zwei Prozent im Handelsgeschäft mag auf den ersten Blick bescheiden erscheinen, reflektiert jedoch die angespannte wirtschaftliche Lage in Österreich und den europäischen Kernmärkten. Die Baubranche, ein wichtiger Abnehmer für die Handelssparte von Frauenthal, durchlebt eine Phase gedämpfter Investitionstätigkeit. Steigende Zinsen und eine verhaltene Konjunktur haben die Nachfrage nach Bauprodukten und technischen Installationen gebremst.
Mit dem Verkauf der Automotive-Division hat sich die Frauenthal Holding strategisch neu positioniert. Das Unternehmen konzentriert sich künftig ausschließlich auf sein Handelsgeschäft, das technische Produkte und Dienstleistungen für verschiedene Branchen umfasst. Diese Fokussierung soll langfristig zu einer stabileren Geschäftsentwicklung beitragen und die Abhängigkeit von den volatilen Automobilmärkten beenden.
Die Entscheidung zum Verkauf der Automotive-Sparte fiel zu einem Zeitpunkt, als die europäische Automobilindustrie unter erheblichem Transformationsdruck steht. Der Übergang zur Elektromobilität, verschärfte Umweltauflagen und eine zunehmende Konkurrenz aus Asien belasten traditionelle Zulieferer. Vor diesem Hintergrund erscheint die strategische Neuausrichtung nachvollziehbar, auch wenn sie kurzfristig zu erheblichen Buchverlusten führt.
Der Veräußerungsverlust von 42 Millionen Euro setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen. Neben dem reinen Verkaufspreis spielen Faktoren wie Firmenwert-Abschreibungen, Transaktionskosten und mögliche Rückstellungen eine Rolle. Diese Einmaleffekte werden das Ergebnis des Geschäftsjahres 2025 prägen, sollten aber in den Folgejahren nicht mehr auftreten.
In ihrer Ad-hoc-Mitteilung dämpft die Frauenthal Holding die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr 2026. Das Unternehmen geht aus heutiger Sicht nicht von einer Erholung der Marktsituation in den fortzuführenden Geschäftsbereichen aus. Diese vorsichtige Prognose spiegelt die anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheiten wider, die auch andere österreichische Industrieunternehmen beschäftigen.
Die Inflation hat sich zwar von ihren Höchstständen zurückgebildet, doch die Nachwirkungen der Teuerungswelle belasten weiterhin die Konsumausgaben und Investitionsentscheidungen. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten und die schwache Konjunktur in wichtigen Handelspartnern wie Deutschland. Für ein Unternehmen wie Frauenthal, das stark im deutschsprachigen Raum verankert ist, sind dies keine einfachen Rahmenbedingungen.
Die nun veröffentlichten Zahlen sind noch ungeprüft und vorläufig. Die endgültigen, vom Wirtschaftsprüfer testierten Ergebnisse werden mit dem Jahresfinanzbericht und dem Geschäftsbericht am 29. April 2026 vorgelegt. Bis dahin können sich die genannten Werte noch geringfügig ändern, wobei die grundsätzliche Tendenz – ein Konzernverlust bei gleichzeitig verbessertem operativen Ergebnis im Kerngeschäft – als gesichert gilt.
Für die Aktionäre der Frauenthal Holding bedeutet das vorläufige Ergebnis eine Phase der Unsicherheit. Der erhebliche Jahresverlust wirft Fragen hinsichtlich einer möglichen Dividendenausschüttung auf. Traditionell hat das Unternehmen seinen Anteilseignern eine Beteiligung am Unternehmenserfolg ermöglicht, doch angesichts der aktuellen Zahlen könnte eine Anpassung der Ausschüttungspolitik notwendig werden.
Die Aktie der Frauenthal Holding wird im amtlichen Handel an der Wiener Börse gehandelt. Die ISIN lautet AT0000762406. Das Unternehmen mit Sitz am Rooseveltplatz in Wien beschäftigt nach dem Verkauf der Automotive-Division deutlich weniger Mitarbeiter als zuvor, bleibt aber ein bedeutender Akteur im österreichischen Großhandel für technische Produkte.
Die Entwicklung bei Frauenthal steht exemplarisch für die Herausforderungen, denen sich viele mittelständische Industrieunternehmen in Österreich gegenübersehen. Der Strukturwandel in der Automobilindustrie zwingt Zulieferer zu schwierigen Entscheidungen. Gleichzeitig bieten konjunkturelle Abschwünge Unternehmen die Chance, ihre Kostenstrukturen zu überdenken und effizienter zu werden.
Dass Frauenthal trotz rückläufiger Umsätze sein operatives Ergebnis im Handelsgeschäft nahezu verdoppeln konnte, zeugt von einer konsequenten Umsetzung der Restrukturierungsmaßnahmen. Diese Fähigkeit zur Anpassung könnte sich als entscheidender Wettbewerbsvorteil erweisen, wenn sich die Konjunktur wieder erholt.
Mit dem Fokus auf das Handelsgeschäft hat sich Frauenthal für einen Bereich entschieden, der weniger kapitalintensiv ist als die Automobilzulieferung. Die geringeren Investitionsanforderungen könnten mittelfristig zu stabileren Cashflows führen und die finanzielle Flexibilität des Unternehmens erhöhen. Allerdings wird der Konzern auch weniger von einem möglichen Aufschwung in der Automobilindustrie profitieren können.
Die kommenden Quartale werden zeigen, ob das Unternehmen seinen Kurs der Kostendisziplin beibehalten und möglicherweise sogar Marktanteile hinzugewinnen kann. In einem schwachen Marktumfeld haben oft jene Unternehmen die besten Karten, die ihre Hausaufgaben gemacht haben. Die vorläufigen Zahlen deuten darauf hin, dass Frauenthal zu dieser Kategorie gehören könnte.