Während Deutschland bereits handelt, wartet Österreich noch ab
LH-Stv. Svazek kritisiert Bundesregierung und kündigt Salzburger Alleingang beim Schutz von Jugendlichen vor Lachgas an.
Deutschland hat es vorgemacht, andere europäische Länder ziehen nach: Der Verkauf von Lachgas an Jugendliche wird zunehmend reguliert oder ganz verboten. In Österreich hingegen bleibt die Bundesregierung untätig. Das kritisiert Salzburgs Jugendreferentin und Landeshauptmann-Stellvertreterin Marlene Svazek (FPÖ) scharf und kündigt einen Salzburger Alleingang an.
Während in Deutschland gerade ein Verbot der Abgabe von Lachgas an Jugendliche in Kraft getreten ist, passiert in Österreich wenig bis nichts. Auch Großbritannien und die Niederlande haben bereits gesetzliche Beschränkungen für die Substanz eingeführt, die vermehrt als "Partydroge" missbraucht wird. "Während andere europäische Länder vorpreschen und diesem gesundheitsgefährdenden Trend einen Riegel vorschieben, kommt von unserer Bundesregierung in Sachen Jugendschutz einmal mehr nur Behäbigkeit und Desinteresse", kritisiert Svazek.
Das Problem liegt nicht nur in der fehlenden Regulierung, sondern auch in der Art des Vertriebs. Das Gas wird häufig in "Sahnekapseln" oder Kartuschen verkauft und ist bislang völlig unreguliert. Besonders problematisch: Der Vertrieb erfolgt auch über Automatenshops, die bevorzugt von Jugendlichen besucht werden.
"Niemand kann mir ernsthaft weismachen, dass es da tatsächlich um Schlagobers geht", stellt Svazek klar. "Hier wird geschäftliches Kalkül mit dem Wissen betrieben, dass das Gas aus den Kapseln unter Jugendlichen mitunter als Mittel für ein schnelles High inhaliert wird." Entsprechende Berichte seien bereits aus verschiedenen Salzburger Bezirken bekannt.
Die Beliebtheit von Lachgas als Partydroge erklärt sich durch seine spezifischen Eigenschaften: Der Rauschzustand hält nur wenige Minuten an und verursacht im Gegensatz zu Alkohol keinen Kater. Doch diese vermeintlichen Vorteile täuschen über die erheblichen Gesundheitsrisiken hinweg.
"Fachleute warnen beispielsweise neben dem allgemeinen Suchtfaktor vor Sauerstoffmangel, Nervenschäden und Herzproblemen", erklärt die Salzburger Jugendreferentin. Die Risiken werden oft unterschätzt, weil die Wirkung so kurz ist und das Gas legal erhältlich ist.
Medizinische Experten warnen vor verschiedenen Gefahren beim Missbrauch von Lachgas:
Angesichts der Untätigkeit auf Bundesebene kündigt Svazek nun einen Salzburger Alleingang an. "Der Bund führt in Sachen Jugendschutz gerne in aller Ruhe verfassungsrechtliche Kompetenzdiskussionen, duckt sich aber weg, wenn akute Gesundheitsgefährdung besteht", kritisiert sie das Verhalten der Bundesregierung.
Salzburg habe bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass es beim Jugendschutz vorangehen kann und will. "So war es auch schon in Sachen Nikotinbeutel, wo wir in Salzburg zwei Jahre früher Fakten geschaffen haben", verweist Svazek auf frühere Initiativen des Bundeslandes.
Die FPÖ-Politikerin übt scharfe Kritik an der Bundesregierung und bezeichnet diese als "Verlierer-Koalition". "Auch in diesem Fall werden wir handeln und nicht darauf warten, bis die Verlierer-Koalition im Bund sich bemüßigt fühlt, in die Gänge zu kommen", kündigt sie an.
Trotz des Namens handle es sich um "ein ernstes Problem, das alles andere als lachhaft ist", betont Svazek. Der Schutz der Jugend müsse Priorität haben, auch wenn der Bund seiner Verantwortung nicht nachkomme.
Derzeit gibt es in Österreich keine spezifischen Regelungen für den Verkauf von Lachgas an Minderjährige. Das Gas ist als Lebensmittelzusatz für die Herstellung von Schlagsahne zugelassen und kann legal erworben werden. Die Abgrenzung zwischen legitimem Gebrauch und Missbrauch als Rauschmittel gestaltet sich schwierig.
Im Gesundheitsministerium werden Berichten zufolge bislang keine Anstalten gemacht, entsprechende Regelungen zu erlassen oder dem Beispiel anderer europäischer Länder zu folgen.
Die internationale Entwicklung zeigt einen klaren Trend zur Regulierung von Lachgas. Deutschland hat mit seinem kürzlich eingeführten Verkaufsverbot an Jugendliche einen wichtigen Schritt gesetzt. Auch in anderen europäischen Ländern wird das Thema ernst genommen:
Österreich hinkt dieser Entwicklung deutlich hinterher, was aus Sicht von Jugendschutzexperten bedenklich ist.
Mit der angekündigten Salzburger Initiative könnte das Bundesland erneut eine Vorreiterrolle beim Jugendschutz übernehmen. Die konkreten Maßnahmen und der Zeitplan für deren Umsetzung sind noch nicht bekannt. Klar ist jedoch, dass Salzburg nicht länger auf Initiativen des Bundes warten will.
Die Entwicklung zeigt einmal mehr die Problematik geteilter Kompetenzen zwischen Bund und Ländern im Bereich des Jugendschutzes. Während auf europäischer Ebene längst gehandelt wird, blockieren in Österreich offenbar verfassungsrechtliche Diskussionen konkrete Schutzmaßnahmen für Jugendliche.