Am 23. September 2025 hat die Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ) eine Pressemitteilung veröffentlicht, die für Aufsehen sorgt: Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) steht am Pranger. Josef Moosbrugger, Präsident der LKÖ, fordert nicht nur einen Stopp, sondern die komplette Abschaffung der Verordnu
Am 23. September 2025 hat die Landwirtschaftskammer Österreich (LKÖ) eine Pressemitteilung veröffentlicht, die für Aufsehen sorgt: Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) steht am Pranger. Josef Moosbrugger, Präsident der LKÖ, fordert nicht nur einen Stopp, sondern die komplette Abschaffung der Verordnung. Doch was steckt hinter dieser Forderung und warum ist sie für Österreich besonders brisant?
Die EU-Entwaldungsverordnung, kurz EUDR, wurde ins Leben gerufen, um die Entwaldung in Europa und weltweit zu bekämpfen. Sie zielt darauf ab, die Einfuhr von Produkten zu regulieren, die mit Entwaldung in Verbindung stehen. Dazu gehören unter anderem Soja, Palmöl, Rindfleisch, Holz, Kakao und Kaffee. Die Verordnung verpflichtet Unternehmen, nachzuweisen, dass ihre Lieferketten entwaldungsfrei sind. Auf den ersten Blick ein lobenswertes Ziel, doch die Umsetzung sorgt für erhebliche Kritik.
Österreich ist ein Land, das mehr mit Verwaldung als mit Entwaldung zu kämpfen hat. Das bedeutet, dass die Wälder hierzulande eher wachsen als schrumpfen. Laut Statistik Austria hat die Waldfläche in Österreich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen. Dies steht im Gegensatz zu Ländern wie Brasilien oder Indonesien, wo die Entwaldung ein gravierendes Problem darstellt.
Josef Moosbrugger argumentiert, dass die EUDR für Länder wie Österreich, die keine Entwaldungsprobleme haben, keinen Sinn ergibt und sogar schädlich ist. Besonders kleinere bäuerliche und verarbeitende Betriebe könnten die bürokratischen Anforderungen der Verordnung kaum stemmen. Die Verordnung, ursprünglich gedacht, um die nach Europa liefernde Industrie zu regulieren, könnte somit vor allem heimische Betriebe belasten.
Der Widerstand gegen die EUDR wird von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig angeführt, der sich in Brüssel massiv für einen Stopp der Verordnung einsetzt. Die EU-Kommission wird aufgefordert, nicht nur von Entbürokratisierung zu sprechen, sondern auch zu handeln. Die Forderung nach einem Stopp der EUDR ist dabei nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine politische. Sie wirft Fragen zur Rolle der EU in der nationalen Gesetzgebung auf und zur Fähigkeit, regionale Unterschiede in der Gesetzgebung zu berücksichtigen.
Während Österreich sich gegen die EUDR wehrt, gibt es andere EU-Länder, die von der Verordnung profitieren könnten. Länder mit hohen Entwaldungsraten wie Rumänien oder Polen sehen in der EUDR eine Chance, den Raubbau an ihren Wäldern zu stoppen. Die unterschiedlichen Interessen innerhalb der EU machen eine einheitliche Regelung schwierig.
Für die Bürger in Österreich könnte die EUDR erhebliche Auswirkungen haben. Steigende Preise für Holzprodukte, eingeschränkte Verfügbarkeit von heimischen Lebensmitteln und der Verlust von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft sind nur einige der möglichen Folgen. Besonders in ländlichen Regionen, wo die Landwirtschaft eine zentrale Rolle spielt, könnten die wirtschaftlichen Auswirkungen gravierend sein.
Ein Experte für europäische Agrarpolitik erklärt: "Die EUDR ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine gut gemeinte Regelung in der Praxis mehr Schaden als Nutzen anrichten kann. Es ist wichtig, dass die EU-Kommission die regionalen Unterschiede in der Entwaldungspolitik berücksichtigt und flexible Lösungen findet."
Die Zukunft der EUDR ist ungewiss. Sollte die EU-Kommission die Verordnung nicht anpassen, könnte der Widerstand aus Ländern wie Österreich weiter wachsen. Eine mögliche Lösung könnte darin bestehen, die Verordnung zu regionalisieren und den Mitgliedsstaaten mehr Spielraum bei der Umsetzung zu lassen. Dies könnte dazu beitragen, die unterschiedlichen Bedürfnisse und Herausforderungen der einzelnen Länder besser zu berücksichtigen.
Am Ende bleibt die Frage, ob die EU in der Lage ist, eine Balance zwischen Umweltschutz und wirtschaftlichen Interessen zu finden. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Rufe nach einer Abschaffung der EUDR Gehör finden und welche Auswirkungen dies auf die europäische Agrarpolitik haben könnte.
Für weitere Informationen zur Pressemitteilung der LKÖ können Sie den Original-Artikel hier lesen.