Spurensuche in alpinen Kleinseen: Fisch- und Krebsbefunde
Österreichische Bundesforste, BAW und blattfisch untersuchten acht Seen – Wandel bei Fischgemeinschaften, positive Edelkrebs-Befunde
Ein drei Jahre laufendes Monitoring an acht ÖBf-Seen zeigt starke Veränderungen bei Fischarten und erfreuliche Entwicklungen bei Edelkrebspopulationen.
Alpine Kleinseen zählen laut Aussendung zu den ökologisch wertvollen, aber bislang vergleichsweise wenig erforschten Gewässern in Österreich. In einem gemeinsam von den Österreichischen Bundesforsten (ÖBf), dem Bundesamt für Wasserwirtschaft (BAW) und dem technischen Büro blattfisch e.U. durchgeführten Monitoring wurden Fisch- und Krebsbestände in acht ausgewählten ÖBf-Seen über rund drei Jahre untersucht.
Die Forschenden beobachteten dem Bericht zufolge an mehreren Gewässern deutliche Verschiebungen in den Fischgemeinschaften, während die Befunde zum Edelkrebsvorkommen vielerorts positiv ausfielen. Sämtliche Ergebnisse sollen in die "Fischdatenbank Austria" (FDA) des Bundesamtes für Wasserwirtschaft einfließen.
Forschungsprojekt der Österreichischen Bundesforste: Monitoring an acht Seen
Das Monitoring erstreckte sich laut Mitteilung über rund drei Jahre und umfasste folgende ÖBf-Gewässer: Gleinkersee, Laudachsee, Offensee, Vorderer Langbathsee (alle Oberösterreich), Hintersee und Prebersee (beide Salzburg), Erlaufsee (Steiermark/Niederösterreich) sowie Afritzer See (Kärnten). Andreas Gruber, ÖBf-Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz, wird in der Aussendung zitiert: „Die Bundesforste betreuen mehr als 70 Seen in Österreich. Unsere Aufgabe ist es, diese Naturjuwele mit ihrer Vielfalt an Pflanzen und Tieren auch für kommende Generationen zu erhalten. Umso wichtiger sind fundierte Daten, um ökologische Veränderungen frühzeitig zu erkennen und gezielt Maßnahmen setzen zu können“.
Die Auswahl der Seen und die Dauer des Monitorings dienten laut Projektziel dazu, Wissenslücken zu schließen, geeignete Erhebungsmethoden zu erproben und wissenschaftliche Grundlagen für die künftige Seenbewirtschaftung bereitzustellen.
Wertvolle Rückzugsräume im Fokus
In der Mitteilung wird ausgeführt, dass große österreichische Seen im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie regelmäßig untersucht werden, für viele alpine Kleinseen mit einer Größe unter 50 Hektar jedoch vergleichbare Daten fehlten. Alpine Kleinseen seien sensible Ökosysteme und würden zugleich vielfältig genutzt, etwa durch Tourismus oder Fischerei. Das Projekt verfolgte demnach das Ziel, diese Wissenslücke zu schließen und Erhebungsmethoden für diese Gewässer zu testen.
Fischgemeinschaften im Wandel
Die Ergebnisse zeigen laut Aussendung, dass sich die Fischartengemeinschaften vieler alpiner Kleinseen stark verändern. Ursprünglich vorkommende Arten wie Seesaibling, Seeforelle, Elritze oder Koppe gingen in mehreren Gewässern zurück, während ursprünglich nicht im See heimische Arten wie Flussbarsch oder Rotauge vielerorts zunahmen. Solche Verschiebungen beeinflussten Konkurrenzverhältnisse und Räuberdruck und veränderten das ökologische Gleichgewicht der Seen.
Als besonders auffällig nennt die Mitteilung den Afritzer See: Dort wurde ein starker Zuwachs an insgesamt sieben nicht im See heimischen Fischarten festgestellt, darunter Aal, Sonnenbarsch und Zander. Die ursprünglich als Leitfischart genannte Laube konnte am Afritzer See hingegen nicht nachgewiesen werden. Als Gegenbeispiel führt die Aussendung den Vorderen Langbathsee an, in dem ein außergewöhnlich starker Seesaiblingsbestand mit erfolgreicher natürlicher Vermehrung sowie gute Bestände weiterer typisch heimischer Fischarten wie der Elritze dokumentiert wurden.
Zur Ursache der Veränderungen nennt die Mitteilung mehrere Faktoren: frühere Besatzaktivitäten mit zusätzlichen Fischfreisetzungen, unterschiedliche frühere Erkenntnisse und Bewirtschaftungsziele sowie die Klimaerwärmung, die nach Angaben der Beteiligten einzelne Raubfischarten wie Flussbarsch oder Hecht begünstige, da diese an steigende Wassertemperaturen besser angepasst seien. Weiterhin können je nach See zu wenige geeignete Laichplätze oder fehlende Wandermöglichkeiten über einmündende Bäche zum Rückgang bestimmter Arten beitragen. Andreas Haas, Fischereiexperte der Bundesforste, wird wörtlich zitiert: „Insgesamt zeigten die Ergebnisse, dass an mehreren Seen Handlungsbedarf besteht – etwa durch Maßnahmen, die ursprünglich heimische Populationen und ihre natürlichen Lebensräume gezielt fördern“.
Edelkrebs: Gute Entwicklung an mehreren untersuchten Seen
Ein weiterer Schwerpunkt der Untersuchung war der Edelkrebs, der laut Mitteilung in Österreich stark zurückgegangen ist und zu den besonders gefährdeten heimischen Flusskrebsarten zählt. Die Ergebnisse zum Edelkrebsvorkommen fallen demnach an mehreren untersuchten Seen positiv aus: Es wurden stabile, sich natürlich reproduzierende Populationen nachgewiesen.
Als besondere Beispiele nennt die Aussendung den Vorderen Langbathsee sowie den Prebersee, dessen natürlicher Edelkrebsbestand laut Mitteilung zu den besten in Österreich und darüber hinaus zählt. Außerdem werden Wiederansiedlungs- und Schutzmaßnahmen erwähnt: Im Gleinkersee, Offensee und Laudachsee konnten sich Bestände nach früheren Krebspestausbrüchen deutlich erholen. Das eröffnet laut Mitteilung Möglichkeiten für weitere Wiederansiedlungen in geeigneten Gewässern, etwa im Erlaufsee, der sehr gute Lebensraumbedingungen für den Edelkrebs vorweisen kann.
Echolot, eDNA und Ringwade: So wurden die Seen erforscht
Die Mitarbeitenden kombinierten laut Projekt je nach Gewässer unterschiedliche Untersuchungsmethoden. Neben Netz- und Elektrobefischungen kamen wissenschaftliche Echolote zum Einsatz. Bei diesen waren die Forschenden per Boot im Zickzack-Kurs auf den Seen unterwegs: Das Gerät sende Tausende Schallimpulse in die Tiefe, die reflektierten Echos machten Fischbestände sichtbar und ermöglichten eine Abschätzung der Gesamtmenge.
Bei der Fang-Markierung-Wiederfang-Methode (CMR) wurden Fische unter anderem mit Ringwaden und Reusen gefangen, vermessen, mit winzigen Farbmarkierungen gekennzeichnet, wieder freigelassen und später erneut gefangen. Zusätzlich kamen eDNA-Analysen zum Einsatz: Anhand kleinster DNA-Spuren wie Hautschuppen oder Stoffwechselprodukte im Wasser lasse sich bestimmen, welche Arten im See vorkommen. Die Mitteilung betont, dass eDNA eine wertvolle Ergänzung zu herkömmlichen Erhebungsmethoden darstelle: Wiederholt konnten damit Arten nachgewiesen werden, die mit den übrigen Methoden nicht erfasst wurden.
Echolot
Ein Echolot sendet nach Angaben des Projekts Schallimpulse in die Tiefe des Sees. Reflexionen dieser Impulse werden gemessen und in Befunde übersetzt, die Rückschlüsse auf Fischbestände und deren Verteilung erlauben.
eDNA
eDNA-Analysen erfassen laut Mitteilung kleinste DNA-Spuren im Wasser, etwa aus Hautschuppen oder Stoffwechselprodukten. Diese Spuren geben Hinweise darauf, welche Fisch- oder Krebsarten in einem Gewässer vorkommen, auch wenn Individuen nicht gefangen wurden.
Fang-Markierung-Wiederfang (CMR)
Bei der CMR-Methode werden Fische gefangen, vermessen, markiert und wieder freigelassen. Spätere Wiederfänge erlauben Rückschlüsse auf Größe, Bestand und Entwicklung von Populationen.
Altersbestimmung durch Schuppenringe und Otolithen
Die Altersbestimmung wurde laut Mitteilung bei Renken an den Jahresringen der Fischschuppen durchgeführt; bei Seesaiblingen liefere die Analyse der Gehörsteinchen (Otolithen) Hinweise auf Alter und Wachstum.
Was die Ergebnisse für die Bewirtschaftung bedeuten
Die Mitteilung stellt klar, dass die Monitoring-Ergebnisse die Grundlage bilden sollen, um die Bewirtschaftung der Seen gemeinsam mit den Fischereipächtern weiterzuentwickeln. Genannt werden geplante Schritte wie angepasste Fischereikonzepte, gezielte Schutzmaßnahmen für heimische Arten sowie Maßnahmen gegen die Einschleppung invasiver Arten und Krankheiten.
Ein im Rahmen des Projekts entwickelter Leitfaden soll künftig helfen, je nach Gewässer und Fragestellung die geeignete Kombination unterschiedlicher Erhebungsmethoden auszuwählen. Sämtliche Ergebnisse fließen laut Mitteilung in die "Fischdatenbank Austria" (FDA) des Bundesamtes für Wasserwirtschaft ein und stehen für weitere Forschung zur Verfügung. Das Projekt wurde durch den Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds (EMFAF) der Europäischen Union gefördert.
Fragen zum Monitoring der alpinen Kleinseen
Welche Seen wurden untersucht? Das Monitoring umfasste laut Aussendung Gleinkersee, Laudachsee, Offensee, Vorderer Langbathsee (alle Oberösterreich), Hintersee und Prebersee (beide Salzburg), Erlaufsee (Steiermark/Niederösterreich) sowie Afritzer See (Kärnten).
Wie lange lief die Untersuchung? Die Mitteilung benennt einen Zeitraum von rund drei Jahren, in denen das aufwändige Monitoring an den genannten ÖBf-Gewässern stattfand.
Welche Hauptbefunde nennt die Studie zu Fischen? Der Bericht dokumentiert laut Aussendung, dass ursprünglich vorkommende Arten wie Seesaibling, Seeforelle, Elritze oder Koppe in mehreren Seen zurückgehen, während nicht ursprünglich heimische Arten wie Flussbarsch oder Rotauge vielerorts zunehmen. Als Beispiel wird ein starker Zuwachs nicht heimischer Arten am Afritzer See genannt; der Vordere Langbathsee wird als Beispiel für einen starken Seesaiblingsbestand hervorgehoben.
Was berichten die Forschenden zum Edelkrebs? Der Edelkrebs ist laut Mitteilung in Österreich stark zurückgegangen, zählt zu den besonders gefährdeten heimischen Flusskrebsarten. Die Untersuchung ergab an mehreren Seen stabile, sich natürlich reproduzierende Edelkrebsbestände; Prebersee und Vorderer Langbathsee werden in der Aussendung als besonders positive Beispiele genannt.
Welche Methoden kamen zum Einsatz? Genannt werden Netz- und Elektrobefischungen, Echolotmessungen, Fang-Markierung-Wiederfang (CMR) mit Ringwaden und Reusen sowie moderne eDNA-Analysen. Auch Altersbestimmungen über Schuppenringe und Otolithen wurden durchgeführt.
Welche nächsten Schritte sind laut Mitteilung vorgesehen? Gemäß Aussendung sollen die Ergebnisse genutzt werden, um mit Fischereipächtern angepasste Fischereikonzepte und gezielte Schutzmaßnahmen zu erarbeiten sowie Maßnahmen gegen die Einschleppung invasiver Arten und Krankheiten umzusetzen. Ein Leitfaden zur Auswahl geeigneter Erhebungsmethoden wurde im Projekt entwickelt.
Quellen und Kontakt
Quelle: Österreichische Bundesforste AG, Angaben aus der Projektaussendung.
Kontakt: Österreichische Bundesforste, Andrea Kaltenegger, Unternehmenssprecherin; Telefon: +43 2231 600-1521; E-Mail: andrea.kaltenegger [at] bundesforste.at; Website: www.bundesforste.at
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