PVÖ fordert Bonus‑Malus‑System für ältere Beschäftigte
Gerstorfer: „Wer längeres Arbeiten fordert, muss auch die Unternehmen in die Pflicht nehmen.“
Der Pensionistenverband (PVÖ) verlangt ein Bonus‑Malus‑System: Firmen sollen belohnt werden, wenn sie ältere Beschäftigte halten, andere mehr in die Pensionsversicherung einzahlen.
Der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) hat eine Forderung zur Stärkung älterer Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt vorgelegt. Anlass sind aktuelle Arbeitsmarktdaten, die laut PVÖ seit Monaten einen Anstieg der Arbeitslosigkeit älterer Arbeitnehmer zeigen, während gleichzeitig ein anhaltender Fachkräftemangel und zahlreiche Engpassberufe bestehen.
PVÖ‑Präsidentin Birgit Gerstorfer formulierte die Verbindung von Arbeitsmarkt und Pensionspolitik pointiert: „Es ist widersinnig, einerseits über fehlende Fachkräfte zu klagen und andererseits erfahrene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer viel zu oft vom Arbeitsmarkt auszuschließen. Wer von den Menschen verlangt, länger zu arbeiten, muss auch die Unternehmen in die Pflicht nehmen. Deshalb fordern wir ein Bonus‑Malus‑System, das Betriebe belohnt, die ältere Beschäftigte einstellen und bis zur Pension im Unternehmen halten, und jene stärker in die Verantwortung nimmt, die ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer systematisch benachteiligen.“
PVÖ fordert Bonus‑Malus‑System für ältere Beschäftigte
Der PVÖ fordert die „rasche Einführung eines Bonus‑Malus‑Systems für ältere Beschäftigte“. Kernpunkt des Vorschlags ist nach Angaben des Verbandes ein finanzielles Anreiz‑ und Belastungssystem für Unternehmen: Firmen, die ältere Arbeitnehmer beschäftigen und bis zum gesetzlichen Pensionsalter beziehungsweise darüber hinaus im Betrieb halten, sollen finanziell belohnt werden.
Umgekehrt sieht das PVÖ‑Modell Mehrkosten für Unternehmen vor, deren Anteil älterer Beschäftigter deutlich unter einer branchenspezifischen Zielquote liegt. In diesem Fall sollen diese Unternehmen einen höheren Dienstgeberbeitrag zur Pensionsversicherung leisten. Der Verband benennt die Einnahmen aus dem sogenannten Malus als zweckgebunden: Sie sollen in die nachhaltige Stärkung des Pensionssystems fließen.
PVÖ‑Modell des Bonus‑Malus‑Systems im Überblick
Der PVÖ beschreibt sein Modell als nach einem „einfachen Grundsatz“ aufgebaut: Belohnung für Betriebe, die ältere Beschäftigte halten; höhere Beiträge für Betriebe mit unterdurchschnittlichem Anteil älterer Beschäftigter. Der Verband stellt dabei mehrere konzeptionelle Elemente heraus:
- Branchenspezifische Zielquoten: Der PVÖ schlägt vor, Zielquoten je Wirtschaftszweig festzulegen, um den unterschiedlichen Anforderungen der Branchen Rechnung zu tragen.
- Ausnahmen: Für körperlich besonders belastende Berufe sowie für Kleinbetriebe mit weniger als 20 Beschäftigten und für Start‑ups sollen Ausnahmen gelten.
- Zweckbindung: Die Einnahmen aus dem Malus sollen laut PVÖ gezielt in die nachhaltige Stärkung des Pensionssystems fließen.
Der Verband betont in der Aussendung, sein System sei „kein Strafsystem, sondern ein Anreizsystem. Es belohnt Unternehmen, die Verantwortung übernehmen, und sorgt dafür, dass jene Betriebe, die ältere Beschäftigte systematisch benachteiligen, einen fairen Beitrag zu den daraus entstehenden gesellschaftlichen Kosten leisten.“
Arbeitsmarktdaten und Engpassberufe
Als Begründung für die Forderung verweist der PVÖ auf die heute veröffentlichten Arbeitsmarktdaten: Dem Verband zufolge steigen seit Monaten die Arbeitslosenzahlen älterer Arbeitnehmer. Zugleich sei erst kürzlich darauf hingewiesen worden, dass in Österreich weiterhin zahlreiche Fachkräfte fehlen und derzeit 51 Berufe als Engpassberufe gelten.
Der PVÖ zieht daraus eine marktwirtschaftliche Widersprüchlichkeit: Einerseits herrsche Fachkräftemangel, andererseits würden tausende erfahrene Arbeitnehmer zu früh aus dem Erwerbsleben gedrängt. In der Aussendung heißt es, gerade ältere Beschäftigte verfügten über „wertvolle Erfahrung und Qualifikation, die unsere Wirtschaft dringend braucht.“
Frauen dürfen nicht die Verlierer der Pensionsreform werden
Der PVÖ weist in der Mitteilung ausdrücklich auf die Situation älterer Frauen hin. Die schrittweise Anhebung des Frauenpensionsalters müsse laut Verband von wirksamen Maßnahmen am Arbeitsmarkt begleitet werden, andernfalls bestehe die Gefahr, dass viele Frauen nicht länger in Beschäftigung bleiben, sondern länger arbeitslos sind.
Der PVÖ warnt, dass eine Anhebung des Pensionsalters ohne begleitende Maßnahmen die Probleme vom Pensionssystem in die Arbeitslosenversicherung verlagern könne. Der Verband formuliert deshalb die Erwartung, dass Maßnahmen zur Erhöhung des Pensionsalters mit Angeboten und Anreizen zur Beschäftigung älterer Arbeitnehmer verknüpft werden.
Begriffe erklärt
Bonus‑Malus‑System
Ein Bonus‑Malus‑System verbindet Anreize (Bonus) und Belastungen (Malus) zugunsten bestimmter Verhaltensweisen. Laut PVÖ soll dabei der Bonus an Unternehmen gezahlt werden, die ältere Arbeitnehmer bis zum Pensionsalter beschäftigen, während ein Malus für Unternehmen mit geringem Anteil älterer Beschäftigter höhere Dienstgeberbeiträge zur Folge hätte.
Engpassberufe
Engpassberufe sind Berufe, in denen nach Angaben des PVÖ aktuell Fachkräftemangel besteht; im Text wird die Zahl 51 genannt. Der Begriff bezeichnet typischerweise Tätigkeiten, für die Unternehmen nur schwer geeignetes Personal finden.
Dienstgeberbeitrag zur Pensionsversicherung
Der Dienstgeberbeitrag ist laut PVÖ‑Vorschlag das Instrument, über das der Malus angewendet werden soll. Unternehmen mit deutlich unter der Zielquote liegendem Anteil älterer Beschäftigter würden demnach einen höheren Beitragssatz zahlen.
Branchenspezifische Zielquoten
Der PVÖ schlägt vor, Zielquoten je Branche festzulegen. Diese Quoten sollen den unterschiedlichen Anforderungen und Belastungen der Wirtschaftszweige Rechnung tragen und als Maßstab für die Verteilung von Bonus und Malus dienen.
Pensionsalter und Arbeitslosenversicherung
Der Verband verbindet die Diskussion um das gesetzliche Pensionsalter mit der Beschäftigungssituation älterer Arbeitnehmer. In der Aussendung wird vor Verschiebungen von Kosten gewarnt, wenn steigendes Pensionsalter nicht mit Maßnahmen für längere Beschäftigung verbunden wird, sondern Arbeitslosigkeit älterer Arbeitnehmer zunimmt.
Was die Forderung konkret bedeutet
Konkrete gesetzliche oder administrative Schritte nennt die Aussendung nicht. Der PVÖ fordert jedoch die rasche Einführung des Modells und benennt Bausteine, die in einer Umsetzung geregelt werden müssten: die Festlegung von branchenspezifischen Zielquoten, die Definition von Ausnahmen für körperlich belastende Berufe, Kleinbetriebe und Start‑ups sowie die Zweckbindung der Malus‑Einnahmen für das Pensionssystem.
Der Verband positioniert den Vorschlag politisch: Für den PVÖ liegt die Antwort auf den Herausforderungen des Arbeitsmarktes nicht in einer weiteren Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters, sondern in besseren Beschäftigungschancen für ältere Arbeitnehmer. „Wer ernsthaft will, dass Menschen länger arbeiten, muss endlich die Voraussetzungen dafür schaffen. Nicht die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind das Problem, sondern ein Arbeitsmarkt, der Erfahrung noch immer zu wenig wertschätzt“, so Gerstorfer in der Aussendung.
FAQ zur PVÖ‑Forderung
Was fordert der PVÖ genau?
Der PVÖ fordert die rasche Einführung eines Bonus‑Malus‑Systems für ältere Beschäftigte. Laut Verband sollen Unternehmen belohnt werden, die ältere Arbeitnehmer bis zum gesetzlichen Pensionsalter oder darüber hinaus im Betrieb halten, und Unternehmen mit einem deutlich zu geringen Anteil älterer Beschäftigter höhere Dienstgeberbeiträge leisten.
Warum argumentiert der PVÖ für dieses System?
Der Verband stellt einen Widerspruch zwischen steigendem Anteil älterer Arbeitsloser und gleichzeitig anhaltendem Fachkräftemangel fest. Als Folge plädiert der PVÖ dafür, Unternehmen durch finanzielle Anreize stärker in die Verantwortung zu nehmen, wenn älteren Arbeitnehmern der Verbleib im Erwerbsleben erschwert wird.
Welche Ausnahmen schlägt der PVÖ vor?
Der PVÖ nennt Ausnahmen für körperlich besonders belastende Berufe sowie für Kleinbetriebe mit weniger als 20 Beschäftigten und für Start‑ups. Solche Ausnahmen sollen den unterschiedlichen betrieblichen Rahmenbedingungen Rechnung tragen.
Wie sollen die Malus‑Einnahmen verwendet werden?
Der PVÖ verlangt, dass die Einnahmen aus dem Malus zweckgebunden in die nachhaltige Stärkung des Pensionssystems fließen. Konkrete Verteilungsmodalitäten oder rechtliche Details werden in der Aussendung nicht ausgeführt.
Was sagt der PVÖ zur Pensionsalter‑Anhebung?
Der Verband stellt klar, dass die Antwort auf Arbeitsmarktprobleme nicht in einer weiteren Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters liegen dürfe. Vielmehr müsse das Anheben des Pensionsalters von wirksamen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen begleitet werden, um längere Arbeitslosigkeit älterer Arbeitnehmer zu vermeiden.
Wer hat die Forderung formuliert?
Die Forderung stammt vom Pensionistenverband Österreichs (PVÖ). In der Aussendung äußerte sich PVÖ‑Präsidentin Birgit Gerstorfer zu den Vorschlägen und zur Begründung des Modells.
Quellen und Kontakt
Quelle: Pensionistenverband Österreichs (PVÖ).
Kontakt: Pensionistenverband Österreichs, Mag. Susanne Ellmer‑Vockenhuber, Bakk.; E‑Mail: susanne.ellmer [at] pvoe.at; Website: https://pvoe.at
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Grundlage: Presseaussendung von Pensionistenverband Österreichs, verbreitet über APA-OTS. Originalfassung: www.ots.at
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