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Drei Frauen triumphieren bei ÖPUK-Wissenschaftspreisen 2024

10. April 2026 um 10:28
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Im prächtigen Ambiente des Wiener Rathauses wurden gestern Abend die renommierten Brigitte-Hamann-Preise der Österreichischen Privatuniversitätenkonferenz (ÖPUK) verliehen. Ein besonderes Zeichen s...

Im prächtigen Ambiente des Wiener Rathauses wurden gestern Abend die renommierten Brigitte-Hamann-Preise der Österreichischen Privatuniversitätenkonferenz (ÖPUK) verliehen. Ein besonderes Zeichen setzte dabei die Tatsache, dass alle drei mit je 5.000 Euro dotierten Auszeichnungen an Frauen gingen – ein bemerkenswertes Signal in einer Zeit, in der die Gleichberechtigung in Wissenschaft und Forschung noch immer diskutiert wird. Die Preisträgerinnen stammen aus den Bereichen Medizin, Tanz und digitale Innovation und repräsentieren die Vielfalt und Exzellenz der österreichischen Privatuniversitäten.

Revolutionäre Hautforschung für seltene Krankheiten

Den Wissenschaftspreis erhielt PD Dr. Verena Wally von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) für ihre bahnbrechende Forschung im Bereich der Dermatologie. Die Medizinerin, die an den Salzburger Landeskliniken tätig ist, widmet sich der Erforschung der seltenen genetischen Hauterkrankung Epidermolysis bullosa, auch bekannt als "Schmetterlingskrankheit". Diese Erbkrankheit betrifft in Österreich etwa 500 Menschen und führt zu extremer Hautfragilität, bei der bereits geringste Berührungen schmerzhafte Blasen verursachen können.

Epidermolysis bullosa ist eine Gruppe von seltenen genetischen Erkrankungen, die durch Defekte in bestimmten Proteinen verursacht werden, welche für die Verbindung zwischen den Hautschichten verantwortlich sind. Die Krankheit manifestiert sich bereits bei der Geburt oder in den ersten Lebensmonaten und führt zu chronischen Wunden, Narbenbildung und in schweren Fällen zu lebensbedrohlichen Komplikationen. Für Betroffene bedeutet dies ein Leben voller Schmerzen und ständiger medizinischer Betreuung.

Dr. Wallys größter Durchbruch ist die Entwicklung einer Diacerein-haltigen Salbe, die nachweislich die Blasenbildung reduzieren kann. Diacerein ist ein Wirkstoff, der ursprünglich zur Behandlung von Arthrose entwickelt wurde, aber nun neue Hoffnung für Patienten mit Epidermolysis bullosa bietet. Die innovative Salbe befindet sich derzeit in einer internationalen Phase-II/III-Studie, einem entscheidenden Schritt vor einer möglichen Zulassung als Therapie.

Die Jury würdigte besonders die internationale Anschlussfähigkeit von Dr. Wallys Arbeit. "Sie arbeitet systematisch zentrale methodische Engpässe klinischer Forschung bei seltenen Erkrankungen auf und bietet dadurch einen unmittelbar nutzbaren Hebel für Studienqualität, Vergleichbarkeit und zukünftige Trial-Designs", erklärte Jurymitglied Sare Balli bei der Preisübergabe. Diese Forschung ist nicht nur für österreichische Patienten von Bedeutung, sondern könnte weltweit Standards in der Behandlung seltener Hautkrankheiten setzen.

Pionierarbeit in der barrierefreien Kunstvermittlung

Den Kunstpreis erhielt Katharina Senk von der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) für ihre wegweisende Arbeit in der Tanzvermittlung für sehbehinderte Menschen. Die Tänzerin und Tanzvermittlerin hat sich als Pionierin der Audiodeskription für nonverbale Künste etabliert und gehört zu nur fünf Spezialistinnen in ganz Europa auf diesem Gebiet.

Audiodeskription ist eine Form der Übersetzung visueller Inhalte in gesprochene Worte, die ursprünglich für Film und Fernsehen entwickelt wurde. Senk hat diese Technik revolutionär auf den Tanz übertragen und damit eine völlig neue Form der Kunstvermittlung geschaffen. Dabei beschreibt sie nicht nur die Bewegungen der Tänzer, sondern übersetzt auch die emotionalen und ästhetischen Dimensionen des Tanzes in Worte, sodass sehbehinderte Zuschauer ein vollständiges Kunsterlebnis haben können.

In Österreich leben etwa 318.000 Menschen mit Sehbeeinträchtigungen, davon sind rund 8.000 vollständig blind. Für diese Menschen war der Zugang zu visuellen Kunstformen wie dem Tanz bisher stark eingeschränkt. Senks Arbeit öffnet nicht nur neue kulturelle Horizonte, sondern setzt auch wichtige Impulse für die Barrierefreiheit im gesamten Kulturbereich. Ihre Methoden werden bereits von anderen Kulturinstitutionen in Österreich und Deutschland adaptiert.

"Katharina Senk beschäftigt sich intensiv mit Ästhetiken des Zugangs und Fragen von Barrierefreiheit auf vielen Ebenen", lobte Jurymitglied Christine Standfest von ImpulsTanz. Ihre eigene künstlerische Karriere als Tänzerin verleiht ihrer Vermittlungsarbeit eine besondere Authentizität und Tiefe, da sie selbst die Bewegungssprache des Tanzes von innen heraus versteht.

Digitale Innovation für die Psychotherapie

Den Start-up-Preis gewann Selin Matun von der Sigmund Freud PrivatUniversität (SFU) für ihr innovatives Unternehmen Theradocx. Die Plattform revolutioniert die Dokumentation in der Psychotherapie durch den Einsatz künstlicher Intelligenz und adressiert damit ein drängendes Problem im österreichischen Gesundheitssystem.

Psychotherapeuten in Österreich sind gesetzlich verpflichtet, ihre Therapiesitzungen ausführlich zu dokumentieren. Diese Dokumentationspflicht bindet jedoch erhebliche Ressourcen, da Therapeuten nach jeder Sitzung detaillierte Berichte erstellen müssen. Bei einer durchschnittlichen Praxis mit 25 Patienten pro Woche können so bis zu 10 Stunden zusätzliche Arbeitszeit für die reine Dokumentation anfallen – Zeit, die für die eigentliche therapeutische Arbeit fehlt.

Theradocx automatisiert diesen Prozess durch modernste Spracherkennungstechnologie und künstliche Intelligenz. Die Plattform transkribiert psychotherapeutische Sitzungen in Echtzeit, erstellt strukturierte Verlaufsberichte und ermöglicht darüber hinaus eine semantische und emotionale Analyse der Gespräche. Dabei werden höchste Datenschutzstandards eingehalten, da die Verarbeitung der sensiblen Therapiedaten ausschließlich auf deutschen Servern erfolgt und die Daten verschlüsselt übertragen werden.

Das Software-as-a-Service-Modell (SaaS) von Theradocx macht die Lösung für Therapeuten aller Praxisgrößen zugänglich. Die Plattform kann sowohl in Einzelpraxen als auch in größeren therapeutischen Einrichtungen implementiert werden und passt sich flexibel an verschiedene therapeutische Ansätze an, von der Verhaltenstherapie bis zur Psychoanalyse.

"Die wissenschaftliche Fundierung, die frühzeitige Validierung durch Anwender und das skalierbare SaaS-Modell machten es für die Jury zum ausgewogensten und zukunftsfähigsten Kandidaten", erklärte Dr. Kasia Greco bei der Preisverleihung. Das Start-up steht exemplarisch für die erfolgreiche Verbindung von angewandter künstlicher Intelligenz und medizinischer Praxis.

Österreichs Privatuniversitäten im internationalen Vergleich

Die ÖPUK, die 1999 gegründet wurde, vertritt heute 16 akkreditierte Privatuniversitäten in Österreich. Diese Institutionen haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu wichtigen Akteuren im österreichischen Hochschulsystem entwickelt. Mit rund 17.000 Studierenden machen sie etwa 4,5 Prozent aller Hochschulstudierenden in Österreich aus, wobei ihr Einfluss auf Innovation und Forschung überproportional groß ist.

Im Vergleich zu Deutschland, wo private Hochschulen einen deutlich höheren Marktanteil haben, befinden sich Österreichs Privatuniversitäten noch in einer Wachstumsphase. In Deutschland studieren etwa 8 Prozent aller Studierenden an privaten Hochschulen, in der Schweiz sind es sogar 12 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen das Potenzial für weiteres Wachstum des österreichischen Privatuniversitätssektors.

Der Brigitte-Hamann-Preis, benannt nach der renommierten österreichischen Historikerin und Publizistin, wurde 2018 erstmals verliehen und hat sich seither zu einer wichtigen Auszeichnung für Nachwuchstalente entwickelt. Die Preise würdigen nicht nur akademische Exzellenz, sondern auch Innovation, Internationalität und gesellschaftlichen Nutzen – Kriterien, die in der modernen Wissenschaftslandschaft immer wichtiger werden.

Auswirkungen auf Forschung und Gesellschaft

Die drei ausgezeichneten Projekte zeigen exemplarisch, wie moderne Wissenschaft und Forschung gesellschaftliche Herausforderungen angehen können. Dr. Wallys Forschung zu seltenen Hautkrankheiten adressiert ein Feld, das von der pharmazeutischen Industrie oft vernachlässigt wird, da der Markt für seltene Krankheiten als nicht profitabel genug gilt. Ihre Arbeit könnte jedoch einen Paradigmenwechsel in der Behandlung dieser Erkrankungen einleiten.

Katharina Senks Engagement für barrierefreie Kunstvermittlung hat direkten Einfluss auf die Lebensqualität von Menschen mit Sehbehinderungen. Ihre Methoden könnten österreichweit implementiert werden und würden damit für Tausende von Menschen den Zugang zu kulturellen Veranstaltungen erheblich verbessern. Bereits jetzt zeigen erste Pilotprojekte in Wien und Salzburg vielversprechende Ergebnisse.

Selin Matuns Theradocx könnte das österreichische Gesundheitssystem nachhaltig entlasten. Bei geschätzten 8.000 praktizierenden Psychotherapeuten in Österreich könnte eine flächendeckende Implementierung der Plattform Zehntausende von Arbeitsstunden pro Woche einsparen. Diese Zeit könnte dann für zusätzliche Therapieplätze genutzt werden – ein wichtiger Beitrag zur Lösung des Therapieplatz-Mangels in Österreich.

Zukunftsperspektiven und Trends

Die diesjährige Preisverleihung unterstreicht mehrere wichtige Trends in der österreichischen Forschungslandschaft. Zum einen zeigt sich die wachsende Bedeutung interdisziplinärer Ansätze: Alle drei Gewinnerinnen arbeiten an der Schnittstelle verschiedener Fachbereiche und verbinden traditionelle Wissenschaft mit modernen Technologien oder innovativen Vermittlungsformen.

Zum anderen wird deutlich, dass österreichische Forscher zunehmend globale Herausforderungen angehen und dabei internationale Standards setzen. Dr. Wallys internationale Studien, Senks europaweite Pionierrolle und Matuns skalierbare Technologie zeigen, dass österreichische Privatuniversitäten durchaus mit den besten Institutionen weltweit konkurrieren können.

Die Tatsache, dass alle drei Preise an Frauen gingen, ist nicht nur ein positives Signal für die Geschlechtergleichstellung in der Wissenschaft, sondern könnte auch andere junge Forscherinnen motivieren, ihre Karriere an österreichischen Privatuniversitäten zu verfolgen. Studien zeigen, dass weibliche Vorbilder in der Wissenschaft einen erheblichen Einfluss auf die Karriereentscheidungen junger Frauen haben.

Für die Zukunft plant die ÖPUK, die Preise weiterzuentwickeln und möglicherweise zusätzliche Kategorien einzuführen. Diskutiert wird beispielsweise ein Sonderpreis für Nachhaltigkeit oder für Projekte mit besonderem gesellschaftlichen Impact. Diese Entwicklung würde den wachsenden Anspruch widerspiegeln, dass Wissenschaft nicht nur exzellent, sondern auch gesellschaftlich relevant sein sollte.

Die diesjährigen Preisträgerinnen haben gezeigt, dass österreichische Privatuniversitäten ein fruchtbarer Boden für innovative Forschung und kreative Lösungsansätze sind. Ihre Arbeiten werden nicht nur die jeweiligen Fachbereiche bereichern, sondern könnten auch als Inspiration für zukünftige Generationen von Wissenschaftlern und Unternehmern dienen. In einer Zeit, in der Österreich seine Position als Innovationsstandort stärken möchte, senden solche Erfolgsgeschichten ein wichtiges Signal an die internationale Wissenschaftsgemeinschaft.

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