Österreichischer Lebensmittelkonzern kämpft mit schwierigem Marktumfeld – Operatives Ergebnis dennoch über Vorjahr erwartet
Der Wiener Agrar- und Lebensmittelkonzern AGRANA verzeichnet im Zuckersegment einen erheblichen Wertminderungsbedarf von bis zu 55 Millionen Euro.
Der österreichische Frucht-, Stärke- und Zuckerkonzern AGRANA steht vor einer bedeutenden Herausforderung: Wie das Unternehmen am 17. Februar 2026 in einer Ad-hoc-Mitteilung bekanntgab, muss im Segment ACS – Zucker eine außerplanmäßige Abschreibung in der Größenordnung von 45 bis 55 Millionen Euro vorgenommen werden. Die Wertminderung ist eine direkte Folge des anhaltend schwierigen Marktumfeldes in der Zuckerbranche.
Im Rahmen der anzeichenbasierten Werthaltigkeitsprüfung von Vermögenswerten zum Bilanzstichtag hat das Unternehmen festgestellt, dass die Buchwerte im Zuckersegment nicht mehr vollständig durch die erwarteten künftigen Erträge gedeckt sind. Die daraus resultierende nicht zahlungswirksame Wertminderung wird das Anlagevermögen des Segments betreffen.
Die endgültige Höhe der Abschreibung wird erst im Zuge der Aufstellung des Konzernabschlusses für das Geschäftsjahr 2025|26 festgestellt. Der Bilanzstichtag ist der 28. Februar 2026. Die außerplanmäßige Abschreibung wird im Ergebnis aus Sondereinflüssen ausgewiesen und hat damit direkte Auswirkungen auf das Ergebnis der Betriebstätigkeit (EBIT).
Die Wertminderung hat erhebliche Konsequenzen für die bisherigen Gewinnerwartungen des Unternehmens. Vor Bekanntwerden des Abschreibungsbedarfs hatte das Management für das Geschäftsjahr 2025|26 noch einen deutlichen Anstieg des EBIT auf einen Wert in einer Bandbreite von rund 45 bis 60 Millionen Euro prognostiziert. Diese Guidance muss nun nach unten korrigiert werden.
Durch die Sonderabschreibung wird das ausgewiesene EBIT deutlich unter diesen ursprünglichen Erwartungen liegen. Investoren und Analysten müssen ihre Gewinnschätzungen für den Konzern entsprechend anpassen.
Ein wichtiger Lichtblick für Aktionäre: Die Sonderabschreibung hat keinen Einfluss auf das operative Ergebnis des Unternehmens. Dieses wird für das Geschäftsjahr 2025|26 zwischen rund 80 und 85 Millionen Euro prognostiziert. Damit liegt es moderat über dem Vorjahreswert von 76,5 Millionen Euro.
Das operative Ergebnis wird bei AGRANA als EBIT vor Ergebnis aus Sondereinflüssen und vor Ergebnisanteil von Gemeinschaftsunternehmen definiert, die nach der Equity-Methode bilanziert werden. Diese Kennzahl gibt somit einen besseren Einblick in die tatsächliche operative Leistungsfähigkeit des Unternehmens.
Die europäische Zuckerindustrie steht seit Jahren vor erheblichen Herausforderungen. Nach dem Ende der EU-Zuckerquote im Jahr 2017 haben sich die Marktbedingungen grundlegend verändert. Niedrige Weltmarktpreise, Importe aus Drittländern und volatile Rübenernten setzen den europäischen Produzenten zu.
Für AGRANA als einen der größten Zuckerproduzenten Österreichs bedeutet dies einen anhaltenden Margendruck. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren bereits verschiedene Restrukturierungsmaßnahmen ergriffen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Zuckersegments zu stärken. Die nun notwendige Wertminderung zeigt jedoch, dass die Herausforderungen weiterhin bestehen.
In der Mitteilung weist AGRANA ausdrücklich darauf hin, dass die wirtschaftlichen und finanziellen Auswirkungen der aktuellen geopolitischen und wirtschaftlichen Situation auf den künftigen Geschäftsverlauf der Gruppe weiterhin schwer abschätzbar sind. Diese Unsicherheiten könnten die Prognosen zusätzlich beeinflussen.
Faktoren wie Energiekosten, Währungsschwankungen und die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung in den Absatzmärkten spielen für den international tätigen Konzern eine wichtige Rolle. AGRANA ist neben dem Zuckergeschäft auch in den Bereichen Stärke und Frucht tätig und betreibt Produktionsstandorte auf mehreren Kontinenten.
Für Aktionäre der AGRANA-Aktie ist die Mitteilung ein zweischneidiges Schwert. Einerseits belastet die hohe Sonderabschreibung das ausgewiesene Jahresergebnis erheblich. Andererseits zeigt die positive Entwicklung des operativen Ergebnisses, dass das Kerngeschäft des Unternehmens trotz der schwierigen Rahmenbedingungen intakt ist.
Die AGRANA-Aktie wird an der Wiener Börse im Amtlichen Handel gelistet und ist zudem im Freiverkehr an mehreren deutschen Börsen handelbar, darunter Frankfurt, München, Stuttgart und Düsseldorf. Die ISIN lautet AT000AGRANA3.
Die vollständigen Jahresergebnisse für das Geschäftsjahr 2025|26 sowie der Geschäftsbericht werden planmäßig am 12. Mai 2026 veröffentlicht. Bis dahin dürften weitere Details zur genauen Höhe der Wertminderung und deren Auswirkungen auf die verschiedenen Kennzahlen bekannt werden.
Analysten werden die Entwicklung des Zuckersegments in den kommenden Quartalen genau beobachten. Die Frage, ob weitere Wertminderungen notwendig werden könnten, hängt maßgeblich von der Entwicklung des Marktumfeldes und der Wettbewerbssituation ab.
Für die österreichische Agrarwirtschaft hat die Entwicklung bei AGRANA eine breitere Bedeutung. Als wichtiger Abnehmer von Zuckerrüben heimischer Landwirte spielt das Unternehmen eine zentrale Rolle in der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette. Die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Zuckersegments ist daher auch für den heimischen Rübenanbau von Relevanz.
Die Ad-hoc-Mitteilung wurde gemäß Artikel 17 der Marktmissbrauchsverordnung (MAR) veröffentlicht und steht auf der Unternehmenswebsite www.agrana.com in deutscher und englischer Sprache zur Verfügung.