Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: In Österreich stehen derzeit bis zu 713 Biber auf der Abschussliste, obwohl diese Tiere EU-rechtlich streng geschützt sind. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des WWF Österreich, die die möglichen Abschuss-Kontingente in mehreren Bundesländern beleuchtet. Die
Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe: In Österreich stehen derzeit bis zu 713 Biber auf der Abschussliste, obwohl diese Tiere EU-rechtlich streng geschützt sind. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des WWF Österreich, die die möglichen Abschuss-Kontingente in mehreren Bundesländern beleuchtet. Die Zahlen sind alarmierend und haben bereits zu heftigen Reaktionen geführt.
Die Abschussgenehmigungen sind regional unterschiedlich verteilt. In Niederösterreich dürfen jährlich bis zu 392 Biber geschossen werden, in Oberösterreich sind es künftig bis zu 158, in Kärnten bis zu 148 und in Salzburg bis zu 15. Diese Zahlen sind Teil einer Politik, die der WWF Österreich scharf kritisiert.
„Immer mehr Bundesländer setzen auf Tötungen, wenn es Konflikte mit dem Biber gibt. Das löst keine Probleme – es verschärft sie. Denn wo der Biber verschwindet, leidet die Natur“, kritisiert eine Expertin des WWF. Der WWF fordert daher die Schaffung von mehr Lebensraum für den Biber, beispielsweise durch ausgewiesene Uferrandstreifen.
Der Biber ist nicht nur ein niedliches Nagetier, sondern spielt auch eine entscheidende Rolle im Ökosystem. Als sogenannter Ökosystem-Ingenieur gestaltet er seine Umgebung nachhaltig mit. Die von ihm geschaffenen Feuchtgebiete bieten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und fördern darüber hinaus den Wasserrückhalt in der Landschaft.
„Das ist gerade in Zeiten zunehmender Extremwetterereignisse ein großer Vorteil, da sowohl Überschwemmungen als auch Dürren dadurch abgefedert werden“, erklärt eine Expertin des WWF. Trotzdem werden in immer mehr Bundesländern Abschüsse der streng geschützten Tiere erlaubt – zuletzt in Salzburg.
Der Biber ist nach EU-Recht streng geschützt. Das bedeutet, dass seine Tötung nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt ist, etwa wenn er eine ernsthafte Bedrohung für die öffentliche Sicherheit darstellt. Die derzeitigen Abschusskontingente in Österreich stehen daher in einem Spannungsverhältnis zu den EU-Vorgaben.
„Die Bundesländer müssen erkennen, dass sie mit ihren Abschüssen auf dem Holzweg sind und gegen geltendes EU-Recht verstoßen“, betont der WWF. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat der WWF die Petition „Stoppt die Biber-Tötungen“ ins Leben gerufen.
Der WWF ruft alle Bürgerinnen und Bürger auf, die Petition zu unterzeichnen und so ein Zeichen gegen die Tötung der Biber zu setzen. „Rund 90 Prozent der Konflikte mit dem Biber treten innerhalb von zehn Metern ab dem Gewässerrand auf. Überlässt man den Tieren zumindest diesen Bereich, können sie einen langfristigen Mehrwert für unsere Gesellschaft bringen“, erklärt der WWF.
Die Petition kann ab sofort online unterzeichnet werden und soll den Druck auf die Politik erhöhen, die Abschussgenehmigungen zurückzunehmen.
Der Biber war in Europa fast ausgestorben, bevor er in den letzten Jahrzehnten erfolgreich wieder angesiedelt wurde. In Österreich gibt es ihn wieder seit den 1980er Jahren, nachdem er lange Zeit durch Jagd und Lebensraumverlust verschwunden war. Seine Rückkehr wurde zunächst als großer Erfolg des Naturschutzes gefeiert.
Doch mit der Rückkehr des Bibers kamen auch die Konflikte zurück. Der Biber gestaltet seine Umgebung, indem er Bäume fällt und Dämme baut, was zu Überschwemmungen führen kann. Diese Eingriffe in die Landschaft sind nicht immer im Einklang mit menschlichen Interessen, insbesondere in landwirtschaftlich genutzten Gebieten.
In Deutschland beispielsweise gibt es ähnliche Konflikte, doch dort setzt man verstärkt auf nicht-tödliche Maßnahmen zur Konfliktlösung. Dazu gehören der Bau von Schutzvorrichtungen und die Umsiedlung von Bibern in unproblematischere Gebiete.
Andere Länder wie die Schweiz sind bereits einen Schritt weiter und haben umfassende Managementpläne entwickelt, die sowohl den Schutz der Biber als auch die Interessen der Menschen berücksichtigen.
Die Tötung von Bibern hat nicht nur ökologische, sondern auch soziale Auswirkungen. Viele Menschen empfinden die Tötung der Tiere als moralisch fragwürdig und sind bereit, sich für den Schutz der Biber einzusetzen. Zudem könnten die Abschüsse langfristig dazu führen, dass die positiven Effekte der Biber auf das Ökosystem, wie die Verbesserung der Wasserqualität und die Schaffung von Lebensräumen, verloren gehen.
Der WWF hofft, dass die Petition und der öffentliche Druck dazu führen werden, dass die Abschussgenehmigungen zurückgenommen werden. Langfristig setzt die Organisation auf die Schaffung von mehr Lebensraum für die Biber, um Konflikte zu vermeiden.
„Wir müssen lernen, mit den Bibern zu leben und ihre positiven Effekte für die Natur zu schätzen“, so die Expertin des WWF. „Nur so können wir sicherstellen, dass auch zukünftige Generationen von einer intakten Natur profitieren können.“
Die Diskussion um die Biber in Österreich zeigt einmal mehr, wie komplex das Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur ist. Es bleibt abzuwarten, ob die Politik auf den Druck der Öffentlichkeit reagieren wird und ob es gelingt, eine Lösung zu finden, die sowohl den Schutz der Biber als auch die Interessen der Menschen berücksichtigt.
Weitere Informationen und die Möglichkeit, die Petition zu unterzeichnen, finden Sie auf der Website des WWF.