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Aktivpension: Bis zu 15.000 Euro steuerfrei für arbeitende Pensionisten

15. April 2026 um 13:24
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Eine neue Maßnahme der österreichischen Regierung verspricht älteren Arbeitnehmern deutlich mehr Geld im Portemonnaie: Die sogenannte Aktivpension ermöglicht es Pensionisten, die weiterarbeiten möc...

Eine neue Maßnahme der österreichischen Regierung verspricht älteren Arbeitnehmern deutlich mehr Geld im Portemonnaie: Die sogenannte Aktivpension ermöglicht es Pensionisten, die weiterarbeiten möchten, künftig bis zu 15.000 Euro pro Jahr steuerfrei zu verdienen. Zusätzlich werden die Sozialversicherungsbeiträge massiv reduziert. Diese Änderung könnte für die rund 150.000 Österreicher, die bereits über das gesetzliche Pensionsalter hinaus arbeiten, eine erhebliche finanzielle Verbesserung bedeuten.

Was die Aktivpension konkret bedeutet

Die Aktivpension ist ein umfassendes Maßnahmenpaket, das darauf abzielt, die Erwerbstätigkeit im Alter attraktiver zu gestalten. Der Kern der Reform besteht aus zwei wesentlichen Elementen: einem steuerlichen Freibetrag von bis zu 15.000 Euro jährlich und einer deutlichen Reduktion der Sozialversicherungsbeiträge für Personen, die zusätzlich zur Alterspension weiterarbeiten oder ihren Pensionsantritt bewusst aufschieben.

Unter einem steuerlichen Freibetrag versteht man einen Betrag, der vom zu versteuernden Einkommen abgezogen wird, bevor die Steuer berechnet wird. Dies bedeutet, dass die ersten 15.000 Euro des Zusatzeinkommens von Pensionisten völlig steuerfrei bleiben. Bei einem durchschnittlichen Steuersatz von 25 Prozent würde dies eine Ersparnis von bis zu 3.750 Euro pro Jahr bedeuten. Die Sozialversicherungsbeiträge sind Pflichtabgaben zur Finanzierung der Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung. Eine Reduktion dieser Beiträge bedeutet, dass Arbeitnehmer weniger von ihrem Bruttolohn abgeben müssen und somit mehr Nettoeinkommen erhalten.

Demografischer Wandel als treibende Kraft

Österreich steht wie viele andere entwickelte Länder vor den Herausforderungen des demografischen Wandels. Die Bevölkerung altert kontinuierlich: Während 2020 noch 18,8 Prozent der Österreicher über 65 Jahre alt waren, wird dieser Anteil bis 2050 auf voraussichtlich 28,4 Prozent ansteigen. Gleichzeitig sinkt die Geburtenrate seit Jahrzehnten, was bedeutet, dass immer weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten.

Diese Entwicklung führt zu einem doppelten Problem: Einerseits steigen die Ausgaben für Pensionen und Gesundheitsversorgung überproportional an, andererseits schrumpft die Zahl der aktiven Beitragszahler. Die aktuelle Relation zwischen Pensionisten und Erwerbstätigen liegt in Österreich bei etwa 1:2,1, das bedeutet, dass jeder Pensionist von etwa zwei Erwerbstätigen finanziert wird. Bis 2050 könnte sich dieses Verhältnis auf 1:1,5 verschlechtern, was das Pensionssystem unter enormen Druck setzt.

Internationale Vergleiche zeigen unterschiedliche Ansätze

Im Vergleich zu anderen deutschsprachigen Ländern geht Österreich mit der Aktivpension einen innovativen Weg. In Deutschland gibt es bereits seit 2017 die Flexirente, die es ermöglicht, vor Erreichen der Regelaltersgrenze eine Teilrente zu beziehen und gleichzeitig weiterzuarbeiten. Jedoch sind die steuerlichen Anreize dort weniger großzügig als in der nun geplanten österreichischen Variante.

Die Schweiz setzt hingegen auf ein anderes Modell: Dort ist es möglich, den Pensionsbezug um bis zu fünf Jahre aufzuschieben und dafür eine höhere Rente zu erhalten. Die Erhöhung beträgt bis zu 31,5 Prozent bei maximaler Aufschiebung. Auch in der Schweiz können Pensionierte weiterarbeiten, allerdings gibt es keine speziellen steuerlichen Freibeträge wie in der geplanten österreichischen Aktivpension.

Konkrete Auswirkungen für österreichische Bürger

Für die betroffenen Personen bedeutet die Aktivpension eine erhebliche finanzielle Verbesserung. Ein Beispiel verdeutlicht die Dimension: Ein Pensionist, der bisher neben seiner Pension 20.000 Euro jährlich dazuverdient hat, musste darauf Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Bei einem angenommenen Gesamtabzug von 35 Prozent blieben ihm von den 20.000 Euro nur 13.000 Euro netto.

Mit der neuen Aktivpension würden die ersten 15.000 Euro steuerfrei bleiben, und auch die Sozialversicherungsbeiträge würden reduziert. Nur die verbleibenden 5.000 Euro würden normal besteuert. Dies könnte bedeuten, dass der Pensionist statt 13.000 Euro nun etwa 17.250 Euro netto erhält – eine Steigerung um über 30 Prozent.

Besonders profitieren würden Branchen mit akutem Fachkräftemangel, in denen erfahrene Mitarbeiter händeringend gesucht werden. Dazu gehören das Gesundheitswesen, der IT-Sektor, das Handwerk und der Bildungsbereich. Ein erfahrener Krankenpfleger oder eine Lehrerin könnte so beispielsweise nach der Pensionierung weiterhin ihre Expertise einbringen und gleichzeitig deutlich mehr verdienen als bisher.

Politische Dimension und Lobbyarbeit

Die Aktivpension ist das Ergebnis jahrelanger politischer Arbeit. Besonders hervorzuheben ist das Engagement von Ingrid Korosec, der Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes. Korosec, die seit 2017 an der Spitze der größten Seniorenorganisation Österreichs steht, hat sich kontinuierlich für bessere Arbeitsbedingungen älterer Arbeitnehmer eingesetzt.

Der Österreichische Seniorenbund ist eine parteinahe Organisation der ÖVP mit rund 400.000 Mitgliedern und damit eine der einflussreichsten Interessensvertretungen für ältere Menschen im Land. Unter Korosecs Führung hat die Organisation zahlreiche Studien und Positionspapiere zur Erwerbstätigkeit im Alter erstellt und politischen Druck für Reformen aufgebaut.

Wiener Perspektive auf bundespolitische Maßnahme

Die Stellungnahme des Wiener ÖVP-Landesparteiobmanns Markus Figl unterstreicht die Bedeutung der Maßnahme auch auf regionaler Ebene. Wien als größter Arbeitsmarkt Österreichs mit über 900.000 Beschäftigten könnte von der Aktivpension besonders profitieren. In der Bundeshauptstadt arbeiten bereits jetzt überdurchschnittlich viele Menschen über das Pensionsalter hinaus – etwa 25.000 Personen, was einem Anteil von rund 17 Prozent aller über das Pensionsalter hinaus Beschäftigten in Österreich entspricht.

Arbeitsmarktpolitische Bedeutung und Know-how-Erhalt

Die Aktivpension zielt nicht nur auf individuelle finanzielle Verbesserungen ab, sondern verfolgt auch gesamtgesellschaftliche Ziele. Der Erhalt von Erfahrungswissen und Expertise älterer Arbeitnehmer wird in vielen Branchen zu einem kritischen Erfolgsfaktor. Studien zeigen, dass ältere Arbeitnehmer oft über ein breites Netzwerk, ausgeprägte Problemlösungskompetenz und hohe Loyalität zum Unternehmen verfügen.

Besonders in technischen Berufen, wo komplexe Systeme über Jahrzehnte gewachsen sind, ist das Wissen langjähriger Mitarbeiter oft unersetzlich. Ein Beispiel aus der Praxis: In der österreichischen Stahlindustrie gehen in den kommenden Jahren zahlreiche Experten in Pension, die jahrzehntelange Erfahrung mit spezifischen Produktionsanlagen haben. Ihr Wissen ist oft nicht vollständig dokumentiert und kann nur schwer an Nachfolger weitergegeben werden.

Finanzierung und volkswirtschaftliche Aspekte

Die Finanzierung der Aktivpension erfolgt über den Wegfall von Steuereinnahmen und reduzierten Sozialversicherungsbeiträgen. Gleichzeitig generiert die Maßnahme aber auch neue Einnahmen: Personen, die länger arbeiten, zahlen weiterhin Steuern auf einen Teil ihres Einkommens und tragen zur Wirtschaftsleistung bei. Volkswirtschaftlich betrachtet führt eine höhere Erwerbsquote älterer Menschen zu einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts.

Experten schätzen, dass jeder zusätzliche erwerbstätige Pensionist dem Staat netto etwa 8.000 bis 12.000 Euro pro Jahr an Steuern und Abgaben bringt, während gleichzeitig die Ausgaben für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen sinken. Die Rechnung könnte also trotz der steuerlichen Vergünstigungen positiv ausfallen, wenn genügend Menschen die neue Möglichkeit nutzen.

Herausforderungen und mögliche Kritikpunkte

Trotz der positiven Zielsetzung gibt es auch kritische Stimmen zur Aktivpension. Ein Hauptkritikpunkt betrifft die mögliche Verdrängung jüngerer Arbeitnehmer vom Arbeitsmarkt. Gewerkschaften befürchten, dass Arbeitgeber ältere, erfahrene Kräfte bevorzugen könnten, wenn diese durch die steuerlichen Vorteile kostengünstiger werden.

Ein weiterer Aspekt ist die soziale Gerechtigkeit: Die Aktivpension kommt hauptsächlich besser qualifizierten und gesünderen Pensionisten zugute, die körperlich und geistig in der Lage sind, weiter zu arbeiten. Personen mit gesundheitlichen Problemen oder in körperlich belastenden Berufen können oft gar nicht von der Maßnahme profitieren, wodurch sich soziale Ungleichheiten im Alter verstärken könnten.

Zukunftsperspektiven und Entwicklungspotenzial

Die Aktivpension stellt einen ersten Schritt dar, könnte aber in Zukunft weiter ausgebaut werden. Denkbare Erweiterungen umfassen eine Erhöhung des Freibetrags, die Ausweitung auf andere Formen der Altersvorsorge oder die Kopplung an bestimmte Branchen mit besonderem Fachkräftemangel.

Internationale Erfahrungen zeigen, dass solche Maßnahmen schrittweise entwickelt werden. In den Niederlanden beispielsweise wurde das flexible Pensionssystem über mehrere Jahre hinweg kontinuierlich angepasst und erweitert. Auch in Österreich ist davon auszugehen, dass die Aktivpension je nach Erfolg und gesellschaftlicher Akzeptanz weiterentwickelt wird.

Langfristig könnte die Maßnahme dazu beitragen, das traditionelle Verständnis vom abrupten Übergang zwischen Erwerbs- und Rentenphase aufzuweichen. Stattdessen könnte sich ein flexiblerer, gleitender Übergang etablieren, der sowohl den individuellen Bedürfnissen als auch den gesellschaftlichen Herausforderungen besser entspricht.

Die Aktivpension markiert einen wichtigen Meilenstein in der österreichischen Arbeits- und Sozialpolitik. Sie verbindet individuelle finanzielle Anreize mit gesamtgesellschaftlichen Zielen und könnte zum Modell für andere Länder werden, die vor ähnlichen demografischen Herausforderungen stehen. Ob die Maßnahme ihr volles Potenzial entfalten kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen – entscheidend wird sein, wie viele Menschen das neue Angebot tatsächlich nutzen und welche Auswirkungen dies auf den Arbeitsmarkt und die öffentlichen Finanzen hat.

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